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© dpa
28.12.2010

Angetrunken und hilflos vor Bürogebäude gelegen

PFORZHEIM. Ein Mann lag am Montag gegen 19 Uhr angetrunken im Seiteneingang eines Bürogebäudes in der Pforzheimer Innenstadt. Ein aufmerksamer Passant rief das Rote Kreuz zur Hilfe. Für Obdachlose und Alkoholiker kann die kalte Jahreszeit schnell gefährliche Konsequenzen haben. In diesem Fall ging es glimpflich aus.

Das Klischee vom Durchreisenden, der von Stadt zu Stadt und von Sozialamt zu Sozialamt zieht, und unter Brücken kampiert, ist längst überholt. Zumindest in Pforzheim. „Durchreisende gibt es kaum noch, vielleicht ein bis zwei pro Monat“, sagt Jürgen Ransiek, Leiter des Wicherhauses, einer Obdachlosenhilfe der Stadtmission. Pforzheim liegt nicht an den Hauptverbindungsachsen quer durch Deutschland, die von Zügen frequentiert würden.

Früher hätten die Betroffenen ihre Tickets zur Weiterfahrt bei der Stadt bekommen. Heute sei das kommunale Hilfesystem so gut, dass kaum noch jemand weiter wolle.

Und so war der hilflose Mann, der am Montag alkoholisiert im Hauseingang lag, wahrscheinlich ein Klient des Wichernhauses, vermutet Ransiek. In seiner Einrichtung gibt es unter anderem 31 stationäre Plätze, um erwachsenden Nichtsesshaften eine langfristige Perspektive in Sachen Wohnen und Arbeiten zu verschaffen. Er hält außerdem Notbetten für akute Fälle bereit.

Das Wichernhaus habe außerdem Sozialarbeiter, die zu den Menschen nach Hause gehen, wenn diese beispielsweise von einer bevorstehenden Räumung betroffen sind. Seiner Einschätzung nach gebe es niemanden, der momentan bei der Kälte draußen übernachte. „Unabhängig von der Jahreszeit komme es ab und an zu Vorfällen, bei denen Angetrunkene hilflos aufgefunden werden“, erklärt Martina Dann, Leiterin der Abteilung Sicherheit und Ordnung im Amt für öffentliche Ordnung.