nach oben
Es gebe keinen kostengünstigen Mittelweg zwischen einer Sanierung für rund 30 Millionen Euro und einem Abriss des Mühlehofs, so die Stadtverwaltung.
Es gebe keinen kostengünstigen Mittelweg zwischen einer Sanierung für rund 30 Millionen Euro und einem Abriss des Mühlehofs, so die Stadtverwaltung. © Lutz
21.06.2011

Fragen und Antworten zum Mühlehof aus dem Rathaus

MÜHLACKER. Mit Blick auf die nahende Bürgerversammlung am Donnerstag, 30. Juni, um 20 Uhr hat die Stadtverwaltung in Mühlacker eine Übersicht zum Thema Mühlehof zusammengestellt. Sie soll einige Fragen beantworten, mit denen sich die Pforzheimer Zeitung bereits beschäftigt hat und die in der Bevölkerung diskutiert werden.

Mühlacker-news dokumentiert im Folgenden die Informationen aus dem Rathaus.

Gibt es einen kostengünstigen Mittelweg zwischen einer Sanierung für rund 30 Millionen Euro und einem Abriss des Mühlehofs?

Nein, es gibt leider keinen kostengünstigen Mittelweg für eine Sanierung des Mühlehofs. Ein wesentlicher Grund für die hohen Kosten ist die alte Technik des Gebäudes, die für den gesamten Betrieb geschaffen wurde. Die technischen Anlagen haben ihre Haltbarkeitsdauer erreicht oder diese sogar schon überschritten. Alleine für die Sanierung der Haustechnik würden Kosten von vielen Millionen Euro anfallen.

Warum ist die Sanierung des Mühlehofs so teuer?

1. Beim Bau des Geschäfts- und Kulturhauses Mühlehofs wurden seinerzeit wirtschaftliche Synergien gesucht und umgesetzt. Ein Beispiel hierfür ist die gemeinsame Lüftung für den gewerblichen und den kulturellen Teil. Die heute schon aus betrieblicher Sicht notwendige Trennung der gemeinsamen Infrastruktur würden Millionen von Euro verschlingen.

2. Sobald tiefgreifende bauliche Veränderungen an dem Gebäude vorgenommen werden, entfällt der Bestandsschutz. Dadurch müssten beispielsweise die jetzt geltenden Vorschriften in den Bereichen Energieeinsparung und Brandschutz vollständig umgesetzt werden. Das Gebäude ist sowohl im kulturellen als auch im gewerblichen Bereich noch so vorhanden, wie es vor fast 30 Jahren in Betrieb gegangen ist.

Stimmen die Kosten von 30 Millionen Euro für die Sanierung wirklich?

Die Summe von 30 Millionen Euro wurde durch das Büro Drees & Sommer aus Stuttgart ermittelt. Bei diesem Büro handelt es sich um ein Planungsbüro mit zahlreichen Referenzen im Bereich Sanierungen. Erfahrungsgemäß muss ohne detaillierte Planung davon ausgegangen werden, dass die Kosten noch in einer gewissen Bandbreite schwanken werden. Selbst wenn es am Ende tatsächlich „nur“ 25 Millionen Euro sein sollten, wäre diese Summe für die Stadt nicht ohne Weiteres zu finanzieren. Es könnten im Endeffekt aber genauso gut auch 35 Millionen Euro Sanierungskosten herauskommen. Denn im Vorhinein weiß man abschließend nie, was während der Bauarbeiten manchmal noch alles entdeckt wird.

Wäre zumindest eine abschnittsweise Sanierung des Gebäudes je nach Kassenlage der Stadt denkbar?

Eine abschnittsweise Sanierung des Gebäudes ist nach Auskunft des Büros Drees & Sommer technisch und finanziell nicht sinnvoll möglich. Der Mühlehof lässt sich weder horizontal noch vertikal in kleinere Sanierungsabschnitte teilen. Dazu kommt das Problem der eventuellen sofortigen Aufhebung des Bestandsschutzes für das gesamte Gebäude auch bei einer abschnittsweisen Sanierung. Während der Durchführung von Sanierungsarbeiten ist ein Betrieb des kulturellen Teils für längere Zeit nicht möglich.

Wieso finden sich keine Mieter für die gewerblichen Räume des Mühlehofs?

