Dringender Nachbesserungsbedarf bei der Bauplanung der künftigen Flüchtlingsunterkunft an der Julius-Naeher-Straße besteht auch nach Ansicht der am Montag vor Ort befindlichen Stadträte Andreas Herkommer (CDU), Jens Kück (SPD), Hans-Ulrich Rülke (FDP) und Peter Pfeiffelmann (Die Linke). Was man den Anwohnern der Häuser 22, 24 und 26 vor die Nasen setzen wolle, sei „asozial“, so ein empörter Anwohner. Wie angekündigt, hatten die Betroffenen ein provisorisches Gerüst, bestehend aus Latten und Absperrband, errichtet, um zu demonstrieren, was die Stadtbau als Bauherr vorhabe: Demnach ist der 40 Meter lange Gebäuderiegel mit 6,40 Metern noch 40 Zentimeter höher als die Flachbauten der Anwohner.
Durch die umlaufende Brüstung der Unterkunft entstehe „ein Ausguck in unsere Wohnzimmer und Privatsphäre“, so Thomas Kutscha, einer der Betroffenen. Er konnte es nach eigenen Worten anfangs gar nicht glauben, was die Stadt vorhabe. Zwischen den Eingängen der geplanten Unterkunft und den bestehenden Häusern liegen gerade mal 2,50 Meter. Die Anwohner machen geltend – auch bei ihrem Widerspruch vor dem Regierungspräsidium, vertreten durch die Kanzlei Ladenburger –, dass der Rettungsweg damit zu schmal sei, die Fläche zum Be- und Entladen verloren ginge und die Belieferung mit Öl unmöglich gemacht werde. Auch sei der zu erwartende Geräuschpegel durch die Familien mit Kindern hoch – und der schmale unbeleuchtete Weg dazwischen werde zu einem „dunklen Schlauch“ und dadurch zu einem Angstraum gerade für die Frauen.
Die Stadt Pforzheim sei erst am 2. Mai mit einem Gespräch an die Anwohner herangetreten, nachdem alle Bäume gefällt und die Leitungen verlegt worden seien. Kutscha: „Man hat einfach Tatsachen geschaffen.“ Der Standort ist einer von zwölf im gesamten Stadtgebiet mit Platz für je 40 Flüchtlinge, wenn möglich nur Familien.

