Forderte einst Eier – und das nicht zum Rumeiern: Oliver Kahn.
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Pforzheim
Botschaft an Pforzheim Politiker: Jedem Neuanfang wohnt die Chance zum Mut inne

Pforzheim. Vom teuren Mega-Projekt Buckenberg-Campus über den Eiertanz um den Feuerwehrstandort in Eutingen bis hin zur Verweigerungshaltung gegenüber wirtschaftlicher Energieversorgung, nur weil Windkraft den jeweiligen Anwohnern unkommod ist: Warum nutzen Pforzheims Polit-Entscheider nicht den günstigen Umstand, dass sie sich allesamt noch ganz lange keinem Wählervotum mehr stellen müssen?

Eine Kolumne von PZ-Redakteur Marek Klimanski 

„Grausamkeiten begeht man am Anfang“, soll – nicht ganz wörtlich – der italienischen Philosoph und Staatsdenker Niccolo Machiavelli erkannt haben. Gerne zitiert von Politikberatern zu Zeiten, als Politikberatung noch ein Geschäftsmodell war und Politiker lieber Rat anstatt rat-los Auswege suchten. Wie kamen wir jetzt doch gleich noch mal auf rat-los? Ah. Richtig. Der Pforzheimer Gemeinderat hält es ja selten mit Staatsdenkern. Dabei hätten die Stadtpolitiker beste Voraussetzungen, nun Grausa..., pardon, harte Entscheidungen zu treffen, befinden sie sich doch allesamt in den Anfängen ihrer Wahlperioden. Der Gemeinderat hat erst ein Jahr absolviert, dessen Fraktionsvorsitzende Andreas Renner (CDU), Annkathrin Wulff (SPD) und Alexsei Zimmer (AfD) stehen als Landtagskandidaten noch fünf Jahre vom erneuten Wählervotum entfernt, OB Peter Boch sieben von acht Jahren und alle Beigeordneten noch sechs Jahre. Selbst die örtlichen Bundestagsabgeordneten müssen turnusgemäß noch fast drei Jahre keine schlechte Stimmung ihrer Wähler ausbaden. Mehr Unabhängigkeit von Wahl-Ohrfeigen als jetzt war nie – und so könnte man nach Herzenslust richtige, aber ärgergeneigte Entscheidungen treffen, Stichwort Feuerwache in Eutingen. Tut das Stadtparlament aber nicht. Als Torwart-Titan Oliver Kahn einst forderte: „Eier, wir brauchen Eier“, dachte er eher nicht daran, dass sie in solcher Weise zum Rumeiern verwendet würden.

Der Gemeinderat könnte auch für den Buckenberg-Campus die Reset-Taste drücken und sich statt des auf rund eine Viertelmilliarde Euro zu veranschlagendenden Mega-Projekts mit dem Bau dreier Schulen auf den erforderlichen Neubau der sonderpädogischen Gustav-Heinemann-Schule konzentrieren. Fachleute flüstern hinter vorgehaltener Hand längst, dass das deutlich weniger kosten würde, und nicht wenige Eltern von Heinemann-Schülern würden die kleine Lösung bevorzugen. Zudem: In den schon jetzt überstrapazierten Etats von Stadt und Enzkreis ist noch gar kein Geld für das Giga-Vorhaben.

Schlussendlich sollten sich auch die Experten der städtischen Fachämter zumindest global zu Windkraft bekennen dürfen. Wo doch alle Welt sieht, dass es auf unseren Hochlagen oft kräftig weht. Und Import-Energieträger wie Gas angesichts aller Weltkrisen, Knappheiten und Preisexplosionen zum wirtschaftlichen Desaster für unser Land werden. So aber überlässt man dem bislang nicht als naturwissenschaftliches Kompetenzzentrum aufgefallenen OB-Büro federführend die Absage an die ungeliebten Windräder. Gegen die Realitäten, und gegen jenen guten Rat: Grausamkeiten begeht man am Anfang. Dummheiten aber bringen einen ans Ende.

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