Pforzheim. Wenn eine Kirche 70 Jahre alt wird, ist das eigentlich nichts Besonderes. Im Falle der Auferstehungskirche im Pforzheimer Rodgebiet jedoch schon. Das Gebäude ist nicht nur wegen der Bauweise außergewöhnlich beeindruckend. Es ist die erste evangelische Notkirche in ganz Deutschland, die nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen 1946 und 1948 errichtet wurde. Sie entstand mit Spenden von Gläubigen aus aller Welt, unter anderem des Weltrats der Kirchen und des Lutherischen Weltbunds.
Zum runden Geburtstag der Einweihung des Gotteshauses hatte Pfarrer Bruno Dörzbacher als Vakanzverwalter gestern einen würdevollen Festgottesdienst organisiert. Die Pforzheimer Dekanin Christiane Quincke hielt dabei eine richtungsweisende Predigt, und Kunsthistorikerin Ulrike Rein wies auf die Besonderheiten des Bauwerks hin (siehe gesonderter Bericht). Ein Bläsersensemble unter Leitung von Christian Künzler sowie Organistin Lilli Hahn sorgten für die gelungene musikalische Umrahmung.
Mit Stahlbürsten geschrubbt
Großen Anklang fand zudem im Anschluss ein Kirchencafé, in dem zunächst ein vor 20 Jahren entstandener Film gezeigt wurde. Dann berichtete eine Reihe von Zeitzeugen, moderiert von Joanne Gläsel, über die Geschehnisse rund um den Bau kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. So sagte ein damaliger Jugendlicher: „Wir mussten stundenlang mit Stahlbürsten den Ruß von den Steinen schrubben. Handwerker säuberten mit Flammenwerfern die Holzbinder.“
Dekanin Christiane Quincke legte in ihrer Festpredigt den Psalm 84 („Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth“) aus und bezog sich dabei auf Architekt Otto Bartnings Beschreibung der Kirche, der von einem „Zelt in der Wüste“ sprach. Ein solches „Zelt“ führe vor Augen: „Ich bin immer noch unterwegs. Und ich bleibe es“, so Quincke. Die Dekanin machte deutlich: „Ich bleibe Wandernde, Pilgerin, Nomadin, Gottsucherin. Und manchmal auch Fliehende.“ Den Pforzheimer Seelen habe nichts Besseres geschehen können, als dass „Christinnen und Christen im Ausland Geld gaben. Ausgerechnet die ehemaligen Feinde gaben Geld, damit Notkirchen gebaut werden sollten.“ Die Not habe dieses Gotteshaus gestaltet: „Trümmersteine geben ihm von außen ein Gesicht. Das Kruzifix aus der zerstörten Stadtkirche hier drinnen. Und bei Trümmersteinen und Kruzifix sind und bleiben die Spuren der Zerstörung zu sehen,“ sagte die Pforzheimer Dekanin.
„Wie eine Auferstehung“
Pfarrer Dörzbacher ging in seinen Fürbitten auch auf die Namensgebung der Kirche ein: „Ihr Bau vor 70 Jahren war wie eine Auferstehung aus Ruinen. Wir danken dir Gott für die Menschen, die damals mit viel Mut und Zuversicht mitten in großer Sorge und Not diesen Neubau wagten.“ Schon zu Beginn hatte der Seelsorger deutlich gemacht: „Es ist einiges zu sanieren, wie Sie außen erkennen können.“ Für diese Maßnahmen ist auch das gestrige Opfer bestimmt.

