
- Lilli Weber
Stuttgart. Im Zyklus zur heiligen Ursula nimmt der Maler Vittore Carpaccio eine Geschichte aus dem 5. Jahrhundert auf und beamt sie um 1000 Jahre in die Zukunft, in seine Lebenszeit, das Jahr 1490. Seine Themen kommen aus dem Mittelalter und trotzdem wirken die Bilder modern und zeitgemäß. Dies liegt an Carpaccios Interesse für die künstlerischen Neuerungen der Renaissance. Seine Motive stellt er dreidimensional dar, also nicht mehr wie im Mittelalter, als Unwichtiges klein und Wichtiges groß gemalt wurde. Auch versteht er sich nicht als Handwerker, sondern als Künstler, der seine Bilder signiert und sich sogar selbst darstellt. Menschen, die im Mittelalter wie namenlose Schäfchen Gottes erscheinen, bekommen in seinen Porträts ein Gesicht.
Bis hierhin könnte man das alles genauso über seinen weitaus bekannteren Kollegen Giovanni Bellini sagen.
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