Mit der Pianistin Hisako Kawamura hat SWDKO-Chefdirigent Douglas Bostock bereits häufiger zusammengearbeitet. Sie spielt beim ersten Abo-Abend Mozarts Klavierkonzert C-Dur. Borggreve
Beliebter Chef: Douglas Bostock. Schmidt-Ammerbuch
Freuen sich, mal wieder nach Pforzheim zu kommen: Trompeter Reinhold Friedrich und seine Frau, die Pianistin Eriko Takezawa. Francis
24 Jahre alt ist der schweizer Geiger David Nebel – und bereits auf dem Weg zum Star. In Pforzheim spielt er Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert. Arens
Salzburger Festspiele, Festspielhaus Baden-Baden, Wiener Staatsoper: Der britische Tenor Benjamin Hulett singt meist an bedeutenden Häusern. Cooke
Kultur
Von Mozart bis zum Silvester-Feuerwerk: Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim startet in die neue Saison
  • Sandra Pfäfflin | Pforzheim

Bei den sechs Abokonzerten stehen mit viele bekannte und auch noch nicht gespielten Werke auf dem Programm. Der Auftakt ist am 24. und 25. Juli beim Open-Air vor Schloss Bauschlott.

Von Douglas Bostocks erster Saison als Chefdirigent des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim ist, wie er sagt, „nicht viel übrig geblieben“. Und so nimmt er nun „voll Zuversicht und Hoffnung“ einen zweiten Anlauf – mit einem vollen Programm.

Die Abokonzerte

Für die sechs Abonnementkonzerte im CongressCentrum (immer ab 19 Uhr) hat Bostock die SWDKO-Archive durchforstet und ist auf einiges gestoßen, was das Orchester noch nie gespielt hat. Und so verbindet sich Vertrautes, vom Publikum ausdrücklich Gewünschtes mit ganz Neuem.

Los geht es mit einer interessanten Vergleichsmöglichkeit: Während Robin Davis, der neue Generalmusikdirektor des Theaters Pforzheim, seine Saison mit der Badischen Philharmonie am 4. Juli mit Haydns „Oxford“-Sinfonie beendete, steigt Bostock am 10. Oktober mit ihr in die Saison ein. Neben Mozarts Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur, gespielt von der Pianistin Hisako Kawamura, stehen zwei weitere interessante Werke auf dem Programm: Die Sinfonietta Nr. 1 von Malcolm Arnold (1921-2006), den Bostock persönlich kannte und dessen Werke er auf zahlreichen CDs einspielte. Und Ulrich Stranz (1946-2004) hat mit seinem „Diversono“ vor 50 Jahren den Kompositionswettbewerb des Kammerorchesters gewonnen.

Was bislang nur per Silberscheibe erklang, bringt Bostock dem Publikum im zweiten Abokonzert am 21. November näher: „British Music“, unter anderem mit Hubert Parrys „An English Suite“ und Granville Bantocks „Scenes From The Scottish Highlands“. Für Benjamin Brittens Serenade für Tenor, Horn und Streicher ist der international renommierte Brite Benjamin Hulett verpflichtet worden.

Ein guter Bekannter gestaltet das dritte Konzert am 6. Februar 2022: Trompeter Reinhold Friedrich kommt mit seiner Frau, der Pianistin Eriko Takezawa, nach Pforzheim und spielt Schostakowitsch. Außerdem auf dem Programm: Mozarts Ohrwurm-Sinfonie Nr. 40 g-Moll.

Wohin geht die Musik? Das fragt Douglas Bostock beim vierten Abo-Konzert am 20. März 2022. Neo-Romantik, Zwölftöner, erweiterte Tonalität: Mit Charles Ives, Alban Berg, Jean Sibelius und Bohuslav Martinů stellt er unterschiedliche Strömungen vor. Tief in die Romantik taucht das Publikum am 15. Mai 2022 ein – mit Werken von Janáček, Tschaikowsky, Dvořák und Suk, dirigiert von Charles Olivieri-Munroe. Und weil’s so schön war, geht es zum Saisonabschluss am 3. Juli 2022 gerade so weiter: mit Wagners „Sigfried Idyll“, Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll (gespielt vom 24-jährigen David Nebel), Wolfs „italienischer Serenade“ und Beethovens achter Sinfonie.

