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„Misstraut jedem, der von Neustart redet“: Florian Schroeder.  Foto: Roller 

Zwischen Humor und Haltung: Florian Schroeder beweist im Osterfeld seine Vielseitigkeit

Pforzheim. Aus Holland sind sie gekommen und inzwischen auch auf deutschen Straßen unterwegs, vor allem in Großstädten: Lastenräder. Oder wie Florian Schroeder zu ihnen sagt: „Öko-SUVs“ Gefährte, die von Leuten gelenkt werden, die ihre Kinder immer im Blick haben wollen. „Was waren das für dunkle Zeiten, als es noch Fahrräder mit Anhängern gab?“

Entwicklungen, die Schroeder am Sonntagabend beim Sommersprossen-Festival im Innenhof des Kulturhauses Osterfeld aufs Korn nimmt. Auch er hat unter der Corona-Zeit gelitten, ist jetzt „ein bisschen aggro“ und macht keinen Hehl aus seiner Wut auf YouTube, der „Pissrinne des Internets“. Oder auf Facebook, der „allerletzten Rotz-Hölle“, wo es nur um Reichweite geht. Schroeder könnte sich aufregen. Noch schlimmer sind nur die Selbstdarsteller bei Instagram. „Influenza ist die Grippe, aber Influencer sind die Pest.“

Und in der Politik? Da betreibt Laschet antizyklischen Wahlkampf. „Er macht nichts und die Umfragewerte steigen.“ Wobei: Als das Hochwasser kam, hat er die Gummistiefel angezogen und den „starken Max“ markiert. Fast so wie Schröder damals. Nur, dass der nicht gegrinst hat, als der Bundespräsident sprach.

Und Baerbock? Die schreibt ab – und lässt sich dabei von einem Plagiatsjäger erwischen. Also von einem mit „Google-Diplom von der Bing-Universität“. Zumindest stellt Schroeder sich das so vor. Aber was ist die Alternative? Wäre es nicht am besten, wenn er selbst antritt? Eigentlich ist es ja ganz einfach: 2025 die absolute Mehrheit holen, damit man hinterher keine falschen Kompromisse machen muss. Und dann durchregieren: bedingungsloses Grundeinkommen, Bürgerversicherung, Verbot von Inlandsflügen, Fleisch- und Benzinpreise um das Fünffache erhöhen, einen dritten Senat beim Verfassungsgericht schaffen, ein neues Polizeigesetz verabschieden, die Zahl der Abgeordneten im Bundestag begrenzen, den Bundesrat ganz abschaffen. Und zu guter Letzt: per Volksabstimmung der Bundesrepublik eine neue Verfassung geben, eine verpflichtende Volks-App einführen, über die das gesamte Leben organisiert wird.

Eine beklemmende Vorstellung. Schroeder zeigt auf, wie fragil die Demokratie ist, wie leicht auch hierzulande eine Diktatur eingeführt werden könnte und wie viel Akzeptanz es dafür geben würde, zumindest am Anfang. „Man braucht nur einen ruchlosen Opportunisten wie mich und ein Publikum wie euch.“ Eines, das anfangs bei jeder neuen Forderung noch begeistert klatscht und erst dann hellhörig wird, als es eigentlich schon zu spät ist. „Misstraut jedem, der von Neustart redet“, sagt Schroeder, auf einmal ganz ernst. Worte, die ihre Wirkung nicht verfehlen.