nach oben
Wiedersehen nach 50 Jahren: Gerhard Knapp und Margot Werle (Rosendahl) bei der Goldenen Meisterfeier im VolksbankHaus. Damals war Knapp auf das Auto von Margot Werle angewiesen.
Wiedersehen nach 50 Jahren: Gerhard Knapp und Margot Werle (Rosendahl) bei der Goldenen Meisterfeier im VolksbankHaus. Damals war Knapp auf das Auto von Margot Werle angewiesen.
24.11.2008

Bartchampion Gerhard Knapp: Wiedersehen nach 50 Jahren

Er hat alle fünf Kontinente bereist und war als Bart-Weltmeister TV-Gesprächspartner von Thomas Gottschalk, Margarete Schreinemakers, Jürgen von der Lippe, Harald Schmidt und Günther Jauch: der Pforzheimer Friseurmeister Gerhard Knapp (73). Gestern bekam er den „Goldenen Meisterbrief“ und freute sich, nach 50 Jahren sein „Margotle“ wiederzusehen. Mit Margot Rosendahl hatte er als 22-Jähriger die Meisterprüfung in Karlsruhe abgelegt – als Jüngster zur damaligen Zeit.

Friseur-Quintett aus Pforzheim

„Die Margot hat mich mit ihrem grünen Goliath damals zur Meisterprüfung mitgenommen“, erinnert er sich. Heinz Fischer, Karl Glaser und noch ein Dritter, dessen Name er vergessen habe, seien mit ihm und der Margot mitgefahren, weil sie die einzige des Quintetts gewesen sei, die ein Auto gehabt habe. „Bei so vielen Personen lief der Goliath unterwegs heiß. Also machten wir eine Abkühlungspause und pflückten unterwegs Maiglöckchen“, erinnert sich Knapp an eine Meisterprüfung, die er nie vergessen werde. Und jetzt hat er sein „Margotle“, die derzeit in Viernheim bei Mannheim wohnt, wieder in den Arm nehmen können. In Pforzheim hatte sie viele Jahre einen Friseursalon an der Hohenzollernstraße und später das Frisuren-Atelier „Maro“ an der Bahnhofstraße geführt.

Der mit 34 Goldmedaillen ausgestattete Weltmeister im Bartgewichtheben (fünf Kilo Fass) ist amtierender Europa-Meister, Olympia-Sieger und deutscher Meister.

Vor lauter Bart hat ihn die Margot nicht mehr wiedererkannt. „Aber die Bartträger waren schon in allen Zeiten die Kulturträger der Nation“, sagte Knapp nicht nur der Margot, sondern vor einiger Zeit auch dem Kulturbürgermeister Gert Hager, um ihn zu überzeugen, seine Manneszierde wachsen zu lassen. Den Pforzheimer C & A-Geschäftsführer Rolf Spiertz hat er schon überzeugt und ihn bereits zum zweiten Mal zu einer Bart-Europameisterschaft mitgeschleppt.

„Das mit dem Bart muss man erst mal hinbringen“, so Knapp, der einen Vergleich mit dem Familienleben und seinen vier Kindern, neun Enkeln und zwei Urenkeln zieht. „Ach das muss man erst hinbringen“, so der Mann, der im Guinness-Buch der Rekorde als Teilnehmer an der längsten Bartkette der Welt (19,55 Meter) mit 19 Bärten zu finden ist.

Nicht „kurz und knapp“

Aber Gerhard Knapp ist noch viel mehr, und das ist nicht kurz und knapp erzählt: 60 Jahre Friseur, 50 Jahre selbstständig, als 73-Jähriger immer noch aktiv auf Bestellung. Knapp hat rund 120 Lehrlinge ausgebildet, war 15 Jahre Gutachter der Friseure und rund 15 Jahre in der Meisterprüfungskommission tätig. Der jetzige Ehren-Obermeister war 13 Jahre lang Obermeister und Mitgründer des Berufsförderungszentrums an der Blumenheckstraße. „Das einzige dieser Art bundesweit, bei dem eine Friseur-Innung der Eigentümer ist“, erklärt Knapp. Er war 25 Jahre im Landesfachbeirat Baden-Württemberg und Vorstand des Landesinnungsverbandes. Außerdem arbeitete er 30 Jahre als Fachbeiratsleiter der Friseur-Innung.

Als er im Jahr 1958 den Salon Sackmann an der Zeppelinstraße übernommen hatte, war er noch zu jung, um ausbilden zu dürfen. „Ich wollte aber die beiden Lehrlinge übernehmen. Also stellte ich noch einen Meister ein. Ich hatte mit drei Friseuren und zwei Lehrlingen begonnen, was damals ungewöhnlich war“, erzählt Knapp. 1966 kam ein Geschäft an der Holzgartenstraße hinzu, ein Jahr später noch ein Salon neben dem „Café Hasenmayer“. Mit dem Salon „Figaro“ an der Baumstraße und einem kleineren Geschäft in Grunbach hatte Gerhard Knapp zeitweise 34 Beschäftigte.Roger Rosendahl