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Michaela Thäsler stellt im „Kunstraum Belrem 8“ aus.  Geldhauser/Meyer
Michaela Thäsler stellt im „Kunstraum Belrem 8“ aus. Geldhauser/Meyer
Armschmuck aus 750er-Gold.
Armschmuck aus 750er-Gold.
Collier aus 49 Scheibenringen mit subtilem Farbverlauf.
Collier aus 49 Scheibenringen mit subtilem Farbverlauf.
07.11.2017

Zeitlos schön: Neue Ausstellung „Kreisformen“ im Rahmen des Schmuck-Jubiläums

Seit langem bewegt sich Schmuck nicht selten auf der Grenze zwischen Schmuckstück, Objekt und Skulptur. Zur Suche nach neuen Formen kommt das Experimentieren mit neuen Werkstoffen, jedes Material scheint möglich, Bestand hat Schmuck oft auch ohne die Funktion des Tragens.

Die Ausstellung „Kreisformen“, die am Sonntag im Kunstraum Belrem 8 in Dillweißenstein mit neuen Arbeiten von Michaela Thäsler, die zusammen mit ihrem Mann Norbert Muerrle diesen Präsentationsraum geschaffen hat, eröffnet wurde, schließt sich der Eroberung von neuen Räumen an, aber sie setzt auch einen Kontrapunkt zum Trend.

Thäsler geht einen eigenen Weg, arbeitet ausschließlich mit Edelmetallen und Naturperlen, hat sich einer klaren Gestaltung verschrieben, die einen überraschenden, aber dabei auch bewahrenden Umgang mit traditionsreichen Formen aufweist. Obwohl modern gestaltet, verliert bei diesen Schmuckstücken der Begriff Zeitgeist an Bedeutung. Was Thäsler präsentiert, ist unverwechselbar: ein Stück Zeitgeschichte und dennoch zeitlos schön. Ein Kreis ist ein Kreis. Oder etwa nicht? Thäsler hat ihre Ausstellung wohlweislich „Kreisformen“ genannt. Denn hier ist der Kreis mehr als ein geometrisches Konstrukt – er scheint sich freihändig in eine nicht immer geschlossene Rundung zu fügen. Es ist das Spiel mit Metamorphosen, das sie fasziniert. Wesen ihres Schmucks ist die Intensität seiner Harmonie, aber auch die Verknüpfung verschiedenartiger Materialien.

Ein Kräftespiel von Linien und sanften Farbnuancen prägt ihre künstlerische Handschrift. Mit kluger Reflexion, ohne dabei die Emotionalität auszusparen und auf der Basis eines handwerklich perfekten Umgangs mit dem edlen Werkstoff, den sie in verschiedenen Legierungen verwendet, realisiert sie ihre Formensprache. Bei der könnte sich angesichts des Stichwortes Kreis leicht eine gewisse Monotonie einstellen – doch das geschieht nicht. Die Goldschmiedin nimmt dem Kreis gerne etwas von seiner Begrenzung. Ihre Kreisformungen beinhalten Brechungen der glatten Linien. Nur bedingt beeinflussbare Verdickungen und Ausdünnungen bei Ringen und kreisförmigen Schmuckelementen entstehen durch den Schweißprozess oder durch Materialverdrängung, wenn bei der weiteren Verarbeitung der kreisförmige Körper flach verformt wird. Kein Glied einer Kette ist mit einem anderen deckungsgleich. Von Feingold und Feinsilber über verschiedenste Goldlegierungen bis hin zu 600er-Gold – „darunter sieht alles silberfarben aus“, sagt sie – reicht die nuancenreiche Farb- und Materialskala, in deren Rahmen sie auch eine ganz eigene Zweistofflegierung einsetzt, die in dieser Form auf dem Markt nicht zu haben ist.

Und so finden wir hier unter anderem ein breites 750er-Goldband, das sich wie eine bewegliche Spirale voller Leichtigkeit um das Handgelenk schlingt, Ketten und Colliers aus ringförmigen Elementen oder aus schmalen Goldfäden, die sich am Hals der Trägerin zu einem Kreis schließen, sowie schmale Ringe, die, übereinander gesteckt, die Nuancen der verschiedenen Goldverarbeitungen verbinden. Kleinen Naturperlen gehört die besondere Liebe der Goldschmiedin – sie passen in das fast puristische Konzept der klaren Form und des edlen Materials.