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16.06.2017

AfD verteidigt Gedeon-Auftritt, FDP übt scharfe Kritik

Pforzheim. Als „Theaterdonner einer angeschlagenen Partei“ wertet der AfD-Kreissprecher Bernd Grimmer die Angriffe der SPD gegen den Referenten der AfD am kommenden Montagabend, Wolfgang Gedeon. Die Partei habe einen der profundesten Kenner und Analytiker der Schriften der amerikanischen Strategen – von Kissinger bis Brzezinski, von Friedman bis Barnett – sowie der Putin’schen Machtpolitik eingeladen, und sie lasse sich ihre Referenten nicht von der SPD vorschreiben. Diese rein fachbezogene Auswahl von Referenten sei bei der AfD auch völlig unabhängig von einer Fraktions- oder Parteizugehörigkeit eines Gastes.

Außerdem habe sich auch in der offenbar schlecht informierten Pforzheimer SPD herumsprechen können, dass die Vorwürfe gegen Gedeon zwischenzeitlich „völlig in sich zusammengebrochen“ seien. Nicht nur die Analyse der vorliegenden drei Gutachten spreche eine deutliche Sprache, sondern es sei inzwischen auch der Hintergrund des medialen Angriffs offenkundig geworden, der von der Organisation „einer ehemaligen Stasi-Agentin“ ausgegangen sei, so Grimmer in Anspielung auf Anetta Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung. Dass diese allerdings im Auftrag des SPD-Bundesjustizministers mit der Überwachung von Facebook beauftragt gewesen sei, schließe den Kreis „auf eine äußerst interessante Weise“. Ebenso interessant sei die Tatsache, dass gerade die SPD „Störfeuer gegen einen Vortrag“ schieße, in der die „bekanntermaßen kritische Haltung Gedeons zur Globalisierung und gegenüber geostrategischen Machtausübungen“ zum Ausdruck kommen werde. Hier hätten Mast, Striegler und Renner „offenbar noch inhaltlich nachzuarbeiten“.

Nach SPD und dem AfD-Parlamentarier Heinrich Fiechtner melden sich nun die FDP-Landtagsabgeordneten Hans-Ulrich Rülke sowie Erik Schweickert zu Wort. Es sei unglaublich, dass die hiesige AfD Gedeon, der „sogar die rechtsradikale AfD-Fraktion im Landtag“ habe verlassen müssen, zur Verbreitung „seiner kruden Thesen“ einlade. Gedeon habe etwa die Ermordung von Millionen Juden als „gewisse Schandtaten“ relativiert und diffamiere die Opfer dadurch, dass er vom Holocaust als einer „Zivilreligion des Westens“ spreche. Die Holocaustleugner David Irving und Horst Mahler verteidige er als „Dissidenten“.

Gedeon betreibe auch „eine besonders widerwärtige Form von Frauenfeindlichkeit“. Er habe in einem Buch über die jüdische Philosophin Hannah Arendt geschrieben: „Philosophische Abstraktion fällt dem weiblichen Hirn offensichtlich noch schwerer als mathematische, was im Übrigen nicht schlimm ist. Denn die gegenteilige Fähigkeit des Pragmatismus ist für das Leben genauso wichtig.“ Wer einen „derart abseitigen Rassisten, Antisemiten und Frauenfeind“ einlade, sei „keine politische Partei, auch keine Alternative, sondern eine Schande für Pforzheim und den Enzkreis“.

Das sagen die Gutachter

Die ersten beiden 2016 von der AfD beauftragten Gutachter, der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt sowie der israelische Publizist Manfred Gerstenfeld, äußern sich folgendermaßen: „Subjektiv mag Wolfgang Gedeon also kein Antisemit sein; doch objektiv fallen nicht wenige Aussagen über Juden im Buch über ,Grünen Kommunismus‘ unter die Teilbegriffe von Antisemitismus“, heißt es bei Patzelt. Gerstenfeld wiederum erklärt, Gedeons Denken gehe über „einige beiläufige antisemitische Äußerungen“ hinaus. „Er hat im Lauf der Jahre eine detaillierte Verschwörungstheorie über Juden aufgebaut.“ Entlastend äußert sich der Ethnologe Bernhard Streck, der Gedeons Schriften in einem späteren Gutachten verteidigte.

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