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SWP-Chef Herbert Marquard (rechts) im Gespräch mit Chefredakteur Magnus Schlecht und PZ-Redakteur Lothar Neff (links). Foto: Meyer
SWP-Chef Herbert Marquard (rechts) im Gespräch mit Chefredakteur Magnus Schlecht und PZ-Redakteur Lothar Neff (links). Foto: Meyer
22.05.2019

Aufbruchstimmung bei den Stadtwerken: Geschäftsführer rechnet mit besserem Ergebnis

Pforzheim. Er hat eine klare Strategie und die setzt er um. Die Rede ist von Herbert Marquard, neuer Geschäftsführer der Stadtwerke Pforzheim (SWP). Darin werde er nicht nur von einem engagierten Führungsteam, sondern von der ganzen Belegschaft unterstützt, sagte er am Mittwoch beim PZ-Redaktionsgespräch.

Das habe man ihm zuvor in einer SWP-Mitarbeiterversammlung mit 280 Teilnehmern im CCP versichert. „Es gab große Bestätigung und positive Rückkopplung.“ Man könne durchaus von einer Aufbruchstimmung reden, sagte Marquard. Ein Personalabbau sei nicht geplant: „Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben.“ Freilich sei es eine heikle Aufgabe, die viel Engagement von den Beschäftigten erfordere. „Die Mitarbeiter müssen aus ihrer Komfortzone kommen.“ Das bedeute, offen für neuen Aufgaben zu sein. „Meine Aufgabe macht mir richtig Spaß.“ Ziel sei es, die Stadtwerke nach dem massiven Gewinneinbruch wieder zu einem finanzkräftigen Unternehmen zu machen. Die Fluktuation sei gering. Statt von Sanierung spricht der Manager lieber von einer neuen Organisationsstruktur. Es gebe viel zu tun. „Ein Stück weit ist die Unternehmenskultur in den vergangenen Jahren verlorengegangen.“ Daran müsse man arbeiten.

Etwa 25 Arbeitsverträge von Führungskräften wurden einvernehmlich geändert, was für die Betroffenen mit Gehaltsreduzierungen verbunden war. Doch jeder der insgesamt 470 SWP-Mitarbeiter müsse seinen Beitrag leisten. Deshalb werde die in einer Betriebsvereinbarung festgelegte Erfolgsprämie für das Jahr 2018 ausgesetzt, was eine Einbuße von 350 Euro pro Mitarbeiter bedeutet. „Die Betriebsvereinbarung gilt in guten wie in schlechten Tagen.“ Sollten die Ergebnisse im laufenden Jahr – wie derzeit erwartet – positiv ausfallen, werde es für 2019 und rückwirkend auch für das Jahr 2018 eine Prämie geben.

Der SWP-Chef erwartete 2019 ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von zwölf Millionen Euro. Der Jahresabschluss 2018 sei fertig und werde dem Aufsichtsrat im Juni vorgelegt. Im operativen Geschäft habe man im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben, könne aber durch Sondereffekte unter dem Strich ein Ergebnis von rund zwei Millionen Euro verbuchen. Man werde selbstverständlich weiter in die Versorgungssicherheit investieren. Das gelte für das Strom- und Gasnetz als für die Wasserversorgung. Dort seien die frostbedingten Schäden in diesem Jahr nicht außergewöhnlich hoch gewesen.

■ Was war der Auslöser der Krise?

Verträge, die durch Telefon-Marketing das sogenannte „Telesales“ gewonnen wurden, hatten sich als Verlustbringer herausgestellt. Der Ausfall der fest eingeplanten Dividende der Stadtwerke hatte massive Auswirkungen für den Pforzheimer Haushalt (die PZ berichtete). Die beiden SWP-Geschäftsführer Roger Heidt und Thomas Engelhard wurden im Januar 2019 entlassen. Ihr Nachfolger wurde noch am selben Tag Herbert Marquard, der auf eine 45-jährige Berufserfahrung in der Energiebranche verweisen kann. Dieser setzt bei der Reorganisation auf agile Teams, die in vielen Bereichen „sinnvolle Dinge implementieren“ sollen. Probleme gebe es derzeit im IT-Bereich bei der SAP-4-Einführung. Ein hochkomplexes Thema, das jedoch „längst überfällig war“. so Marquard. „Wir kennen die Probleme und arbeiten an deren Lösung“. Bis zum Jahresende sei das zu schaffen.

■ Wo sollen die SWP in zwei Jahren stehen?

„Wichtig ist eine gute Finanzkraft und eine wirtschaftlich stabile Basis. Die Mitarbeiter sollen wieder Spaß bei der Arbeit haben“, so Marquard. „Wir wollen die Nase vorn haben und auch dann der beliebteste und größte Infrastrukturdienstleister in der Region sein.“ Deshalb lege man nun den Fokus auf den regionalen Markt. Mit den Investitionen ins Heizkraftwerk werde man darüber hinaus die gute Luft in der Goldstadt noch verbessern.

Betriebsrat steht voll hinter der Strategie

SWP-Betriebsratschef Henry Wiedemann nahm eine gespannte Stimmung auf der gestrigen Mitarbeiterversammlung wahr. „Es wurde eine richtige Vision und Strategie der Stadtwerke dargelegt“, sagte Wiedemann auf Anfrage der PZ. Der Betriebsrat stehe zu 100 Prozent dahinter. Wichtig für den Betriebsrat sei, dass es bis zum 31. Dezember dieses Jahres keine betriebsbedingten Kündigungen gebe, wie dies in einer Betriebsvereinbarung mit der Geschäftsführung beschlossen wurde. In der zweiten Jahreshälfte werde über eine Verlängerung verhandelt.

„Wir erleben bei den Stadtwerken eine echte Zäsur“, so der oberste Arbeitnehmervertreter. „Wir haben aus der Vergangenheit gelernt.“ Der Betriebsrat begleitet und unterstützt die beschlossenen Kosteneinsparungen im Rahmen seiner Mitbestimmungsrechte, um personalpolitische Konsequenzen abzumildern. Das vorübergehende Aussetzen der Erfolgsprämie sei aufgrund der schlechten Unternehmenszahlen aus dem vergangenen Jahr betriebsvereinbarungsgemäß. „Eine Rentnerfeier hätte mit Blick auf die Einschnitte der aktiven Mitarbeiter nicht gepasst“, erklärt Wiedemann den einstimmigen Beschluss des Betriebsrats, auf das traditionelle Fest in diesem Jahr zu verzichten. ms