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Die Schülerinnen des Hilda-Gymnasiums Celina Zürcher, Jana Michel, Anna Günther, Emma Eisenmann und Luisa Gengenbach (von links) erforschen die Schulgeschichte.  Foto: Faber 

Ausgegrenzt, verschleppt oder ermordet: Hilda-Schüler erforschen schuleigene NS-Vergangenheit - und bitten um Mithilfe

Pforzheim. Dutzende Mädchen sowie einige Lehrer mussten während der Nazi-Diktatur die Hildaschule wegen ihres jüdischen Glaubens verlassen. Wie viele es tatsächlich waren, ob und wie ihr Leben danach weiterging und was aus ihnen wurde, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Und genau das wollen zwei Projektgruppen des Hilda-Gymnasiums nun ändern. Denn nach dem Buchprojekt „Spurensuche“ geht die Erforschung der Schulgeschichte weiter.

Kaum eine Schule setzt sich so intensiv mit ihrer Geschichte auseinander wie das Hilda-Gymnasium. Vor allem die Schicksale der jüdischen Schülerinnen und Lehrer der ehemaligen Mädchenschule während der NS-Diktatur sind immer wieder Thema bei Projektarbeiten. Wie jüngst beim im vergangenen Jahr erschienenen Buch „Spurensuche“ von Annsophie Schmidt. Dafür recherchierte sie mit Unterstützung ihres Lehrers Martin Rühl die Lebensgeschichten von 45 Schülerinnen sowie dreier Pädagogen – wofür Schmidt am 8. März mit dem Georg-Simmler-Preis der Löblichen Singergesellschaft, der Reuchlin-Gesellschaft sowie des Fördervereins des Stadtarchivs ausgezeichnet wird.

Zu erzählen, so erklärten Schmidt und Rühl beim Erscheinen von „Spurensuche“, gäbe es aber noch viel mehr. Und genau das wollen jetzt zwei neue Projektgruppen am Hilda-Gymnasium: Die eine, indem sie einen Kurzfilm über die NS-Vergangenheit der Schule dreht, die andere, indem sie weitere Biografien ehemaliger Schülerinnen der 1920er- und 1930er-Jahre recherchiert.

Bei der Recherche stoßen die Schülerinnen aber immer wieder auf Probleme. Was vor allem an der Quellenlage liegt. „Ein sehr großes Problem ist, dass die Schulunterlagen beim Angriff am 23. Februar 1945 zerstört wurden“, sagt Schülerin Emma Eisemann. Klassenlisten und Schuldokumente bekämen sie meist nur über langwierige Umwege. „Manchmal überlassen uns Nachfahren von ehemaligen Schülerinnen Klassenzeitungen oder Fotos, aus denen wir Rückschlüsse auf Personen ziehen können“, ergänzt Nina Dieterle. Vor Kurzem waren die sieben an den Projekten beteiligten Schülerinnen mit Rühl und dessen Kollegin Sabine Bücheler für zwei Tage im Archiv für Zeitgeschichte in Zürich, um dort den Nachlass des jüdischen Hilda-Lehrers Fritzmartin Ascher auszuwerten.

27 Boxen Material, die die heute 90-jährige Tochter Aschers, Aude Einstein-Ascher, erst vor Kurzem aufbereitete und dann dem Archiv übergab. Die Lebensgeschichte Aschers, der als Jude die Hildaschule 1935 verlassen musste und den Krieg zunächst in Pforzheim, später dann in Mühlacker als Totengräber, Fabrikarbeiter und Straßenkehrer überlebte, um kurz nach Kriegsende Bürgermeister Mühlackers zu werden, will die Projektgruppe erarbeiten. Als Grundlage dient ein Tagebuch Aschers, das die Geschehnisse an der Schule von Februar bis Mai im Jahr 1933 erzählt.

Historisches Material gesucht

Für ihre Projektarbeit suchen die Hilda-Schülerinnen Klassenlisten, Fotos und weitere Dokumente oder Überlieferungen über die Hildaschule zwischen 1920 und 1945. Es geht dabei nicht nur um jüdische Schülerinnen, sondern generell um die Schulgeschichte in dieser Zeit. Besonders dankbar wäre das Team über Namen, da die meisten Klassenlisten zerstört wurden, genauso wie Fotos. Wer Hinweise geben kann oder Material hat, meldet sich via E-Mail an spurensuche@hilda-bw.de.

Ein Video zum Projekt gibt es auf www.pzlink.de/spurensuche.

Mehr über die Geschichtsprojekte lesen Sie am Freitag, 14. Februar, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Jeanne Lutz

Jeanne Lutz

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