Pforzheim. Mitreißende, impulsive Rhythmen klingen am Sonntagnachmittag durch das Haus der Jugend. Im großen Saal haben Juan Sans, Alejandro Montero und David Macchione ihre Instrumente ausgepackt, um Musik zu machen.
Am Abend werden sie unter ihrem Bandnamen „Tzigan“ im Kulturhaus Osterfeld auftreten. Doch vorher spielen sie mit dem Musiker Jörg Herzel und Osterfeld-Geschäftsführer Bart Dewijze einfach munter drauf los, schauen was entsteht. Zuerst einigen sie sich auf eine Akkordfolge, dann fängt einer an und die anderen kommen dazu. Dewijze legt seine Gitarre weg und wechselt zu den Trommeln. Von dort läuft Macchione zu einem schwarzen Koffer und packt seine Geige aus. Jam nennt man das, wenn sich die Musik spontan entwickelt.
Dewijze vergleicht es mit dem freien Erzählen einer Geschichte. Nach Noten zu spielen sei dagegen wie das Vorlesen eines Buchs. Was zwar auch schön sein könne, aber eben weniger spannend. Beim Jam entstehen viele neue Klänge – und das, obwohl die drei Musiker aus der argentinischen Hauptstadt Cordoba kommen und kein Wort Deutsch sprechen. „ „Und trotzdem kann man sich über die Musik verständigen“, sagt Dewijze. Obwohl er die Argentinier erst seit ein paar Stunden kennt, versteht er sich schon bestens mit ihnen, beschreibt sie als „extrem entspannt“.
Mit Jams hat Dewijze Erfahrung, da er in seinem Geburtsland Belgien schon an vielen teilgenommen hat, und mit seiner Band die neuen Stücke fast immer auf diese Weise entwickelt. Der Jam im Haus der Jugend steht im Zeichen des Reuchlin-Jahrs, denn der in Pforzheim geborene Humanist hat es laut Dewijze geschafft, abendländische und jüdische Musik im Zeichen der Völkerverständigung zusammenzubringen.
Etwas Ähnliches mache auch die Band „Tzigan“, indem sie Tango- und Gipsy-Musik miteinander verbinde. Dewijze sagt, Völkerverständigung sei gerade in Zeiten wie diesen dringend notwendig, gerade in Pforzheim mit seinem hohen Anteil an Migranten. Mit Musik könne man viel erreichen.

