Pforzheim. Die Vorbereitungen waren zäh und langwierig. Nach mehr als einem Jahr der Planung ist es am Freitag aber soweit: An der Bleichstraße 97, in der seit 25 Jahren auch der Kontaktladen Loft der Plan B untergebracht ist, hängt nun ein Automat. Nicht für Zigaretten, sondern für Spritzen und Nadeln verschiedener Größe. Auch das entsprechende Zubehör sowie Kondome können aus einem der zehn Schächte des mechanischen Apparats gezogen werden. Für 50 Cent pro Artikel kann damit jetzt rund um die Uhr eine risikoreiche Versorgungslücke für die Drogenabhängigen geschlossen werden.
Vorbeugung belegt
Die Notwendigkeit für den Spritzenautomaten sehen Plan B und Aidshilfe schon lange. Denn: „Die Infektionskrankheiten HIV sowie Hepatitis B und C treten sehr viel häufiger bei Personen auf, die sich Drogen spritzen“, erklärt die Leiterin des Gesundheitsamts Doktor Brigitte Joggerst. Der Grund: Die Abhängigen benutzen die Spritzen mehrfach, oder tauschen sie untereinander – der ideale Nährboden für Infektionen. „Studien belegen, dass die Ansteckungszahlen deutlich zurückgehen, wenn saubere Spritzen vorhanden sind“, so die Ärztin. Zwar können im Kontaktladen gebrauchte Utensilien umgetauscht werden – allein 2017 waren es knapp 11.000 Spritzen. Doch nachts und am Wochenende sind die Suchtkranken, wenn sie nicht ausreichend Fixer-Besteck vorrätig haben, auf den Notapothekendienst angewiesen. Die Wege sind oft lang, die Preise höher oder die Abnahmemengen zu groß. Den nächsten Spritzenautomaten gibt es in Karlsruhe.
Vor fünf Jahren kam bei der Aidshilfe daher erstmals die Idee auf, diese Maßnahme der Gesundheitsprävention auch in Pforzheim anzubieten. „Wir haben viel Zeit und Energie aufgewendet, um an diesen Punkt zu kommen“, erklärt Plan B-Geschäftsführer Harald Stickel. Es folgten Gespräche mit der Polizei, Ärzten, Apotheken, der kommunalen Suchtbeauftragten, dem Amt für öffentliche Ordnung sowie dem Gesundheitsamt – alle hätten die Vorteile gesehen, die ein Spritzenautomat mit sich bringen würde. Die Suche nach einem geeigneten Standort gestaltete sich dagegen schwieriger. „Wir hätten gerne etwas in der Innenstadt gehabt“, erklärt Stickel. Doch in der Stadt ist es eng, die Nähe zu Schulen und Kitas sorgte bei vielen möglichen Standorten für Bedenken.
Keine negativen Erfahrungen
Die Sorgen nehmen die Betreiber ernst, können aber beruhigen. Städte, in denen es das Angebot bereits gibt, hätten keine Szenebildung im Umfeld der Automaten beobachtet.
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