Pforzheim. Anfang Januar sind sie mit „Hallo Pforzheim“ an den Start gegangen – einem wöchentlichen Podcast mit kuratierten Veranstaltungstipps, von Pforzheimern für Pforzheimer. Die Rückmeldungen seien sehr positiv und geben den Rückenwind, weiterzumachen, ziehen Ana Kugli und Sebastian Seibel, die beiden Sprecher, eine erste Bilanz. „Einige Kulturschaffende haben uns bereits zurückgemeldet, dass sie den Effekt von ,Hallo Pforzheim‘ spüren“, sagen sie. Dass zum Beispiel genau jene Veranstaltungen besonders gut besucht waren, die der Podcast vorgestellt hatte.
Bei den Hörern haben die Macher, zu denen auch die Coaching-Expertin Sabina Hacker-Kollmar, der Multimedia-Experte Thorsten Gieske und der Business-Coach Andreas Ruf zählen, gar den Eindruck, Pionierarbeit zu leisten. „Ganz bestimmt haben wir bei vielen Pforzheimern das Medium Podcast überhaupt erst bekannt gemacht und ihnen nahe- gebracht, wie man Podcasts abonniert und anhören kann“, ist Seibel überzeugt.
Insgesamt habe sich bewahrheitet, dass Pforzheim mehr zu bieten hat, als viele denken und gerne mal daherbruddeln. „Ehrlich gesagt, hat Pforzheim sogar noch mehr zu bieten, als wir selbst am Anfang gedacht haben“, sagt Kugli. Ihre Plattform sei wichtig, weil sie anders konsumiert werde als andere Medien. „Von einigen Hörern wissen wir, dass sie uns explizit beim Autofahren hören.“
Zehn Wochen lang ging das Ganze gut – und dann kam Corona. Ein Veranstaltungs-Podcast ohne Veranstaltungen? Wie es der Zufall wollte, hatten die Podcast-Macher ihr Konzept kurz vor der Krise ohnehin variiert: Als Schwerpunkt gibt es inzwischen ein Interview, zuletzt mit Kulturamtsleiterin Angelika Drescher.
Situation im „Café Roland“
In der Folge, die ab heute um die Mittagszeit zu hören ist, spricht „Café Roland“-Betreiberin Cina Dilber über die aktuelle Situation. Ihr Plan: Um für einen Abend mit ihren Gästen beisammen zu sein, lädt ihr wegen der Corona-Vorkehrungen geschlossenes Café auf seiner Facebook-Seite ins Online-Wohnzimmer: Am Donnerstag, 16. April, will DJ Firat ab 18 Uhr Musik aus aller Welt auflegen. Von 19.30 Uhr an soll es eine Versteigerung von Platten, Zeichnungen und anderen Schätzen geben. Die Aktion unter dem Titel „Roland digital“ soll helfen, das Café über Wasser zu halten. „Aktuell ist es bekanntlich nicht so einfach, die Fixkosten zu decken“, sagt Dilber.
Derlei Interviews führen Kugli und Seibel weiterhin, außerdem bieten sie statt der Veranstaltungstipps Kulturschaffenden die Möglichkeit, den Podcast als „100 Prozent virenfreie Bühne“ zu nutzen: Sie schicken ihre Beiträge als Soundclips, die in die Folgen eingebaut werden.
„Da wir bei den Interviews Abstand zu halten versuchen, arbeiten wir inzwischen mit einer Podcast-Software“, sagt Seibel. Diese ermögliche es, an getrennten Orten zu sein, ohne dass man das der Aufnahme unbedingt anhört. „Wie viele Menschen derzeit, erproben auch wir technische Möglichkeiten, die es zwar schon vor Corona gab, die wir aber nicht genutzt haben, weil es bislang nicht notwendig war“, ergänzt Kugli.
„Einfach ausprobieren“
Also Flucht nach vorne statt Kopf in den Sand stecken? „Ja, definitiv“, sagen die beiden. Zumal sie ihre mehr als 1000 Abonnenten nicht im Stich lassen wollen. Und Künstler sowie Kulturschaffende, die mit ihrem Publikum in Kontakt bleiben wollen, könnten „Hallo Pforzheim“ jetzt als Sprachrohr nutzen.
„Wir sind auf einem guten Weg. Trotzdem bleiben wir offen für neue Ideen und scheuen uns auch nicht, manches einfach auszuprobieren“, sagen die beiden mit Blick auf die Zukunft. Die strategische Vision sei: durchhalten. „Leider sind auch uns bereits zugesagte Sponsorengelder durch die Krise weggebrochen. Von daher machen wir momentan ehrenamtlich weiter, obwohl das nur für die Startphase so gedacht war.“ Kugli und Seibel hoffen, dass sie auch unter diesen Rahmenbedingungen weiterhin wöchentlich eine neue Folge produzieren können.
Der Podcast ist auf allen gängigen Streaming-Plattformen zu hören und auf www.hallo-pforzheim.de