Die letzten fünf Jahre haben gezeigt, dass der gewerbliche Teil des Mühlehofs für potentielle Mieter nicht attraktiv ist. Um genügend Kunden anziehen zu können, bräuchte man einen großen Ankermieter. Dies war früher der Lebensmittel-Markt im Untergeschoss. Ein solcher ist jedoch sowohl aufgrund der Gebäudestruktur, der baulichen Gegebenheiten und insbesondere der schwierigen Anliefer-Situation nicht zu finden. Selbst bei verbilligten Mietpreisen wollte kein Supermarkt mehr in das Untergeschoss des Mühlehofs gehen. Auch die anderen Ladenflächen müssten vor einer Neubelegung zunächst grundsätzlich saniert werden. Um beispielsweise eine einzige Ladeneinheit in der Passage im Erdgeschoss oder an deren Rand wieder in Betrieb nehmen zu können, würden Kosten von rund 250.000 Euro entstehen. Dazu kämen dann noch die Kosten für die Sanierung der Ladenpassage von über 200.000 Euro. Die Mieten sollten schon deshalb in marktüblicher Höhe liegen, da durch sie auch die Sanierungskosten des Gebäudes mit abgedeckt werden müssen.

Was passiert mit dem Standort des Mühlehofs, falls das Gebäude abgerissen wird?

Aus städtebaulichen Gründen müsste die entstehende Baulücke jedenfalls mit einem Gebäude vergleichbarer Größe geschlossen werden. Nutzungsseitig sind alle Möglichkeiten offen. Die Fläche könnte sowohl gewerblich als auch kulturell genutzt werden. In erster Linie wäre an diesem Standort eine Nutzung durch Einzelhandel wünschenswert. Eine Lücke in der Stadtmitte wird durch den Abriss des Mühlehofs sicher nicht entstehen. Jedoch ist es wichtig, den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen zu wollen. Jetzt geht es zunächst um die Frage Abriss oder Sanierung des Gebäudes.

Aber der Kulturbereich des Mühlehofs ist doch schön und erhaltenswert ...

Das trifft sicher auf den für die Veranstaltungsbesucher sichtbaren Teil des kulturellen Bereichs zu. Der Große Saal (Gottlob-Frick-Saal) ist im Inneren wunderschön gestaltet und trotz seines Alters auch laut Gutachten in einem optisch guten Zustand. Die Technik hingegen ist veraltet und renovierungsbedürftig. Zudem sind die Energiekosten des Saals unverhältnismäßig hoch und manche heute üblichen Nutzungsmöglichkeiten stehen nicht zur Verfügung. Die Baukonstruktion der Säle lässt leider keine flexible Reaktion auf die Besucherzahlen zu. Der große Saal kann nicht durch eine Trennwand verkleinert werden, wenn nur wenige Besucher zu einer Veranstaltung kommen. Moderne Säle lassen hier in gewissem Rahmen eine Größenanpassung auf den Bedarf zu.

Wieso ist keine soziale oder kulturelle Nutzung des gewerblichen Teils möglich?

Hierdurch würden der Stadt alle benötigten Einnahmen für die Sanierung des Gebäudes entfallen. Außerdem würde eine solche Nutzung nicht zu der gewünschten Belebung der Innenstadt führen. Für eine – eventuell auch nur vorübergehende – Unterbringung des Jugendhauses müsste die Versammlungsstättenverordnung beachtet werden. Diese enthält verschiedene zu beachtende Regelungen in den Bereichen Brandschutz und Fluchtwege.

Sollte man den Mühlehof nicht noch ein paar Jahre weiterbetreiben und erst dann über seine Zukunft entscheiden?

Hiergegen spricht, dass man dann in den nächsten Jahren noch mehrere hunderttausend Euro in ein Gebäude investieren würde, welches am Ende eventuell dann doch abgerissen werden würde. Denn 30 Millionen Euro für eine Sanierung sind auch in 5 Jahren nicht vorhanden. Zudem wüsste man nie, ob nicht Zusatzkosten entstehen, wenn plötzlich technische Anlagen ihren Dienst quittieren. Veranstaltungen müssten dann kurzfristig abgesagt werden. Bei fast 30 Jahre alten Anlagen ist eine Sanierung unumgänglich. pm