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Fröhliche Eröffnung: Umweltbürgermeisterin Sibylle Schüssler (Mitte) durchtrennt das Band, unterstützt vom Geschäftsführenden PZ-Verleger Thomas Satinsky (rechts daneben) und dem VCD-Landesvorsitzenden Matthias Lieb (rechts). 

Aktion "Mobil ohne Auto" sorgt zwischen Kupferhammer und Würm für einen Sonntag ganz ohne Benzingeruch

Pforzheim. Mit dem Fahrrad sind sie unterwegs, mit dem Roller, mit den Inline-Skates, mit dem Skateboard, mit dem Kinderwagen und zu Fuß: Auf ganz unterschiedliche Weise, aber immer ohne Verbrennungsmotor und Benzingeruch legen die Menschen an diesem supersonnigen Sonntag die Strecke vom Kupferhammer bis nach Würm zurück.

"Mobil ohne Auto" heißt die von der PZ unterstützte Aktion, die bei schönstem Hochsommerwetter viele Teilnehmer raus ins Freie lockt. Sehr zur Freude von Klaus Wolf, der sich federführend um die Organisation gekümmert hat.

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Obst ist gesund: Das wissen auch Florian Martens, Susanne Wendlberger, Emre Nazli und Petra Bösl (von links) von der Grünen Liste, die an Teilnehmer kostenlos Bio-Äpfel verteilen.

"Ich bin sehr zufrieden", sagt er am Vormittag und erklärt, mit der Aktion ein Zeichen setzen zu wollen: nicht nur für mehr alternative Fortbewegungsmittel, sondern auch gegen den Krieg in der Ukraine. Schließlich kommt ein nicht geringer Teil der in Deutschland eingesetzten fossilen Brennstoffe aus Russland.

Chance auf eine Verkehrswende

"Wir stehen vor riesigen Herausforderungen", sagt Wolf, der die Aktion zum 25. Geburtstag inhaltlich wieder mehr "auf den Ur-Gedanken zurückführen" wollte. In Zukunft hält er eine räumliche und zeitliche Ausdehnung für denkbar. Dazu will er Gespräche mit Umweltbürgermeisterin Sibylle Schüssler führen, die am Sonntag auch vor Ort ist. Sie sei jedes Jahr bei "Mobil ohne Auto" und werbe dafür, alternativen Fortbewegungsmitteln mehr Raum zu geben.

Dass Pforzheim einst als autogerechte Stadt mit großen Verkehrsschneisen geplant wurde, sieht Schüssler dabei als Vorteil: "Wir hätten echt Platz für Radstreifen." Erste Schritte hin zu mehr Radfahrerfreundlichkeit habe man schon unternommen, etwa durch flächendeckende Abstellanlagen für Räder oder durch die Tempo-30-Zonen. Aber beim Radwegeausbau gebe es immer noch "dicke Bretter" zu bohren.

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Pforzheim

"Mobil ohne Auto" im kleineren Format zwischen Kupferhammer und Würm

Das sieht auch Martin Mäschke von der Critical Mass so. In der Stadt sei man mit den Rad oft schneller als mit dem Auto – erst recht, wenn man die Parkplatzsuche dazurechne. Dennoch würden gerade in der Innenstadt viele nicht aufs Rad umsteigen, weil sie sich nicht trauten. Räumlich getrennte Radwege zumindest an den Hauptverkehrsachsen könnten aus Sicht der Critical Mass helfen.

"Jetzt ist die ideale Chance", sagt Mäschke, der beobachtet, dass durch den Ukraine-Krieg und die explodierenden Energiepreise immer mehr Menschen die Vorteile alternativer Fortbewegungsmittel erkennen. An ihrem Stand bietet die Critical Mass einen Parcours an, der zeigen soll, wie viel schneller man mit dem Rad ist.

Erfrischung kommt prima an

Ein paar Meter weiter fährt zur Mittagszeit der Eiswagen von Sabrina Amoruso vor. Dank der Kooperation mit der PZ erhält dort jedes Kind und jeder Jugendliche kostenlos eine mit viel Liebe zubereitete Erfrischung. Und das ist nicht alles: Direkt daneben gibt es für den Nachwuchs Freikarten fürs Nagoldbad.

Bei Temperaturen weit über 30 Grad lässt sich kaum ein Kind die Chance entgehen, sich mit Freunden oder Eltern eine Abkühlung zu gönnen. "Die Kinder können es teilweise gar nicht glauben, dass das nichts kostet", sagt Gabriele Münster, Beisitzerin im Förderverein des Nagoldbads.

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Das frische Eis von Jeanette Morais Fernandez kommt nicht nur bei den Kindern gut an, sondern auch bei Jing Wormer, Gabriele Münster, Klaus Wolf und Hagar Hartung (von links).

Die Grüne Liste verteilt kostenlos Bio-Äpfel, der Verkehrsclub Deutschland (VCD) bietet Probefahrten mit dem Lastenrad an. Besucherin Mirjam hat eine gemacht und sagt: "Ich kann es nur empfehlen." Es sei zwar zunächst etwas ungewohnt, "aber es geht sehr leicht". Das Lastenrad kommt aus Mühlacker und kann dort bereits ausgeliehen werden.

In Pforzheim will man laut VCD-Chef Matthias Lieb ein ähnliches Angebot schaffen, hat aber bisher noch keinen Partner gefunden. Gesucht werde eine Firma oder ein Laden, der das Rad ausgebe und "sich ein bisschen darum kümmert" – unentgeltlich. Denn für die Radnutzung erhebt der VCD keine Gebühr, sondern bittet um eine Spende.