Pforzheim. Ein Abend zwischen heiter und nachdenklich, Hoffnung und Angst, Anregung und Sprachlosigkeit – angesichts der vorgetragenen Passagen aus dem Emigrantenroman „Menschliches Treibgut“ von Friedrich Hollaender. Der deutsche Revue- und Filmkomponist lebte von 1934 bis 1955 im US-Exil.
Zwei Ensemblemitglieder des Theaters Pforzheim, Thorsten Klein (Text/Gesang) und Yonatan Cohen am Klavier, haben sich auf Hollaenders Spuren begeben und eine schlüssige Collage erstellt: aus Liedern und Chansons von verfemten und von den Nationalsozialisten verfolgten Komponisten sowie aus literarischen Passagen. Das 1941 unter dem Titel „Those Torn from Earth“ erstmals erschienene Werk zeigt am Beispiel von Künstlern das ganze Spektrum der aus Deutschland erzwungenen Emigration. Klein und Cohen rücken Texte wie über die nächtliche Suche von „Braunhemden“ in der Wohnung des Komponisten Hermann Hamforter nach „nichtarischen“ Noten in den spannenden Kontext von Hollaenders satirischem Couplet „An allem sind die Juden schuld“. Heitere, sehnsüchtige und nachdenkliche Lieder kommentieren den dramatischen Inhalt des Rezitierten. Knapp 30 Besucher verfolgten das „Montagsfoyer“, welches das Theater nach Worten des Chefdramaturgen Peter Oppermann erstmals auf die Beine gestellt hat. Die neue Reihe soll künftig andere Kleinformate wie die Liederabende in unregelmäßigen Abständen ergänzen.

