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Greift zeitkritische Themen auf: Thomas Olze mit der Serie „Landschaft/Anthropozän“. Foto: Meyer

Vom Verfall der Moderne: Künstler Thomas Olze präsentiert Ausstellung „Post Utopia“

Pforzheim. Große gesellschaftliche Fragen wirft Thomas Olze in seinen 14 Arbeiten auf. Enthalten positive Zukunftsvisionen auch immer schon ein dystopisches, pessimistisches Szenario? Was kommt nach der Utopie? Damit bezieht sich der Künstler auf Impulse, die vor gut 500 Jahren von Thomas Morus’ Roman-Klassiker „Utopia“ ausgingen. Olzes Ausstellung „Post Utopia“ ist in der Versicherungsagentur Ohnmacht an der Schießhausstraße 1-5 zu sehen, sie wird am Freitag um 19 Uhr eröffnet – der Auftakt für das Konzept „Art & Insurance“.

Kuratorin Regina Fischer und Jeron Ohnmacht wollen künftig einmal jährlich einer jungen, noch nicht überall präsenten Künstlerin oder einem Künstler aus der Region die Chance geben, sich zu präsentieren.

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Künstler Thomas Olze präsentiert Ausstellung „Post Utopia“

„Oberste Prämisse ist dabei die Qualität des Werks“, sagt Fischer, die Ohnmacht eine Reihe von Kunstschaffenden vorgeschlagen hatte. Seine Wahl fiel auf Olze, der seit 2016 an diversen Ausstellungen in Pforzheim beteiligt war und zuletzt die virtuelle Schau fürs „Stattbad“-Projekt kuratierte (die PZ berichtete). Zunächst waren es die formalen und ästhetischen Aspekte, die Ohnmacht überzeugten. „Ich bin besonders an abstrakter Kunst interessiert“, sagt er. Aber auch das Thema habe ihn angesprochen.

Mächtige, urbane Betonlandschaften vor meist goldfarbenem, schwarz grundiertem Hintergrund: Bei der Serie „Post Utopia“ ließ sich Olze von den klaren architektonischen Formen des auch in Pforzheim präsenten Brutalismus inspirieren. Die den Farben beigemengten Silberpigmente verändern die Bilder je nach Lichtsituation und Betrachtungsposition. Nichts ist eindeutig oder endgültig. Dieselbe Fläche erscheint mal verführerisch, mal abweisend.

„Der Brutalismus steht für mich exemplarisch für den utopischen Gedanken, soll er doch Moderne und Fortschritt verkörpern“, sagt Olze. Leider zeigten diese gebauten Utopien, wie auch die modernen Gesellschaften, immer mehr Auflösungserscheinungen. Die architektonischen Strukturen hat er in seinen Arbeiten teils stark fragmentiert – als Allegorien für den gesellschaftlichen Zerfall. Denn in der Rückschau hätten sich Utopien wie Kommunismus, aber auch Kapitalismus als unhaltbar erwiesen. „Ihn interessieren sowohl die Architektur in ihrer strengen Form als auch die mit der Vorstellung von Nüchternheit verbundenen utopischen Ansätze einer Demokratisierung in der Kunst“, analysiert Fischer.

In seiner neuen Serie „Landschaft/Anthropozän“ (Zeitalter des Menschen) hinterfragt der Autodidakt die Kommerzialisierung der Natur und die damit verbundene Bedrohung durch Flächenverbrauch oder gar Zerstörung des Lebensraums. Der Bilderserie liegen Satellitenaufnahmen zugrunde. Seine sehr abstrakt anmutenden, wie aus der Vogelperspektive wiedergegebenen Landschaften betonen die Denaturierung der Natur und deren menschengeschaffene Künstlichkeit. Silberfarbene Liniengefüge zerlegen die Bildflächen. Sie erinnern an moderne Barcodes – ein weiterer kritischer Verweis auf die Kommerzialisierung.