760_0900_110346_PF_Evangelische_Allianz_Gebetswoche_1_k.jpg
Den Eröffnungsgottesdienst der Gebetswoche der Evangelischen Allianz umrahmt die Band der Pforzheimer Gemeinde „Strahlen der Freude“.  Foto: Tilo Keller 

Auftakt zur Gebetswoche der Evangelischen Allianz im CCP: Mehr als 1000 Menschen bekennen sich zu Gott und jüdischen Mitbürgern

Pforzheim. Ein großer Eröffnungsgottesdienst im CongressCentrum Pforzheim (CCP) hat den Auftakt zur Gebetswoche der Evangelischen Allianz markiert. Mehr als 1000 Menschen nahmen am Sonntag daran teil. Matthias C. Wolff, Vorsitzender der Evangelischen Allianz Hamburg, stellte seine Predigt unter das Thema: „Wo gehöre ich hin?“ Zu Gast war unter anderem Rami Suliman, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Pforzheim.

Bereits zum sechsten Mal wurde die Gebetswoche in Pforzheim ausgerichtet, die in gut 1000 Städten und Gemeinden in ganz Deutschland sowie in über 190 Ländern weltweit stattfindet. Die achtköpfige Band der Pforzheimer Gemeinde „Strahlen der Freude“ begleitete den Vormittag mit flotten Musikbeiträgen. Die an die Wand projizierten Texte luden zum Mitsingen ein, so dass sich die positive Stimmung von Anfang an im fröhlichen, lobpreisenden Gesang widerspiegelte.

Blick auf den Mittleren Osten

„Wie genial ist es, dass so viele Menschen gekommen sind, um Gott zu loben?“, freute sich Moderatorin Stephanie Goppelsröder. Gleichzeitig setzte in den hintersten Rängen ein leises Murmeln ein, als die Übersetzer ihre Arbeit aufnahmen. Besucher konnten sich entsprechende Geräte ausleihen, um der Veranstaltung auch auf Russisch, Farsi oder Arabisch zu folgen. Für die jüngeren Besucher gab es im Foyer des mittleren Saals ein eigenes Kinderprogramm mit 20 Betreuern. Zu den Gästen der Auftaktveranstaltung gehörte auch Bürgermeister Frank Fillbrunn, der sich in seinem Grußwort ebenfalls beeindruckt davon zeigte, dass so viele Christen im CCP zusammengekommen seien. Er erinnerte an die aktuellen Geschehnisse im Irak und Iran. „Lassen Sie uns dafür beten, dass alle Menschen in der Welt und in der Stadt Pforzheim friedlich zusammenleben können“, forderte Fillbrunn.

In seiner Predigt ging Matthias C. Wolff der Frage „Wo gehöre ich hin?“ nach und stellte fest, dass es nicht um Äußerlichkeiten gehe. „Es ist uns wichtig, was andere Leute über uns denken, und manche Menschen riskieren ganz schön viel dabei“, spielte er auf sogenannte Influencer und den Zwang zur Selbstvermarktung an. Wolff bezog sich auf einen Brief von Paulus und legte dar, wie Christen durch den Glauben gefestigt und verwurzelt werden und durch Dankbarkeit Optimismus ausdrücken.

„Wir leben seit 75 Jahren im Frieden, es geht uns unfassbar gut“ stellte Uli Limpf, Vorsitzender der Evangelischen Allianz in Pforzheim, fest. Er erklärte, dass sich in der Zeit der Vorbereitung des Gottesdienstes der antisemitische Anschlag in Halle ereignet habe, weshalb man ein Zeichen für die Jüdische Gemeinde setzen wollte und Rami Suliman einlud. „Wir sind sehr betroffen, dass sich in unserem Land der Antisemitismus wieder ausbreitet“, sagte Reinhard Klein („Hilfe zum Leben“) im Gespräch mit dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde. „Wir verstehen Antisemitismus als Angriff auf unsere Demokratie“, machte Suliman deutlich und berichtete über Anfeindungen sowie von den Ängsten jüdischer Mitbürger. Aus der Veranstaltung nahm er mit, dass die Menschen hier für die Jüdische Gemeinde einstünden, falls in Deutschland etwas gegen Juden passiere. Der einsetzende Applaus war wie eine Bestätigung dafür. Anschließend beteten die Christen unter anderem für die Jüdische Gemeinde, für die Vertiefung der Verständigung zwischen Religionen sowie für Zivilcourage in der breiten Mitte der Gesellschaft.

Mehr lesen Sie am Montag, 13. Januar 2020, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.