Viel Stau in 2024 auf den Autobahnen
Die Staulänge auf Baden-Württembergs Autobahnen reichte im vergangenen Jahr zweieinhalb Mal um die Erde. (Archivbild)
Marijan Murat/dpa
Pforzheim
ADAC-Daten: Südwesten steht mehr als 2.000 Tage im Stau

Dichter Verkehr, Baustellen, genervte Autofahrer: Wer im vergangenen Jahr auf baden-württembergischen Autobahnen im Stau steckte, musste erneut mehr Geduld aufbringen als im Jahr zuvor. Zählt man die Stunden zusammen, standen Autofahrerinnen und Autofahrer im Südwesten mehr als 2.000 Tage im Stau. Wo stockt und stoppt der Verkehr am häufigsten? Und wo kann man den Ärger umfahren? Der ADAC Württemberg hat eine Bilanz veröffentlicht.

Ein Überblick:

Wie oft standen Autofahrer in Baden-Württemberg im Stau?

Durchschnittlich 126 Mal am Tag staute es sich im Südwesten im vergangenen Jahr. Der ADAC Württemberg zählte mehr als 46.000 Staus - das sind rund 3.000 mehr als im Vorjahr. Insgesamt staute es sich auf einer Länge von mehr als 100.000 Kilometern. Hätte man einen Faden dieser Länge, könnte man ihn zweieinhalbmal um die Erde wickeln.

In Baden-Württemberg standen Autofahrer nicht nur häufiger im Stau, sondern auch länger: Zusammengezählt mehr als 49.000 Stunden staute sich der Verkehr auf den Autobahnen im Land, über 6.000 Stunden mehr als 2023. 

Warum staut es sich hier so oft?

Das liegt laut ADAC an der hohen Zahl an Baustellen und dem höheren Verkehrsaufkommen auf den Autobahnen im Südwesten. Laut den Daten waren rund vier Prozent mehr Fahrzeuge unterwegs als im Jahr zuvor. Es waren auch mehr Menschen mit dem Auto im Urlaub - und sie fahren in den Ferien durch Baden-Württemberg oder machen dort Urlaub. 

Stau auf der Autobahn - wie verhalte ich mich richtig?

Darf ich eigentlich im Stau rechts überholen? Ja, aber nur, wenn der Verkehr auf dem linken Fahrstreifen steht oder mit maximal 60 Kilometer pro Stunde fährt. Dann dürfen Autofahrerinnen und Autofahrer mit einer Geschwindigkeit von maximal 20 Stundenkilometer mehr als auf dem linken Fahrstreifen überholen.

Wichtig laut ADAC: eine Rettungsgasse bilden und den Standstreifen freihalten. Rückwärtsfahren und Wenden ist auf der Autobahn grundsätzlich verboten. Es gibt aber eine Ausnahme: Wenn die Polizei den Verkehr bei länger andauernden Vollsperrungen von der Autobahn leitet.

Wo wird der Verkehr am häufigsten gebremst?

Stau-Hotspots waren im vergangenen Jahr die Autobahnen 8, 5 und 81. Insgesamt am längsten staute es sich auf einem Abschnitt auf der A8 bei Pforzheim in beiden Fahrtrichtungen. Der Grund: die Dauerbaustelle an der Enztalquerung.

Besonders voll war es auch auf der A5 zwischen Kronau und Bruchsal in Fahrtrichtung Karlsruhe sowie am Engelbergtunnel auf der A81 zwischen Stuttgart-Feuerbach und dem Dreieck Leonberg in Richtung Stuttgart. An beiden Stellen wurde ebenfalls gebaut. Der Engelbergtunnel ist nach ADAC-Angaben der verkehrsreichste Autobahntunnel Baden-Württembergs.

Wann ist es tagsüber besonders voll?

Die Nummer eins unter den Wochentagen: der Donnerstag, dicht gefolgt von Mittwoch. Danach kommen Dienstag und Freitag. Montags ist die Staugefahr dem ADAC zufolge am geringsten, denn zwischen Dienstag und Donnerstag pendeln viele Menschen zur Arbeit. Zu Beginn und zum Ende der Arbeitswoche bleiben sie eher im Homeoffice.

Pendler sind vor allem zwischen 6 und 9 Uhr sowie am Nachmittag zwischen 14 und 18 Uhr auf der Straße. An Freitagen staut es sich währenddessen eher in den Mittags- und frühen Nachmittagsstunden.

An welchem Tag war es 2024 am schlimmsten?

Die größten Staus hängen oft mit den Ferien oder Feiertagen zusammen, so auch im vergangenen Jahr: Der 17. Mai, der Freitag vor dem langen Pfingstwochenende, war laut ADAC der staureichste Tag des Jahres. Auch der 2. Oktober und der 8. Mai - die Tage vor dem Tag der Deutschen Einheit und vor Christi-Himmelfahrt - waren besonders staugeplagt. Alle drei Tage sind Klassiker in der Staubilanz.

Wird es 2025 besser?

