Sie stellen das Zentrum für Innere Medizin auf der Vital-Messe vor: Die Chefärzte Dr. Manfred Krammer, Professor Paul Weber und Dr. Thushira Weerawarna (von links). PZ-Archiv/Ketterl
Pforzheim
„Älterwerden fordert seinen Tribut“
  • Das Gespräch führte Nicola Arnet | Pforzheim

Die Menschen werden älter, die Krankheiten komplexer. Warum die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Fachbereichen immer wichtiger wird, erläutern die Chefärzte des Zentrums für Innere Medizin am Siloah St. Trudpert Klinikum, Professor Paul Weber, Dr. Manfred Krammer und Dr. Thushira Weerawarna, die ihre Fachbereiche auch bei der Vitalmesse der PZ am kommenden Wochenende vorstellen werden.

PZ: Herr Professor Weber, Herr Dr. Krammer und Herr Dr. Weerawarna: Sie alle präsentieren auf der Vitalmesse das Zentrum für Innere Medizin. Warum?

Paul Weber: „Wir Internisten arbeiten eng und fächerübergreifend miteinander. Besonders bei Patienten, die mehrfach erkrankt sind oder denen eine spezifische Diagnose fehlt, müssen wir den Organismus als Ganzes betrachten und je nach Krankheitsbild die Kollegen der Fachbereiche hinzuziehen. Vorrangig bei älteren Menschen tauchen oftmals mehrere Krankheitsbilder auf, die nicht getrennt voneinander betrachtet werden können und verschiedene internistische Fachgebiete betreffen, die wir in unserem Zentrum so gemeinsam lückenlos versorgen können.

Kann man sagen, dass die drei Kliniken für Innere Medizin die Bereiche umfassen, die im Zuge unserer älter werdenden Gesellschaft immer wichtiger werden?

Weber: Definitiv. Statistisch gesehen betrifft die „Multimorbidität“ – also die Tatsache, dass ein Mensch gleichzeitig mehrere Erkrankungen hat – vor allem Personen im höheren Alter. Eine Analyse von Krankenkassendaten älterer Versicherter, die älter als 65 Jahre sind, hat gezeigt, dass bei den Senioren 62 Prozent wegen drei oder mehr chronischen Erkrankungen behandelt werden. Der Patient mit Schlaganfall leidet zum Beispiel an Diabetes oder die Patientin mit einer Niereninsuffizienz wird mit Verdacht auf eine Lungenembolie eingeliefert. Diese Multimorbidität kann medizinisch nicht als Summe von Einzelerkrankungen gesehen werden, sondern bedarf einer koordinierten Behandlung der betreffenden Ärzte aus dem entsprechenden Fachgebiet.

Welche Rolle spielt Vernetzung im heutigen Klinikalltag?

Manfred Krammer: Die Vernetzung ist der rote Faden, der sich überall durchzieht. Das bedeutet zum einen, dass der Informationsfluss zu keiner Zeit abbrechen darf und jeder der beteiligten Ärzte stets auf dem gleichen Stand ist, was die aktuelle Situation des Patienten ist. Zum anderen geht es um die Vernetzung der Qualifikationen unter den Ärzten: Alle Assistenzärzte arbeiten in allen drei Kliniken mit und erweitern so ihre Fachkenntnisse, bilden sich weiter und können flexibel agieren.

Ihre und andere Patientenzahlen steigen, woran liegt dies?

Weber: Die Zunahme an Patienten mit Multimorbidität hat in erster Linie mit der demografischen Entwicklung zu tun. Das Älterwerden ist ein Resultat des Lebensstandards, wenngleich dieser auch seinen Tribut fordert. Infektionskrankheiten können erfolgreich behandelt werden, was in anderen Ländern ohne die Möglichkeiten der medizinischen Versorgung zu einer hohen Sterblichkeit führt. Gerade die dauerhafte medizinische Versorgung von Patienten mit chronischen Erkrankungen – seien es Herzkrankheiten, Tumorkrankheiten oder eine Langzeitversorgung von Patienten mit Lungenerkrankungen – trägt hier ihren großen Teil dazu bei. Ein weiterer Punkt ist die Lebenserwartung: Man stelle sich vor, ein Mensch hatte in früheren Jahren eine Lebenserwartung von 65 Jahren, so wird er einen Dickdarmkrebs im 80. Lebensjahr nicht mehr erleben. Je eher die Patienten länger über eine chronische Phase der Organfunktionsstörung gebracht werden, umso eher werden sie in anderen Funktionsstörungen hilfsbedürftig.

Welche Erkrankungen kommen am häufigsten vor?

Krammer: Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Wegen der sich verändernden Altersstruktur in unserer Gesellschaft nimmt die Anzahl der an Herzinsuffizienz leidenden Menschen stetig zu. Die Herzinsuffizienz ist auch in unserer zentralen Notaufnahme ein häufiger Grund für eine stationäre Krankenhausaufnahme. Diese schwerkranken Patienten leiden aber nicht nur an einer Herzschwäche, sondern aufgrund des höheren Alters auch an zahlreichen anderen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Nierenschwäche oder obstruktiver Lungenerkrankung. Durch die enge Zusammenarbeit in unserem Zentrum für Innere Medizin werden diese multimorbiden Patienten fächerübergreifend behandelt.

Ihr Motto auf der Messe heißt: „Reise ins Innere des Menschen“. Was dürfen die Besucher auf der „Vital“ erwarten?

Thushira Weerawarna: Wir laden die Besucher dazu ein, einen Einblick in unsere tägliche Arbeit zu bekommen und die Vielfalt der Inneren Medizin kennenzulernen. Auf unserer Messewand präsentieren wir filmisch, wie diese kollegiale Zusammenarbeit aussieht. Direkt am Stand zeigen wir eine modellhafte Darstellung des Bronchialsystems und den Ablauf einer Bronchoskopie sowie eine ultraschallgesteuerte Darstellung von Leber- und Nierenerkrankungen. Im Bereich der Kardiologie können die Besucher die Demonstration einer koronaren Stent-Implantation sehen. Am Stand und im großen Vortragssaal stehen unsere Experten für detaillierte Fragen zur Verfügung.

Inwieweit wollen und können Sie auch präventiv aufklären, damit es nicht zu schwerwiegenden Erkrankungen kommt?

Weerawarna: Information und Prävention sind die wichtigsten Gründe für uns, auf der Messe vertreten zu sein. Wir möchten die Menschen informieren, bevor sie Patienten werden. Wenn bereits eine chronische Erkrankung besteht, begünstigt dies leider die Entstehung einer weiteren Krankheit. Es muss aber nicht zwangsläufig dazu kommen, wenn man die richtigen Weichen stellt und Folgeerkrankungen damit vermeidet. Indem wir unsere Arbeit präsentieren, machen wir den Besuchern transparent, wie wir arbeiten und auf welche Experten sie im Falle einer Erkrankung vertrauen können.