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Im Internet kursieren Bilder von Teilnehmern der Krawall-Demo in Köln, die einen "Berserker Pforzheim"-Schriftzug auf ihrer Oberbekleidung und auf einer Fahne tragen. Beim Staatsschutz ist noch nichts von einer Gruppierung mit diesem Namen bekannt. © dpa
27.10.2014

Auch Rechtsextreme aus Pforzheim bei Kölner Krawallen dabei

Tausende Hooligans und Rechtsextremisten inszenierten in Köln bei einer Demonstration, die sich gegen Salafisten wenden sollte, ihre Brutalität. Experten sehen in den Straßenschlachten eine neue Qualität von Gewalt. „Immer wieder kamen Ströme von fahnentragenden Hools dazu“, meldete per live-Ticker der „Kölner Express“ - darunter auch die „Berserker Pforzheim“.

Bildergalerie: Nach den Kölner Krawallen: Politik pocht auf Härte gegen Hooligans

Ausweislich eines Fotos, das der PZ zugespielt wurde, sind tatsächlich mehrere Glatzen mit Shirts zu sehen - mit eben dieser runenähnlichen Schrift versehen, wie sie in rechtsradikalen Kreisen üblich ist. Dem Staatsschutz der Polizei ist auf PZ-Anfrage eine solche Gruppierung unbekannt.

Es gibt aber einen Motorradclub „Berserker MC Deutschland“ und eine Band „Berserker Berlin“ – beide seien, so ein Staatsschutz-Sprecher, dem rechten Spektrum zuzuordnen. 

Ergänzung vom 30.Oktober: Die Band "Berserker Berlin" hat inzwischen auf ihrer Facebook-Seite einen Beitrag veröffentlicht, in dem sie sich klar dagegen wehren, in eine politische Ecke gestellt zu werden. Auch schreiben sie mit Blick auf die "Berserker Pforzheim": "Eins sei ganz klar gesagt und betont: Wir haben nichts, aber auch gar NICHTS mit dieser Gruppierung gemeinsam! Ausser den Namen Berserker. Diesen Namen haben wir nicht erfunden und er ist auch nicht schützbar."

Die auf der Fahne abgebildete Zahlenkombination „2.6.6.2.“ deutet laut dem Staatsschutz-Sprecher zum einen auf den Rockerclub „Bandidos“ hin, die den Code mit „Bandidos Forever, Forever Bandidos“ übersetzen. „2“ steht für „B“, den zweiten Buchstaben des Alphabets, „6“ für „F“, den sechsten Buchstaben). Es könnte aber auch, dieser Logik folgend, „Berserker Forever, Forever Berserker“ heißen.

Mehr über die Demo-Beteiligung anderer Gruppierungen aus der Region kann noch nicht gesagt werden, da die Kölner Polizei erst noch das ganze Material auswerten und zuordnen muss.

Die Pforzheimer Demonstranten müssen nicht zwangsläufig Fußball-Hooligans sein, denn in Köln waren auch Neonazis und Vertreter der neuen Partei "Die Rechte" zugange. Die existiert auch im Enzkreis, vermittelt "Perspektiven statt Massenzuwanderung" und äzt zum Beispiel gegen ein Anti-Nazi-Projekt der Pforzheimer Carlo-Schmid-Schule.

Der mit Schülerinnen gedrehte Film nennt sich "Dunkelziffer 88" und beschäftigt sich mit dem Abdriften von weiblichen Jugendlichen in die Neonazi-Szene. "Die Rechte Enzkreis" nennt die Darstellung "inhaltlich leer", "unreflektiert" und ein "falsches und diffamierendes Bild der Nationalen Bewegung".

Ob auch die Demonstration mit Attacken auf ausländisch aussehende Menschen, friedliche Gegendemonstranten und Polizisten ein falsches Bild der Bewegung abgibt? Die Gewerkschaft der Polizei spricht von einer neuen Qualität der Gewalt. Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach bezweifelte, dass politische Motive überhaupt wichtig waren. Den Teilnehmern sei es darum gegangen, „eine wüste Schlägerei“ anzuzetteln, sagte er dem Sender n-tv. Der Präsident des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, Burkhard Freier, sagte im WDR, die Behörden seien von dem Zusammengehen der Hooligans mit Neonazis nicht überrascht worden. Gemeinsam sei allen Teilnehmern ihre Gewaltbereitschaft und eine „aggressive Grundhaltung“ gegen die radikal-islamischen Salafisten.

Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) weist schon seit längerem auf die teilweise personelle Überschneidung der jeweiligen Fußballszenen mit den rechten Szenen hin. Dies geht aus dem ZIS-Jahresbericht 2012/2013 hervor, die beim Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste Nordrhein-Westfalen angesiedelt ist. Betroffen sind demnach 16 Städte aus der ersten und zweiten Bundesliga. Die Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus und Rechtsextremismus-Expertin Clara Herrmann sagte der dpa, gezielte Zusammenschlüsse von Hooligans verschiedener Fußballvereine und die Zusammenarbeit mit Rechtsextremen seien ein deutschlandweites Phänomen.

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