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Die Frühförderung der Caritas erhält immer wieder Spendengelder, wenn in neue Therapiegeräte investiert werden muss. Hier nutzt Sprachheiltherapeutin Karin Wolss „Bello“, der nicht nur Hira anbellen, sondern auch mit dem Mädchen sprechen kann. 

Alle Erwartungen übertroffen: PZ-Aktion „Menschen in Not“ mit Rekordergebnis

Pforzheim. Seit 1995 ist „Menschen in Not“ ein eingetragener Verein. Das Spendenaufkommen steigt kontinuierlich an und erreicht im Corona-Jahr 2020 ein Rekordergebnis: Rund 735.000 Euro wurden gespendet.

Ihre Aktion ‚Menschen in Not‘ finde ich ganz hervorragend und staune oft, was für traurige Notlagen es gibt, wenn Sie darüber in der Zeitung berichten. Es ist ganz schön leicht, in der eigenen ,Wohlstandsblase‘ nicht mitzubekommen, wie es manch anderem in unserer Mitte geht.“ Es sind Mails wie diese, die in den Wochen vor Weihnachten bei den Vorsitzenden von „Menschen in Not“ eingehen und einmal mehr zeigen, wie wichtig es ist, den Hilfsverein der „Pforzheimer Zeitung“ mit Leben zu füllen.

Im Jahr 25 nach Vereinsgründung, dem Corona-Jahr, gelingt das: Sie, die Leserinnen und Leser der „Pforzheimer Zeitung“, spenden mehr denn je in einem Kalenderjahr: rund 735.000 Euro.

Thomas Satinsky und Susanne Knöller, die Vorsitzenden von „Menschen in Not“, sind begeistert: „Wir haben immer darauf gehofft, dass wir trotz Coronasorgen der Menschen genug Geld sammeln, dass die geplanten Aktionen und die zahlreichen persönlichen Schicksale unterstützt werden können.“

Rund 2000 Zusagen pro Jahr

Und es sind viele, die Hilfe benötigen. Menschen aus der Nachbarschaft, alle mit einem festen Wohnsitz im Verbreitungsgebiet der „Pforzheimer Zeitung“. Rund 2000 Zusagen trifft das Vorstandsgremium im Jahr. Oft genügt es, bei einem Engpass mit Lebensmittelgutscheinen zu helfen. Nicht selten sind es aber Treffen, die berühren, zutiefst betroffen machen und oft auch zu Tränen rühren. Da ist die Mutter, die mit ihren Kindern eine neue Wohnung sucht. In der jetzigen hält sie es nicht mehr aus, denn hier hat die große Tochter den Vater tot aufgefunden. Da ist die Familie mit fünf Kindern, die in einem mehr als baufälligen kleinen Haus wohnt. Die Fenster sind undicht, der Linoleumboden löst sich, Schreibtische gibt es keine, Betten nicht für alle, und in der Küche ist kein Schrank sicher in der Wand verankert. Alle sind krank und schaffen es mit einem Gehalt fast nie, über den Monat zu kommen. Und da ist die Frau, die ihren sterbenskranken Mann zu Hause pflegt, sich das auch nicht nehmen lassen möchte, aber so durchs soziale Netz fällt. In all diesen Fällen kann „Menschen in Not“ unbürokratisch und schnell mit Geld helfen. Das ist fantastisch, ist die Initiative doch aus dem sozialen Gefüge der Stadt nicht mehr wegzudenken.

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Seit Jahren unterstützt „Menschen in Not“ die ökumenische Vesperkirche. Auch in diesem Jahr, wenn es die Mahlzeiten „to go“ gibt.

