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500 Menschen mussten in Mühlacker wegen dem Fund eines Blindgängers evakuiert werden. © Lutz
09.05.2012

Fliegerbombe legt Mühlacker lahm: Anwohner evakuiert

Mühlacker. Ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg hat am Mittwochnachmittag für Aufregung in der Senderstadt gesorgt. Nachdem die rund 250 Kilogramm schwere amerikanische Fliegerbombe gegen 13.15 Uhr bei Bauarbeiten zwischen dem Autohaus Dobler und der Firma Händle gefunden wurde, war für den Kampfmittelräumdienst klar, dass der Blindgänger noch am selben Tag entschärft werden sollte.

Bildergalerie: Blindgänger gefunden: 500 Menschen in Mühlacker evakuiert

Von 17 Uhr an waren unter anderem 50 Polizisten und 80 Feuerwehrleute im Einsatz. Straßen wurden abgesperrt und in einem Umkreis von 250 Metern etwa 500 Personen vorsorglich evakuiert. Der Bereich, der aus Sicherheitsgründen geräumt wurde, erstreckte sich vom Kreisverkehr beim Einkaufszentrum in der Nähe der Ziegelei über die Bahnbrücke, die Lienzinger Straße bis zur Polizei und zur angrenzenden Industriestraße. Zudem waren die Abzweigung in den Kißlingweg sowie der Isolde-Kurz-Weg und ein Teil der Schillerstraße betroffen. Durch einen reibungslosen Ablauf war der Bereich um den Bombenfundort bereits gegen 17.30 Uhr nahezu menschenleer. Nur noch vereinzelt fuhren Autos aus der Gefahrenzone und die letzten Passanten verließen den inzwischen abgesperrten Bereich.

Unter ihnen waren auch die drei Teenager Ali, Eren und Veli, die kurz zuvor von der Feuerwehr von dem Fund erfahren hatten. „Wir haben keine allzu große Angst, aber ein mulmiges Gefühl ist schon vorhanden, wenn so etwas passiert“, sagten die drei gegenüber der PZ. Ähnlich erging es Bilal Kücük, der ebenfalls sein Haus verlassen musste und am Mühlacker Polizeirevier die Bombenentschärfung abwartete. „Ich habe aber großes Vertrauen, dass alles gut geht. Mein Haus ist versichert und meine Familie ist aus der Gefahrenzone. Außerdem ist die Bombe jetzt so lange Zeit nicht hochgegangen, da wird sie jetzt auch nicht mehr explodieren“, meinte Kücük.

Am Fundort machten sich Feuerwerker Klaus-Peter Olsson, der seinen Dienstsitz in Sindelfingen hat, und Kollege Alexander Geißelhart gemeinsam mit Mühlackers Oberbürgermeister Frank Schneider sowie Amtsleitern und Vertretern der Polizei ein genaues Bild. Olsson ist seit 1982 im Geschäft, er hat mehrere Hundert Bomben entschärft. Der verheiratete Vater zweier Kinder strahlte eine erstaunliche Ruhe aus. „Im Normalfall sollte das zügig gehen mit der Entschärfung“, so Olsson. Er hatte sich schon eingehend mit der Bombe vom August 1944 beschäftigt und den Zündmechanismus untersucht. Der sei in einem recht guten Zustand, erklärte Olsson. Aus diesem Grund rechnete der 61-Jährige, der sich um Kampfmittel von der Gewehrpatrone bis zur Fliegerbombe kümmert, nicht mit Komplikationen. Nur sechs Minuten nachdem er sich schließlich ans Werk machen konnte, habe sich Olsson bei ihm gemeldet und Entwarnung gegeben, berichtete OB Schneider am Abend bei einer improvisierten Pressekonferenz im Rathaus. 82 der evakuierten Personen, so Schneider weiter, hätten das Angebot angenommen, sich am Theodor-Heuss-Gymnasium versorgen zu lassen. Letztlich sei alles gut gelaufen. Dafür könne er Olsson und allen anderen Beteiligten nur danken, sagte Schneider.