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Anja Ulrich, Leiterin der Frühförderung, Teresa Neuhaus, Koordinatorin Ehrenamt bei der Caritas, Christine Bischoff, stellvertretende Leiterin Fachteam Kitas, und Caritas-Fachbereichsleiter Raffael Biscardi (von links) freuen sich über das umfassendere Angebot für Kinder und deren Familien. Foto: Ketterl
Anja Ulrich, Leiterin der Frühförderung, Teresa Neuhaus, Koordinatorin Ehrenamt bei der Caritas, Christine Bischoff, stellvertretende Leiterin Fachteam Kitas, und Caritas-Fachbereichsleiter Raffael Biscardi (von links) freuen sich über das umfassendere Angebot für Kinder und deren Familien. Foto: Ketterl
Logopädin Nina Kühn arbeitet spielend mit Karla (Name geändert) am Memory. Foto: Ketterl
Logopädin Nina Kühn arbeitet spielend mit Karla (Name geändert) am Memory. Foto: Ketterl
Zeit für ein Lächeln ist immer. Foto: Ketterl
Zeit für ein Lächeln ist immer. Foto: Ketterl
Wichtiger Wegweiser für Eltern wie Kinder. Foto: Ketterl
Wichtiger Wegweiser für Eltern wie Kinder. Foto: Ketterl
07.12.2018

Aus Außenseitern gute Kameraden machen - „Menschen in Not“ unterstützt Heilpädagogischen Fachdienst

Pforzheim. Der Heilpädagogische Fachdienst der Interdisziplinären Frühförderstelle des Caritasverbands betreut Familien mit Kindern, die entwicklungsverzögert oder verhaltensauffällig sind. „Menschen in Not“ übernimmt Kosten für eine Heilpädagogen-Stelle wegen steigendem Bedarf.

Konzentriert sitzt Karla (Name geändert) am Tisch. Ihr Blick ist nach vorne gerichtet. Nur die Beine wippen etwas. Sonst rührt sich das Mädchen nicht. Die Dreieinhalbjährige wird zweimal pro Woche von ihrer Mutter ins Heilpädagogische Zentrum (HPZ) der Caritas an der Blumenheckstraße in der Pforzheimer Nordstadt gebracht. Hier benimmt sie sich wie ein Profi. Zu Beginn der Therapie musste ihre Mama bei den Sitzungen dabei bleiben. Nun ist Karla gewohnt, dass sie mit Logopädin Nina Kühn alleine die Stunden bestreitet. Und das ist gut so.

Das Mädchen aus Pforzheim macht Fortschritte. Noch ist sie aber weit davon entfernt, in ganzen Sätzen zu sprechen. Nur ihre Mutter versteht Karla. „Im häuslichen Umfeld ist sie offener“, erklärt die Logopädin. Weder im Kindergarten noch auf dem Spielplatz spricht sie mit anderen Mädchen oder Jungen. Heute versucht Nina Kühn es spielerisch mit Memory-Karten, Karla zum Sprechen zu animieren. Eigentlich klappt das, wenn sie mit der Logopädin allein ist, ganz gut. Aber durch den Besuch aus der Redaktion der „Pforzheimer Zeitung“ ist die Situation für das Mädchen fremd. Sie ist in sich gekehrt und still.

Die Dreieinhalbjährige hat eine Entwicklungsverzögerung. Seit rund einem Jahr wird sie in der Interdisziplinären Frühförderstelle (IFF) des Caritasverbands betreut.

„Der Zugang zur Frühförderung ist unterschiedlich“, erklärt Anja Ulrich, Leiterin der Frühförderung. „Der Kontakt kommt aber immer aus dem direkten Lebensraum des Kindes“, sagt sie. Das bedeutet: Entweder Erzieher der Kindertagesstätte, die das betroffene Kind besucht, melden sich, oder die Eltern selbst. „Dann kommt eine Kollegin aus dem Fachteam Kita und beobachtet das Kind in der Einrichtung“, erklärt stellvertretende Leiterin Christine Bischoff. „Je früher wir an die Familien treten, desto besser für das Kind.“ Denn oft hätten die Kleinen einen Leidensweg erfahren. „Wenn Kinder in der Kita auffällig sind, wenn sie anders sind, als die anderen, egal wie, dann werden sie von den anderen ausgegrenzt.“ Emotional verhaltensauffällige Kinder ecken an. Manche sind aggressiv, andere in sich gekehrt, wieder andere völlig überdreht. „Es gibt kein Kind nach Schema F. Deshalb ist auch eine individuelle Betreuung notwendig.“

