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Hilfe für Straffällige: Markus Rapp, Geschäftsführer beim Bezirksverein für soziale Rechtspflege, im Gespräch mit seiner Nachfolgerin Birgit Witterberg. Foto: Ketterl
Hilfe für Straffällige: Markus Rapp, Geschäftsführer beim Bezirksverein für soziale Rechtspflege, im Gespräch mit seiner Nachfolgerin Birgit Witterberg. Foto: Ketterl
22.12.2016

Bezirksverein für soziale Rechtspflege mit neuer Geschäftsführerin

Pforzheim. Zum 1. Januar übernimmt Birgit Witterberg, 54, die Geschäftsführung des Bezirksvereins für soziale Rechtspflege an der Erbprinzenstraße von Markus Rapp. Der Sozialarbeiter wechselt nahtlos in die Drogenberatungsstelle von Plan B an die Schießhausstraße.

Nach 17 Jahren in der Straffälligenhilfe habe er nach einem anderen Arbeitsschwerpunkt gesucht, sagt der 49-Jährige. Genauso ging es der Sozialarbeiterin Witterberg, die von einem großen Bildungsträger in Karlsruhe in die Goldstadt wechselt. Sie hat dort jahrelang in der Fort- und Weiterbildung, in diversen Projektleitungen, in der Konfliktberatung und im Finanzbereich Erfahrungen gesammelt. Ihre ersten beruflichen Schritte habe sie in der Justiz vollzogen, sagt sie. Witterberg wird Verantwortung tragen für ein kleines Team von 15 Mitarbeitern (10,7 Stellen), die Ex-Häftlingen etwa ein Übergangswohnen und auch eine erste Arbeit ermöglichen, die Anti-Aggressionstrainings für Gewalttäter anbieten und Einzelberatung für Straffällige. Dafür sind die Mitarbeiter im Gefängnis Heimsheim, im Gustav-Radebruch-Haus und auch im Pforzheimer Haus des Jugendrechts präsent.

Unter dem Eindruck der städtischen Einsparungen will die neue Leiterin zunächst Erfahrungen sammeln, in welchem Umfang die Sozialarbeiter Entlassene zukünftig auf ihrem Weg zurück in die Gesellschaft begleiten können. Denn statt einer pauschalen Bezuschussung gibt es ab 2017 individuelle Leistungsvereinbarungen (die PZ berichtete). „Mein Eindruck aus den ersten Gesprächen mit den Ämtern ist, dass es eine große Offenheit unserem Anliegen gegenüber gibt“, sagt Witterberg.

Ihr Vorgänger hat in den vergangenen vier Jahren das ESF-Projekt „Integration Straffälliger in Arbeit (InSA)“ vorangetrieben, das Ende 2018 nach neun Jahren ausläuft. „Damit haben wir Pionierarbeit geleistet“, sagt Rapp. Denn noch während der Haft beginnt in Kooperation mit dem Arbeitsamt die Suche nach Anstellung für den Häftling. Jetzt werde eine landesweite Allianz auf den Weg gebracht. Im Projekt „Schwitzen statt Sitzen“ wandeln jährlich rund 600 Frauen und Männer ihre Geldstrafe in Arbeitsstunden ab. Die Zahlen seien über Jahre gleichbleibend hoch. Das erlaube Rückschlüsse auf die arme Bevölkerungsstruktur. Etwa zehn Prozent seines Gesamtbudgets finanziert der Bezirksverein durch zugewiesene Bußgelder. „Doch die Außenstände wachsen von Jahr zu Jahr“, sagt Rapp. Und auch die Zahl der Täter, die durch einen von der Polizei ausgesprochenen Platzverweis im Anti-Gewalt-Training landen sollten, schrumpfe. Sie liegt lediglich bei 20 Prozent. „Die Akzeptanz nimmt ab.“