Pforzheim. Pforzheim wies bereits vor 50 Jahren eine bunte Vielfalt an christlichen Kirchen und Gemeinden auf. Durch eine Aufbruchstimmung, zueinanderzufinden und Vorurteile abzubauen, begannen evangelische und katholische Christen der Nachbargemeinden, Ende der 1960er-Jahre, Kontakt zueinander aufzunehmen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Daraus entwickelte sich in der Folgezeit als eine der ersten in Baden-Württemberg die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und Gemeinden. Es sollte eine Plattform für alle evangelischen und katholischen Gemeinden sowie christlichen Gemeinschaften entstehen. Miteinander wollten die Mitglieder sich besser kennenlernen und sich für christliche Werte in der Stadt einsetzen.
Beistand in Notlagen
So entstand die Telefonseelsorge für Menschen, die in ihren Notsituationen Ansprechpartner suchten. In der Folgezeit entwickelte sich daraus die Telefonseelsorge Nordschwarzwald. Daneben organisierten die Gemeinden im Winterhalbjahr an Sonn- und Feiertagen die Betreuung der Nichtsesshaften in ihren Gemeindehäusern, was diese dankbar annahmen. Daraus entwickelte sich später die Vesperkirche, bei der Pforzheim auch eine Vorreiterrolle im Land übernahm.
Mit dem Wort zum Sonntag in der Presse wollte man sich auch öffentlich zu Wort melden. Bibelwochen und die Gebetswoche vor Pfingsten entstanden. Der Kanzelaustausch sorgte für eine weitere Belebung untereinander. Auf ökumenischer Basis bildete sich als eine der ersten Beratungsstellen in Baden-Württemberg die heutige Psychologische Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen, die Religionspädagogische Medienstelle im Melanchthonhaus, die den Pädagogen aller Konfessionen zur Verfügung steht, das gemeinsam getragene Frauenhaus sowie die religionspädagogischen Jahrestagungen.
Regelmäßige Begegnungen
Es ging auch um Themen wie die Bewahrung der Schöpfung, um Gerechtigkeit und Frieden. Die Lange Nacht der Kirchen mit ihren unterschiedlichen Angeboten entstand, und die Begegnung Stadt-Kirche, die jährlich in der Begegnungsstätte in Hohenwart stattfindet. Drei Vertreter der ACG waren auch in den Aufbau der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg eingebunden. Recht schnell wuchs die Gemeinschaft auf 30 Kirchen und Gemeinschaften an. Heute gehören ihr, teilweise mit Gaststatus, 36 an.
Was den Dialog anging, übernahm die Jugend zu Beginn der 1960er-Jahre die Vorreiterrolle, ehe sich ein ökumenischer Arbeitskreis bildete, der weitere Impulse setzte, die zur ACG führten. Zuvor, im Jahr 1969, hatten sich 40 evangelische und katholische Geistliche getroffen, um sich zur Seelsorge für Menschen in konfessionsverschiedenen Ehen auszutauschen.
Muslime suchen den Dialog
Bei den unterschiedlichen evangelisch-katholischen Aktionen und Begegnungen erfolgte nur sporadisch ein Einbeziehen der freikirchlichen Gemeinden und Gemeinschaften. Daher kam es im Frühjahr 1970 zu einem Gespräch auf Stadtebene mit diesen. Dabei war allen Beteiligten klar, dass ein verantwortliches gemeinsames Handeln in vielen Bereichen gerade auch auf karitativem Gebiet das Leben in der Stadt nur bereichern kann, und so kam es im Juli 1970 zur Gründung der ACG, die heute aus der Stadt nicht mehr wegzudenken ist.
Bei einem kürzlich geführten Gespräch mit Muslimen wollten auch diese wissen, wie die ACG entstanden ist, und sich Anregungen holen, wie sich auch die Muslime in Pforzheim vernetzen können.
„50 Jahre ACG – Ökumenisch zum Frieden“ lautet das Motto eines Gottesdiensts am Donnerstag, 19. November, ab 19 Uhr, in der Herz-Jesu-Kirche. Da nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen zur Verfügung steht, ist eine Anmeldung per E-Mail an pastoralreferent@dekanat-pforzheim.de erforderlich.