Schnell sollte Abhilfe geschaffen werden. „Häufig geht der Kontakt auch über den betreuenden Kinderarzt“, erzählt Anja Ulrich. Dann werde nach einem Weg gesucht, gemeinsam mit den Eltern am Kind zu arbeiten. „Gerade aber Eltern aus niederen Bildungsschichten sind nicht immer aufmerksam“, weiß Christine Bischoff. „Sie würden niemals von selbst kommen und Hilfe für das Kind suchen.“

Durch die zusätzliche halbe Stelle für die Heilpädagogin, durch „Menschen in Not“ finanziert, könne das IZZ dem Bedarf gerecht werden. „Im vergangenen Jahr konnten wir durch den Heilpädagogischen Fachdienst insgesamt 201 Kinder unterstützen“, erklärt Fachbereichsleiter Raffael Biscardi. „62 Anfragen kamen aus dem Enzkreis, 139 aus dem Pforzheimer Stadtgebiet.“

„Zunehmend mehr Kinder zeigen ein für die Fachkräfte herausforderndes Verhalten.“ Gründe gebe es viele: Durch Veränderungen im Familiensystem, wie Trennung oder Patchworkfamilien, seien schon Kindergartenkinder emotional belastet. Sieben Betreuten hat das Team im Jahr 2017 den Kita-Platz gesichert.

Weihnachtsaktion von „Menschen in Not“

In der Vorweihnachtszeit stellt die PZ immer samstags eines von vier Projekten vor, die von der Hilfsaktion „Menschen in Not“ unterstützt werden. In diesem Jahr sind es die folgenden vier:

■ Suppenküche plus: Seit März 2007 gibt es in Pforzheim eine Suppenküche. Im Jahr 2018 erfolgte der Umzug vom Schlossbergzentrum in die Kiehnlestraße. Sie ist ein Angebot der Vesperkirche für das ganze Jahr und kann aus Spenden finanziert werden. Jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag von 11.45 bis 13.45 Uhr können Bedürftige für 50 Cent einen kräftigen Eintopf mit Brötchen und Tee bekommen. Künftig wird ein Mitarbeiter der Diakonie während der Öffnungszeiten vor Ort sein, um Kontakt zu den Menschen zu bekommen, Vertrauen aufzubauen und den Besuchern der Suppenküche weitreichendere Hilfe anzubieten.

■ Fachteam für die Interdisziplinäre Frühförderstelle (IFF): Das Heilpädagogische Zentrum (HPZ) des Caritasverbandes ist Anlaufstelle für Familien mit Kindern, die entwicklungsverzögert, verhaltensauffällig oder behindert sind. Die Familien erhalten Beratung und Förderung. Immer mehr Kinder mit Behinderung werden in Regelkindergärten aufgenommen. Doch hier gibt es oft Probleme. Die Mitarbeiter des Fachteams beobachten dann das Kind in der Einrichtung und helfen umfassend, dass die Inklusion für alle gelingt.

■ Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und deren Familien aus Pforzheim: Im Mittelpunkt steht die psychologische und pädagogische Beratung. Darüber hinaus begleiten die Mitarbeiter Menschen bei Familien- und Erziehungsfragen sowie bei Trennung und Scheidung, sofern Kinder und Jugendliche betroffen sind. Die Beratung erfolgt persönlich, telefonisch oder auch online.

■ Freundschaftscoach: An wen wenden sich Jugendliche bei Pro-blemen? Nur selten an Eltern oder Psychologen. Am niedrigsten ist die Hemmschwelle gegenüber Gleichaltrigen. Doch damit diese bei ernsten Problemen wie einer Sucht oder selbstverletzendem Verhalten helfen können, müssen sie entsprechend geschult werden. Das passiert bei der Ausbildung zum Freundschaftscoach, die von der Arbeitsgemeinschaft seelsorglicher Berater entwickelt wurde.