Mut hat er schon, der Stuttgarter Kabarettist Uwe Spinder. Mit seinem neuen Solo-Programm „Das ist Fußball! – Der Kulturabend“ erfindet der 51-Jährige seine Bühnenpräsenz de facto neu: VfB-Trikot statt dunklem Jackett, rückblickende, meist ironisch angelegte Sportkommentare statt fein gesponnener tagespolitischer Spitzzüngigkeit.
Ein Wagnis? Sicher ja, denn nicht erst bei Anpfiff der großen internationalen Meisterschaften verwandelt sich dieses 82-Millionen-Volk ja bekanntermaßen in ein fast gleichgroßes Heer aus Bundestrainern, Fußballexperten und Torlinien-Falkenaugen. Jeder weiß alles. Und natürlich besser. Immer. Welchen Spielraum kann sich da ein gestandener Kabarettist aus Sindelfingen erfechten, angesichts blümeranter TV-Konkurrenz à la Matze „Kaiser“ Knop? Um es vorwegzunehmen: Die Premiere von Uwe Spinders Fußball-Kulturabend im evangelischen Gemeindehaus Büchenbronn fand bei Publikum und Veranstalter viel Beifall – und keineswegs nur, weil der gebürtige Sindelfinger trotz eines Bandscheibenvorfalls auf der Bühne stand und kurzerhand einen „Running Gag“ aus seiner Einschränkung machte: Trainer Friedel Rausch habe es, noch als Spieler von Schalke 04, deutlich schlimmer erwischt, den hat 1969 beim Ruhrpott-Derby gegen Borussia Dortmund ein Schäferhund in den Hintern gebissen.
Bei dieser „tierischen“ Sportanekdote erinnert Spinder daran, dass erst seit 1969 bei Bundesligaspielen ausgewechselt werden darf. Später erwähnt er in seinem Rückblick beispielsweise auch, dass 1912 in Italien ein Schiedsrichter vor der Steinigung gerettet werden musste oder Freddy Bobic, der habe Schiris immer „blinde Bratwürste“ genannt.
Aber keineswegs nur Spieler und Unparteiische, die wie Wolf-Dieter Ahlenfelder, der 1975 angetrunken die erste Halbzeit der Partie Werder Bremen gegen Hannover 96 nach nur 32 Minuten abpfiff, erhielten in Uwe Spinders neuem Programm ihre kabarettistische „Würdigung“. Natürlich erinnerte er auch an die „verbalen Blutgrätsche“ verschiedenster Reporter – von „Hufennarr“ Addi Furrler bis „Klappscheitel“ Ernst Huberty oder „Weißbier-Waldi“ Hartmann. Die vielleicht wichtigsten Aussagen traf Spinder nach der „Halbzeit“ seines „Kicker- und Kulturabends“ in Büchenbronn. Da ging es um die Bodenhaftung des Ballsports, um das „Biotop“ der Kreisklasse, um „Stadion-Bratwürste für 2,50 Euro“, um Spiele mit „Graupelschauern ohne Überdachung“ – und um die nicht mehr nachvollziehbaren Champions League-Transfersummen. Und ab hier funktionieren auch Uwe Spinders Hinweise ans Büchenbronner Publikum, wie: „Hier gab’s schon ‚mal Gesinnungsapplaus!“. Das neue Programm kam sehr gut an, – gelacht wurde lang und viel – da Spinder es bestens verstand, seinen sichtlichen Spaß an der Materie „Fußball“ ans Publikum weiterzugeben.
Nach der Zugabe beschloss Eugen Müller, Vorstand des Fördervereins der evangelischen Gemeinde Büchenbronn, lächelnd den gelungenen Premierenabend: „Wir waren gerne die Tester, nur das schwäbische Trikot hat uns nicht gefallen“. Sprach‘s und übergab Uwe Spinder ein etwas knappes T-Shirt des SV Büchenbronn.