Der Blick hinter die Kulissen

Mehr als nur ein schöner Konzertabend: Douglas Bostock möchte mit seinen Einführungen den Besuchern einen Blick hinter die Kulissen bieten – nicht, nur was die Komponisten und Werke anbetrifft. „Am besten mit einem schönen Glas Wein“ soll man sich auf das Konzert einstimmen. Dazu gibt es jetzt mehr Gelegenheit, beginnen die rund 30-minütigen Einführungen doch bereits um 18 Uhr.

Die Sonderkonzerte

Bald geht es wieder los: Bereits am 24. und 25. Juli spielt das Kammerorchester vor der herrschaftlichen Kulisse des Schlosses Bauschlott. Bei dem von der PZ präsentierten Open-Air-Konzert erklingt Stimmungsvolles – unter anderem Mozarts Ballettmusik aus „Idomeneo“, drei Sätze aus Mendelssohn Bartholdys „Sommernachtstraum“ und Rossinis Ouvertüre zu „Tancredi“.

„Mozart royal“ steht im königlichen Ambiente des Kurtheaters Bad Wildbad auf dem Programm: Das Konzert des Fördervereins am 11. September wartet mit der Sinfonie D-Dur, dem Klarinettenkonzert A-Dur und der Sinfonie Nr. 40 auf. Ein „musikalisches Feuerwerk“ will Bostock mit seinen Musikerinnen und Musikern an Silvester abbrennen: Alle Werke – von Offenbach über Johann Strauss bis Franz von Suppé – zählen zu den „Top 50“ der Klassik. Das Orchester spielt in sinfonischer Besetzung und der am Bodensee lebende Brite wird mit seiner charmanten Art moderieren.

Ins „Land der Trolle“ entführt das Familienkonzert am 27. März 2022 im Kulturhaus Osterfeld. Juri Tetzlaff, Gründungsmoderator des Kinderkanals KiKA, wird eine märchenhafte Geschichte zur Musik des Norwegers Edvard Grieg erzählen.

Und damit keiner denkt, das Südwestdeutsche Kammerorchester verstünde nur etwas von Klassik, geht es gemeinsam mit dem Jugendzentrum „Kupferdächle“ neue Wege: mit einem Beatbox-Workshop mit Robeat (ab Herbst). Das tagsüber erlernte „Mundwerk“ kann am Abend beim Konzert mit dem SWDKO dem erstaunten Publikum präsentiert werden.

Die Video-Reihe

Nach Brittens „Simple Symphony und Elgars Streicherserenade geht die beliebte „Discovery“-Reihe weiter. Im neuen Video will Douglas Bostock den Zuschauern Edvard Griegs Suite „Aus Holbergs Zeit“ nahe bringen. Auch wieder in einer englischen Version, denn die sei bei vielen Schulklassen in aller Welt bereits sehr gefragt.

Das Orchester

„Das Orchester ist gut beieinander“, lautet das Fazit seines Chefs. Auch wenn er die 13 Musikerinnen und Musiker in den vergangenen Monaten nur sporadisch gesehen hat. Im November und Dezember vergangenen Jahres beispielsweise gar nicht. Ab Januar allerdings standen vermehrt CD-Einspielungen auf dem Arbeitspensum. Das SWDKO, so Geschäftsführer Andreas Herrmann, befinde sich weiterhin in Kurzarbeit. Zumal immer noch viele Gastspieltermine wegfielen und auch die geplante China-Tournee erneut um ein Jahr auf Dezember 2022 verschoben worden sei.

Das Abonnement

Abonnements sind ab sofort in der Geschäftsstelle, Westliche 257 a, Telefon (0 72 31) 46 46 44, Email info@swdko, erhältlich. Allerdings, so Herrmann, könnten noch keine bestimmten Sitzplätze gebucht werden, da die Zahl der möglichen Besucher nicht feststehe. Die Preise werden nicht erhöht – „als Dankeschön an unsere Abonnenten, die zu 80 Prozent auf die Rückzahlung trotz der ausgefallenen Konzerte verzichtet haben.“