Sei es der gemeinsame Gottesdienst, das Frauen-Frühstück oder der Gospelchor – die Pforzheimer Stadtmission hält für jedermann ein Angebot bereit, bei dem der persönliche Glaube in der Gemeinschaft gelebt werden kann. Seit 125 Jahren prägt der Verein das Zusammenleben der Christen in Pforzheim und bietet den 330 Mitgliedern sowie Freunden und Interessierten zahlreiche Möglichkeiten, sich einzubringen.
Die Wurzeln der Pforzheimer Stadtmission reichen bis weit vor das Gründungsjahr 1891 zurück. Der „Allgemeine Bürgerverein“, aus dem die Mission später hervorging, wurde bereits 1874 ins Leben gerufen.
Ende des 19. Jahrhunderts, kamen durch die industrielle Entwicklung zahlreiche junge Arbeiter nach Pforzheim. Um der Verwahrlosung und Heimatlosigkeit dieser neu in die Stadt gekommenen Jugendlichen zu begegnen, sei die Stadtmission gegründet worden, erklärt Kurt Dittes, Ehrenvorsitzender der Stadtmission. Mit dem Bau einer „Herberge zur Heimat“, war der erste Schritt der jungen Mission getan. Bald darauf wurde vor fast 100 Jahren die christliche Buchhandlung gegründet.
Der größte Rückschlag in der Vereinsgeschichte erfolgte im Zweiten Weltkrieg. Durch die Bombardierung Pforzheims verlor die Mission viele ihrer Mitglieder und musste mit ihrer Arbeit nahezu bei Null beginnen.
Die nachfolgende Zeit erlebte Kurt Dittes, hautnah. „Mein geistliches Erweckungserlebnis hatte ich 1957 als junger Mann in der Gemeindejugend, die von Erich Micke, dem ersten Pforzheimer Stadtmissionar nach dem Krieg, betreut wurde“, erzählt Dittes. Bei der intensiven Beschäftigung mit der Heiligen Schrift sei ihm damals klargeworden, dass Gott durch die Bibel zu ihm spreche, so das Missions-Urgestein weiter. Seitdem habe sich in der Stadtmission viel getan.
Ein großer Schritt war 1985 die Eröffnung des Wichernhauses als stationäre Einrichtung für Obdachlose. Bis heute finden wohnungslose Menschen in Pforzheim dort Unterstützung.
Das Verhältnis zu und die Zusammenarbeit mit der evangelischen Landeskirche wurde 1996 in einem Vertrag geregelt, als die Mission sich immer mehr zu einer Gemeinde entwickelte. Seitdem hat die Stadtmission das Recht, kirchliche Aufgaben wie Taufen oder Trauungen selbst durchzuführen.
Die Blütezeit ist jetzt
In den Gottesdiensten der Pforzheimer Stadtmission trifft man von Familien mit kleinen Kindern, über Jugendliche und Senioren, auf Menschen aller Altersklassen. Ein Kreis von etwa 800 bis tausend Menschen zählt sich zurzeit zur Stadtmission. „Dadurch, dass so viele Menschen sich uns verbunden fühlen, können wir auch unglaublich viel erreichen“, sagt Dirk Günkel, der die Stadtmission zusammen mit drei weiteren Missionaren leitet. Vor allem die Arbeit im kirchlichen Bereich sei aber nicht nur von ehrenamtlichem Engagement, sondern auch von Spenden abhängig, so Günkel weiter.
Ein zentrales Anliegen der Stadtmission stellt auch die Hilfe für Menschen in Not dar. „Die Nächstenliebe ist für uns ein wichtiger Teil der christlichen Botschaft. Wir wollen die ,fromme Kuschelecke‘ verlassen und dem Auftrag von Jesus Christus aktiv nachkommen“, sagt Dünkel. „Orientierung bietet uns da die Bibelstelle ,Seid nicht nur Hörer des Worts, sondern auch Täter‘ aus Jakobus 1 Vers 22“, erklärt er. Von dieser Einstellung zeugen zahlreiche soziale Projekte der Mission. In sechs Stadtteilen gibt es beispielsweise wöchentlich Angebote der Jugendorganisation „Entschieden für Christus“. Im Familienzentrum Nord, das von der Stadtmission getragen wird, finden Eltern und Kinder aus der Nordstadt Unterstützung. „Unsere laufenden Projekte fordern uns durch die Bank“, sagt Günkel. Dennoch sei es der Mission wichtig, auf gesellschaftliche Änderungen zu reagieren. Aktuell seien als neue Themen die Flüchtlingsfrage und ein Projekt zum gemeinsamen Wohnen im Alter im Gespräch. Auch in den nächsten Jahren gibt es in der Pforzheimer Stadtmission also genug anzupacken.


