nach oben
Eine Rose steckt in einer Vase und markiert ungefähr den Ort, an dem eine Urne auf einem Friedhof irgendwo in Deutschland anonym beigesetzt wurde. Obwohl es keinen Grabstein gibt, besuchen Trauernde das Feld auf dem Friedhof.  Friso Gentsch
Eine Rose steckt in einer Vase und markiert ungefähr den Ort, an dem eine Urne auf einem Friedhof irgendwo in Deutschland anonym beigesetzt wurde. Obwohl es keinen Grabstein gibt, besuchen Trauernde das Feld auf dem Friedhof. Friso Gentsch
28.03.2016

Angehörige sind über Wartezeiten bis zur Beisetzung einer Urne befremdet

Mit gemischten Gefühlen denkt die Tochter an das anonyme Grab ihrer Mutter auf dem Hauptfriedhof: Denn erst am 2. März wurde die Urne der verstorbenen 90-Jährigen dort beigesetzt, also drei Monate nach dem Tod.

Die Tochter war aber Wochen davor schon davon ausgegangen, dass ihre Mutter bestattet worden sei. Verwandte, die aus anderen Städten angereist waren, standen an der vermeintlichen Stelle auf dem Hauptfriedhof, um Abschied zu nehmen.

Die betagte Dame war am 1. Dezember vergangenen Jahres verstorben. Unverzüglich brachte Ulrich Brüggemann vom gleichnamigen Pforzheimer Bestattungshaus nach eigenen Angaben die notwendigen Unterlagen inklusive der Bestattungsanforderung zum Friedhofsamt, damit die Einäscherung und Beisetzung möglichst zügig vonstatten gegen kann. Tatsächlich kam 21. Januar ein Fax des Krematoriums, dass die Einäscherung am 7. Dezember bestätigte und erneut eine Urnenanforderung wünschte. Da die Unterlagen nach Brüggemanns Wahrnehmung längst vorlagen, hakte er regelmäßig beim Friedhofsamt nach, um den Bestattungstermin zu erfragen. Der wurde immer wieder verschoben, letztlich auf den 2. März.

Die Rechnung für die Bestattung hingegen erhielten die Angehörigen bereits einen Monat vorher, nämlich am 1. Februar.

Brüggemann ist einer von mehreren selbstständigen Bestattern in der Stadt. Er kritisiert schon seit längerem Missstände im Bestattungswesen und vor allem den laxen Umgang der Stadtverwaltung mit den Beisetzungsfristen. Er hat sich deshalb erneut am 11. März schriftlich mit diesem Sachverhalt an Oberbürgermeister Gert Hager gewandt.

Der Bestatter kritisiert mangelnde Aufsichtspflicht, was die gesetzliche Pflicht zur zeitnahen Bestattung angeht. Die PZ hatte mehrfach über Urnen berichtet, die sogar mehrere Jahre unbestattet im Krematorium lagen, weil beispielsweise notwendige Unterlagen fehlten.

Pressesprecher Philip Mukherjee erklärt, dass anonyme Urnenbeisetzungen bislang üblicherweise gemeinschaftlich vollzogen wurden. Deshalb seien einzelne Aschekapseln früher so lange aufbewahrt worden, bis eine ausreichende Anzahl vorhanden gewesen sei, um sie zusammen zu beerdigen.

„Diese Vorgehensweise ist auch in anderen Städten üblich,“ erklärt der Pressesprecher. Trotzdem habe sich die Friedhofsverwaltung seit einiger Zeit damit beschäftigt, eine raschere Beisetzung, auch bei anonymen Urnenbeisetzungen, herbeizuführen. Der vorliegende Fall sei aber von der neuen Regelung noch nicht betroffen gewesen. Generell sei die bisherige Vorgehensweise für anonyme Urnenbeisetzungen jedem Bestattungsinstitut in Pforzheim bekannt und sollte den Angehörigen im Beratungsgespräch auch so mitgeteilt werden, sagt Mukherjee. Künftig sollen die Urnen zum Monatsanfang beigesetzt werden.

Mögliche längere Wartezeiten bei anonymen Bestattungen, weil die Urnen erst gesammelt würden, kann Brüggemann nicht nachvollziehen: Denn schließlich seien immer die gleichen Gebühren zu zahlen, egal ob sich die Angehörigen für eine anonyme Bestattung oder für ein Urnenreihengrab entscheiden würden.

Leserkommentare (0)