Pforzheim. Ballett, Bananen, Lego und Roboter – das, und noch viel mehr hat es in der Langen Nacht der Wissenschaft an der Hochschule Pforzheim bei Vorträgen, Workshops und Führungen zu entdecken gegeben. Bereits zum fünften Mal haben Interessierte jeden Alters die Gelegenheit genutzt, auch ohne Studentenausweis Hochschulluft zu schnuppern – und das sogar eine halbe Nacht lang.
Den Auftakt des Wissenschaftsabends für jedermann gestalteten vier Tänzer vom Ballett des Pforzheimer Theaters mit Choreografien von Guido Markowitz und Damian Gmür. Zu abstrakten Klängen zuckten und verbogen sich die Körper der Tänzer im Audimax, dem großen Hörsaal der Hochschule. Danach begrüßte Professor Ulrich Jautz, Rektor der Hochschule Pforzheim, die ersten Zuhörer, darunter sowohl Studenten als auch Familien mit Kindern und Senioren.
Für Kinder und Jugendliche gab es sogar ein eigenes Programm. „Ich freue mich, dass sie den Weg zu uns auf den Berg gefunden haben“, sagte Jautz im gut gefüllten Hörsaal. „Dieses Jahr möchten wir sie einladen, sich über das Thema Spiel Gedanken zu machen“, stellte er das fächerübergreifende Motto des Abends vor: „Mögen die Spiele beginnen.“
Gleich der erste Vortrag von Professor Hanno Beck drehte sich um Spieltheorien. „Ein Spiel ist eine Situation, in der mehrere Akteure untereinander agieren und sich gegenseitig beeinflussen“, sagte Beck und führte auf unterhaltsame Art aus, wie sich das auch auf Politik übertragen lässt. Am Beispiel der Kuba-Krise, bei der die Amerikaner damals tatsächlich von Spieltheoretikern beraten worden seien, zeigte er Handlungsmöglichkeiten auf, die entweder zur großen Katastrophe führen oder einen der Gegner als Feigling dastehen lassen. „In dem Moment, in dem sie die Spieltheorie verstanden haben, verändert sich ihr Blick auf die Welt“, erklärte der Professor.
Spielerisch ging es beim Workshop von Professor Felix Krebber und Frederic Vuillermin zu, die die Teilnehmer aufforderten, mit den Steinen der Lego Serious Play-Box verschiedene Begriffe darzustellen. Dabei konnte erlebt werden, wie die bunten Bausteine in Betrieben die Kommunikation der Mitarbeiter anregen, um Probleme zu lösen oder Kreativität zu wecken. Auch bei den Laborführungen gab es spielerische Elemente zu entdecken, wie der zum Sekteinschenken umfunktionierte Roboter im Bereich Maschinenbau oder der niedliche Roboter Vector, der Mimik erkennen kann. Unter den interessierten Zuschauern war auch die 13-jährige Sophie Grösser aus Altdorf bei Holzgerlingen, die mit ihren Eltern nicht zum ersten Mal die Pforzheimer Hochschule besuchte. „Wir sind oft zum Studium generale da“, erklärte die Familie.
Bausteine der Integration
Einem ganz anderen Thema widmete sich Professor Jürgen Volkert, der von einer Befragung unter Flüchtlingen berichtete. Diese zeigte unter anderem auf, dass sich durch die Erfahrung von mehr Freiheit vor allem die Perspektive der geflüchteten Frauen verändert habe. Er berichtete, dass die Frauen das Leben der Deutschen führen wollten und arbeiten gehen möchten, was ihnen in ihrer Heimat oft nicht erlaubt war. Ein nennenswerter Anteil der geflüchteten Frauen habe sich in Deutschland sogar scheiden lassen. „In Deutschland bist du frei, ob du verheiratet bist, oder nicht“, zitierte er die Aussage einer Befragten. Volkert stellte außerdem fest, dass bei Frauen oft das Erlernen der deutschen Sprache ein Problem sei, sobald jedoch eine Kinderbetreuung dabei ist, würden die Angebote gerne genutzt. Auf Nachfrage zum Einfluss der Studie auf die Stadt Pforzheim erklärte der Professor, dass in jedem Semester Vertreter der Stadt eingeladen und die Erkenntnisse vorgestellt werden.
Neben vielen weiteren Vorträgen und Workshops konnte man außerdem noch eine Banane mit einem Laser aus dem Fachbereich Maschinenbau beschriften lassen oder sich vom nagelneuen CineBot, einem Projekt der Mechatronikstudenten, filmen lassen. Zudem gab es auch noch die angenehme Atmosphäre am Campus bei Musik des Acoustic Swing Duos und Bewirtung zu genießen. Ein Feuerwerk lud zu einer kleinen Pause ein, bevor es zu später Stunde zur letzten Runde wieder in die Vortragsräume ging.