Die Mitglieder des Projektbeirats, das Fachgremium, das bei der Auswahl der Fälle hilft, sind feste Ansprechpartner für das Vorstandsgremium. Auch sie haben in den Wochen vor Weihnachten mitgefiebert. So auch Joachim Hülsmann, Leiter des Jugend- und Sozialamts der Stadt Pforzheim. „Dass es bei der Weihnachtsaktion 2020 ein Rekordergebnis gab, ist für mich schon eine Überraschung – aber eine Überraschung, die mich ungemein freut.“ Vielleicht hätten die zurückliegenden Monate allen auch sehr eindrücklich deutlich gemacht, dass viele Menschen – egal, ob jung oder alt – einer Unterstützung bedürfen und hier mit unkomplizierter Hilfe Menschen ganz praktisch im Alltag unterstützt werden könnten. „Für mich ist das ein Markenzeichen von ,Menschen in Not‘.“

Edith Münch, Geschäftsführerin von pro familia in Pforzheim, sagt: „Ich bin sehr beeindruckt vom Ergebnis, das im Rahmen der Weihnachtsaktion zusammenkam.“ Sie freue sich, dass sich sehr viele Menschen in dieser schwierigen Krisenzeit Sorgen um die gesellschaftliche Situation machen und wohl mehr auf ihre Mitmenschen schauen als zuvor. „Hoffnung sowie soziale und gesellschaftliche Solidarität drücken sich in diesem Ergebnis aus“, so Münch weiter. Allerdings sehe sie darin auch den Lohn für die beständige Arbeit des Vereins.

„Die Spendensumme ist überwältigend. Damit war in diesem Corona-Jahr wirklich nicht zu rechnen“, sagt Teresa Neuhaus, Fachbereichsleiterin Soziale Dienste bei der Caritas.

Sie ist sich sicher, dass die verschiedenen Projekte der Weihnachtsaktion die Spender in ganz besonderer Weise angesprochen haben. „Hier wird sehr deutlich, für was der Verein sich einsetzt und dass die Spenden direkt bei den Menschen ankommen und zudem noch vor Ort die Situation in Not Geratener verbessert wird.“ Mit diesem Rückhalt der Menschen in Pforzheim und dem Enzkreis könne der Hilfsverein positiv nach vorne blicken.

Zeit für Rückbesinnung

Alison Bussey, Geschäftsführerin der Stadtjugendring Betriebs gGmbH, bekennt: „Dass so viel Geld zusammenkommt, habe ich im Vorfeld nicht gedacht. Die Pandemie hat uns vielleicht geholfen, uns auf die Dinge zurückzubesinnen, die wirklich wichtig sind: Gesundheit, Familie, Freunde, Glück. Und nicht der Konsum und das Geld“, so die Geschäftsführerin. Hieraus sei vielleicht das Bedürfnis entstanden, Menschen, die unverschuldet in Notlagen gekommen sind, Gutes zu tun.

Ganz praktische Alltagshilfe

Dank der zahlreichen Spenden können die Gelder ausbezahlt werden. Die schwerst- und mehrfachbehinderten Kinder der Anna-Bertha-Königsegg-Schule in Pforzheim erhalten im Wert von rund 15.000 Euro neue Spielgeräte auf der Außenterrasse an der Blumenheckstraße. Die Kinder, die derzeit mit ihren Müttern im Ökumenischen Frauenhaus untergebracht sind, können eines der zehn Tablets nutzen, die zum Fernlernunterricht zur Verfügung stehen. Die Anschaffung kostete 7700 Euro.

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Oberbürgermeister Peter Boch (links) unterstützt Verleger Albert Esslinger-Kiefer, wenn in der weihnachtlichen Fußgängerzone um Spenden geworben wird. Das musste allerdings 2020 pandemiebedingt ausfallen.

Derzeit liegen die meisten Angebote der Sozialpädagogischen Familienhilfe bei pro familia brach. Doch zum 20. Geburtstag der Hilfe zur Selbsthilfe hat das Team bereits Spenden gesammelt, um mobiler zu werden: Ein Kinderbus wird angeschafft, um arme Familien bei Fahrten zum Arzt genauso zu unterstützen wie das Team, wenn es zu gemeinsamen Unternehmungen mit den Kindern aufbricht. Mindestens 5000 Euro sind zugesagt.

Und dann freut sich das Wichernhaus der Stadtmission über rund 10.000 Euro, um den Frauenbereich der Unterkunft für von Obdachlosigkeit betroffener Menschen auszubauen. Für eine Frauen-Außenwohngruppe wird zudem eine kleine Küche erworben, damit selbst Speisen zubereitet werden können.

Susanne Knöller

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Thomas Satinsky

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