An der „Mühle des Blutes“: Walter Steinmeier, Prokopios Pavlopoulos und Antonio Vega Macotela (von rechts). Foto: Bergmann
Kultur
documenta in Kassel öffnet ihre Türen
  • Göran Gehlen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der griechische Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos haben am Wochenende die documenta in Kassel eröffnet. Bis zu einer Million Besucher werden auf der weltweit bedeutendsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst erwartet. 100 Tage lang zeigen Künstlerinnen und Künstler in der nordhessischen Stadt ihre Werke und Darbietungen.

Kassel. Türen auf für das documenta-Publikum: Politik ist ein großes Thema der diesjährigen documenta, steht aber nicht im Mittelpunkt. „Die Kunst hat Vorrang, und das ist gut“, sagte Steinmeier. Pavlopoulos betonte, die documenta zeige, „wie Europa der Welt durch die Kultur die Botschaft von Frieden und Gerechtigkeit senden kann.“

Bei ihrem Rundgang am Samstag ließen sich die beiden Staatsoberhäupter von Künstlern Installationen erklären und legten dabei buchstäblich Hand an, um die Zahnräder der „Mühle des Blutes“ in Bewegung zu setzen. Der Nachbau einer Sklavenmühle ist der Beitrag des mexikanischen Künstlers Antonio Vega Macotela.

Besonders angetan war der Bundespräsident vom „Parthenon der Bücher“. Der mit verbotenen Büchern behängte Tempelnachbau der argentinischen Künstlerin Marta Minujín sei bereits ein Symbol der documenta 14. „Der Parthenon spiegelt die Konflikte unserer Zeit“, sagte Steinmeier. Dazu gehöre das Ringen um Vernunft und um den Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit. Auch in den ersten Eindrücken von documenta-Besuchern auf sozialen Medien war der Bücher-Parthenon besonders häufig zu sehen und verbreitete einen Hauch von Akropolis. Erstmals seit 1955 gibt es mit Athen einen zweiten documenta-Standort neben Kassel. In der griechischen Hauptstadt hatte die Ausstellung bereits im April begonnen, dort dauert sie bis zum 16. Juli. Zahlen zum Besucherandrang am Eröffnungswochenende gab es nicht: Die documenta-Veranstalter wollen erst nach den ersten 50 Tagen eine Halbzeitbilanz vorlegen. Der Eröffnungsrundgang Steinmeiers war von starken Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Große Teile des Friedrichsplatzes, des zentralen Standortes der documenta in Kassel, waren abgeriegelt. Auch einige Ausstellungsgebäude blieben wegen des Besuchs der Staatsoberhäupter am Morgen zu, obwohl die Ausstellung bereits lief. Ein Gleitschirmflieger über dem Gelände wurde von einem Polizeihubschrauber schnell aus dem Luftraum eskortiert. Von Samstagmittag an strömten nach dem Abbau der Absperrungen tausende Besucher auf den Friedrichsplatz.