Schlechte Nachricht: eher nicht. Im insgesamt 1.056 Kilometer langen Autobahnnetz im Südwesten gab es im vergangenen Jahr durchschnittlich 52 Baustellen pro Monat gleichzeitig. Baustellen werden nach Angaben des ADAC auch 2025 den Verkehr ausbremsen. Sie sind jedoch dringend erforderlich, um das in erheblichen Teilen marode Autobahnnetz zu modernisieren, hieß es.

Wie haben sich die Staus entwickelt?

Neben der reinen Zahl der Staus erhebt der ADAC auch deren Dauer. Zusammengezählt ergeben sich im vergangenen Jahr 448.000 Stunden, 21.000 mehr als im Vorjahr. Dabei geht es nicht darum, wie lange einzelne Autofahrer in diesen Staus standen, sondern darum, wie lange sie von der Entstehung bis zur Auflösung existierten. Die aufaddierte Strecke der Staus entwickelte sich dagegen in die andere Richtung: 859.000 Kilometer sind zwar deutlich mehr als die Strecke von der Erde zum Mond und zurück aber ein Rückgang um 18.000. Insgesamt deuten die Zahlen auf eine leichte Verschlechterung hin.

Trotz des aktuellen Anstiegs liegt die Dauer des Staus weiter unter den Werten, die der ADAC für das Vor-Corona-Jahr 2019 ermittelt hatte. Die Zahlen sind angesichts einer 2022 überarbeiteten Methodik aber nur bedingt vergleichbar.

Woran lag die Verschlechterung?

Der ADAC macht vor allem ein um vier Prozent gestiegenes Verkehrsaufkommen auf den Autobahnen und eine hohe Zahl an Baustellen für die Entwicklung verantwortlich. Er mahnt daher an, die Verkehrsinfrastruktur zu modernisieren und auszubauen.

Wo staute es sich besonders stark?

Deutsche Hochburg mit Blick auf Staus ist Nordrhein-Westfalen. 31,5 Prozent der Kilometer an Stau entfielen auf das dicht besiedelte Bundesland - rund 270.000 Kilometer. Bayern folgt mit 16,4 Prozent oder rund 141.000 Kilometern vor Baden-Württemberg mit 104.000. Bei der Dauer der Staus ist die Verteilung ähnlich.

Dieser Vergleich ist allerdings angesichts der unterschiedlich großen Autobahnnetze nicht fair. Der ADAC hat daher auch die Stunden an Stau pro Autobahnkilometer errechnet. Hier liegen die Stadtstaaten mit Werten von 202 in Berlin, 180 in Hamburg und 102 in Bremen vorn. Bei den Flächenländern sind NRW mit 69 und Baden-Württemberg mit 46 besonders betroffen.

Im Vergleich der Fernautobahnen sieht der ADAC die A1, A3 und A8 als am stärksten betroffen.

Wann staute es sich am stärksten?

Über die Woche verteilt sind Mittwoch und Donnerstag am stauträchtigsten. Das Wochenende fällt im Vergleich dazu stark ab - dann ist das Stauaufkommen weniger als halb so hoch.

An den Werktagen war der frühe Morgen besonders betroffen - Ausnahme ist dabei der Freitag, an dem die Stauspitze um die Mittagszeit liegt. Am Wochenende ist auf den Autobahnen am ehesten der späte Vormittag bis Mittag betroffen.

Die schlimmsten Stautage stehen oft im Zusammenhang mit Reiseverkehr vor Feiertagen, so auch im vergangenen Jahr: Nummer eins war laut ADAC der 17. Mai, der Freitag vor dem langen Pfingst-Wochenende mit 2.500 Staustunden und einer Gesamtlänge von 5.200 Kilometern. Am 8. Mai, dem Tag vor Christi-Himmelfahrt waren es 2.300 Staustunden und 5.000 Staukilometer. Beide Tage sind Klassiker der Staubilanz. Auch die Tage vor Fronleichnam und dem Tag der Deutschen Einheit oder der Freitag vor Beginn der Sommerferien in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland waren besonders staugeplagt.

Daneben gab es allerdings auch wetterbedingte Staulagen: So sorgte der Wintereinbruch vom 15. bis 18. Januar für lange Staus, ebenso winterliche Straßenverhältnisse am 19. November.

Was war der schlimmste Stau?

Dieser Titel gebührt den ADAC-Zahlen nach der A61 am 18. Januar. Während des bereits angesprochenen Wintereinbruchs kam es zwischen Ludwigshafen und Mönchengladbach sowie in der Gegenrichtung Koblenz - Ludwigshafen zu 77 beziehungsweise 70 Kilometern Stau.

Wie werden die Zahlen gemessen?

Die Messungen beruhen auf Positions- und Geschwindigkeitsinformationen von Lkw-Flotten und Smartphone-Apps. Als Stau gilt ein Ereignis, wenn auf einem Autobahnabschnitt über eine gewisse Zeit die Geschwindigkeit unter 20 Stundenkilometer fällt. In die Längenbilanz fließen nur Staus ab einem Kilometer ein, jeweils mit ihrer maximalen Ausdehnung.

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