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Die gemeinsame Wandergruppe aus Gernika, Pforzheim und Vincenza an der Hütte Refugio de Respomuso in den Pyrenäen.  Foto: Constantin 

Aus Bergkameraden wurden Freunde: Bürger aus Gernika, Pforzheim und Vincenza wandern gemeinsam

Pforzheim. Bereits 2004 hatte das Friedensmuseum Gernika-Lumo damit begonnen, eine Friedenswanderung von Pforzheim nach Gernika–Lumo vorzubereiten. Der Leiter des Friedensinstituts, Michael Kasper, warb bei einem Besuch in Pforzheim bei Vereinen, Schulen und Institutionen für diesen gemeinsamen Weg des Friedens. Bei der Umsetzung der Idee stieß das Vorhaben 2005 bei den Professoren und Studierenden der Hochschule und bei Mitgliedern der Sektion Pforzheim im Alpenverein auf großes Interesse.

Abwechselnd machten sich 2005 vom 23. Februar (Zerstörung Pforzheims), bis zum 26. April (Jahrestag der Bombardierung Gernikas), Wanderer in gemischten Kleingruppen auf den Weg, die 2100 Kilometer quer durch Europa zurückzulegen. Dazu gehörte auch ein Abstecher ins französische Gurs, wohin viele Pforzheimer Juden ab dem 22. Oktober 1940 deportiert wurden.

60 Etappen mit Übernachtungen in kleinen Jugendherbergen durch Frankreich, Turnhallen und selbst in einem Kloster waren notwendig, um das Ziel zu erreichen. Oft half die Gebärdensprache untereinander weiter.

Rund 200 Menschen wanderten die letzte Etappe mit, darunter auch der ehemalige Bürgermeister Gert Hager und PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer. Beim Erreichen der Stadt standen Kinder mit Fähnchen am Straßenrand, und ein Feuerwerk begrüßte die Wanderer.

Der Rathausplatz reichte nicht aus, um alle Menschen zu fassen. Ideengeber Kasper konnte das nicht mehr miterleben, da er bereits verstorben war.

Auf dem gemeinsamen Weg reifte in Bilbao der Gedanke, das Miteinander zu vertiefen, und so fand die erste Bergfahrt 2006 zwischen dem Goi-Zale Mendi taldea in Gernika auf den 4061 Meter hohen Gran Paradiso statt. Als 2007 die Bergfreunde von Vicenza vom Club Alpino Italiano Sezione di Vicenza anboten, sich der Aktion anzuschließen, ging es bei der ersten Dreiertour 2007 zum Paternkofel und rund um die Drei Zinnen. Ab diesem Zeitpunkt war das Dreierteam bis zur Pandemie jährlich gemeinsam unterwegs. Jedes Jahr führte eine andere Sektion in ihre heimatliche Bergwelt. Hauptorganisator war und ist stets der stellvertretende Vorsitzende der Sektion Pforzheim, Bruno Kohl. Sie sind ein Beispiel gelebter Partnerschaft. Manche Touren, wie durch die Pyrenäen, die mit ihren Bergpässen mit endlosen Auf– und Abstiegen verbunden war, bei Sturm und Gewittergüssen mit Hütten, die mit jenen in den Alpen meist nicht zu vergleichen waren, verlangten gerade dann Durchhaltevermögen, wenn die Steige gesucht und Gewässer zu queren waren. Die einprägsame Natur, kaum Wanderer und das gemeinsame Miteinander half dabei über die Strapazen hinweg, und beim ersten Bier schwand stets die Anstrengung. Inzwischen steht die 14. gemeinsame Bergfahrt an, in den vergangenen Jahre waren bis zu 45 Bergsteiger unterwegs.

Inzwischen trägt man auch dem Alter mancher Teilnehmer Rechnung und bietet, wie in diesem Jahr wieder, A- und B-Touren an. So geht es vom 9. Juli bis 16. Juli durch das Verwall rund um die Heilbronner Hütte auf die Berge. 27 Bergfreunde aus den drei Partnerstädten machen sich dabei gemeinsam auf den Weg. 2015 machte sich eine kleine Gruppe von San Sebastian nach Gernika auf den Weg, und 2025 soll es beim 20-jährigen Jubiläum Touren nach Pforzheim und Gernika geben. Nach der Pandemiepause freuen sich alle auf ein Wiedersehen, und auch in neuen Gesichtern findet sich schnell der Funke, der das Miteinander verbindet.