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Jakob Augstein und Nikolaus Blome mit ihrem aktuellen Buch „Oben und Unten“. Foto: Ketterl
Jakob Augstein und Nikolaus Blome mit ihrem aktuellen Buch „Oben und Unten“. Foto: Ketterl
Spielen sich im Dialog die Bälle mal hart und mal weich zu: Jakob Augstein (links) und Nikolaus Blome. Foto: Ketterl
Spielen sich im Dialog die Bälle mal hart und mal weich zu: Jakob Augstein (links) und Nikolaus Blome. Foto: Ketterl
12.04.2019

Boulevardeske Talkshow: Jakob Augstein und Nikolaus Blome definieren die Kluft zwischen „Oben und Unten“

Pforzheim. Zwei Spitzenjournalisten auf Irrfahrt: Von Ulm nach Pforzheim mit der Bahn unterwegs, finden sich Jakob Augstein und Nikolaus Blome plötzlich in einer Stadt wieder, die auf -heim endet. Allerdings „steht ein Mann- vor dem heim“. So hat Nikolaus Blome aus der Chefredaktion der „Bild“ seine erste Pointe gelandet. Bis sich das aus der TV-Talkshow „Augstein und Blome“ (freitags bei Phoenix) bekannte Duo so recht versieht, ist es in Frankfurt und nimmt für den Weg ins PZ-Autorenforum einen Wagen. Blome sei gefahren „und jetzt noch geladen“ warnt „der Freitag“-Herausgeber Augstein. Ein Intro, das dem Publikum signalisiert, wo der Hase lang läuft.

Zuvor hatten bereits der geschäftsführende PZ-Verleger Thomas Satinsky sowie Eckhard Mickel vom Autorenforum das Duo mit den gegensätzlichen Blickpunkten vorgestellt. So launig der Einstieg mit dem verspäteten Ausstieg der beiden gelungen ist, so setzt sich auch der Disput fort. Es geht um „Oben und Unten – Abstieg, Armut, Abstieg, Ausländer – was Deutschland spaltet“. Etwas sperrig mag der Buchtitel aus der Feder zweier ausgebuffter Profis des politischen Boulevardjournalismus daher kommen.

Aber die Analyse bleibt dennoch unterhaltsam und nicht nur an der Oberfläche: Fahrverbote, gefühlte Kriminalität, Flüchtlinge, Staatsversagen in Berliner Problemvierteln, sozialer Zusammenhalt und Aufstiegschancen – allerhand Themen werden von den beiden zwischen Ernst und Frotzelei pendelnd erörtert. „Schnabel“, verschafft sich zwischendurch schon mal Augstein Redefreiheit, wenn Blome mit seinem Senf zum Thema partout nicht warten mag und ihm ins Wort fällt.

Augstein, lässig links im Pullover, Blome staatstragend rechts im Anzug mit Binder, beweisen beide Flexibilität – schon beim Thema ihres Buches beginnend: „Oben? Sind jene, die frei von Angst vor sozialem Abstieg sind. Unten jene, die sich Ängste um Existenz, Arbeitsplatz, Rente und Miete plagen“, weist Augstein den Weg. Auch Blome hält beipflichtend wenig von „der alten Leier von reich und arm“. Augstein spricht meist langsam deutlich artikulierend. Blome mitunter hastig und nuschelnd, stets bedacht, nicht unterbrochen zu werden.

Wie viel kulturelle Vielfalt?

Hilft alles nichts, wird Blome barsch: „Sie haben jetzt Pause, sonst stehen Sie ins Eck!“ Eine zentrale Frage laute: „Wie viel kulturelle Vielfalt hält das Land aus?“, liest er vor und ebnet den Weg zur nächsten Migrantendiskussion. Dreht sich der Dialog dann etwa um die Diskrepanz zwischen sinkenden Kriminalitätsraten und wachsenden Gefühlen der Unsicherheit, dient als Beispiel Berlin. „Die schlechtestverwaltete Stadt Deutschlands“, ätzt Augstein. Und beide sind sich einig, dass der Regierende Bürgermeister den Rückzug des Staates verkörpert. Schließlich habe er jenen geraten, die sich fürchten, mit der U-Bahn nachts in Problemviertel zu fahren, stattdessen „ein Taxi“ zu nehmen.

Unsicher in Parks und Bädern

Dann unterbricht eine Frage den munter vor sich hin perlenden Dialog der Journalisten. „Gibt es in Pforzheim wie in Berlin auch Parks oder Freibäder, wo manche sich mit Kindern nicht mehr hintrauen?“ Freilich, verdeutlicht die Reaktion im Publikum. Lebhafter noch die Resonanz, als Augstein bemängelt, viele Kommunen müssten Freibäder schließen, weil sie sich deren Betrieb nicht mehr leisten könnten. Erstmals brandet Beifall auf. Ebenfalls bei der Forderung Blomes, Schulen Kindergarten- und Kitas sollten kostenfrei für Eltern sein. Pforzheimer Befindlichkeiten kommen zum Tragen.

Deutlich zwischen Augstein und Blome schimmert mitunter ein Grundkonsens durch. Augstein, der sich als Sozialdemokrat bekennt, verteidigt sogar die Flüchtlingsaktion von Bundeskanzlerin Angela Merkel 2015 gegen den hier kritischen Blome. Der wiederum beklagt, dass vor allem arbeitende Migranten ohne Bleiberecht abgeschoben würden. Solche ohne Job wüssten sich dem Zugriff dagegen zu entziehen.

Fazit: Die Groko der vergangenen Jahre sitzt verkörpert in zwei begnadeten Rhetorikern auf dem Podium. Deren Belesenheit und Wortschatz macht regelrecht Wonne.

Von der Fragerunde der Zuhörer am Ende zeigt sich nicht jeder Besucher angetan. Tatsächlich ist diese von Statements dominiert, die lediglich um Bestätigung heischen und von rhetorischen Fragen wie: „Sollen wir jetzt alle syrisch oder iranisch sprechen?“ Im Gedächtnis bleibt aber auch ein Anliegen: „Sie haben doch die Macht. Schreiben sie doch, dass Kindergartenbesuch kostenlos werden soll“, bittet eine Frau im Publikum – und erntet wie Augstein und Blome – Applaus.

helmut
13.04.2019
Boulevardeske Talkshow: Jakob Augstein und Nikolaus Blome definieren die Kluft zwischen „Oben und Unten“

Deren Verblödungsmasche, ala Spiegel, reißt niemand mehr von den Sitzen. Wenn ich die sehe schalte ich sofort weiter. Ein Mosaikstein mehr, dass immer nur die gleiche Sorte von Journalisten und Politiker "Meinungsfreiheit" genießen dürfen. mehr...

powertrommeln rudi
14.04.2019
Boulevardeske Talkshow: Jakob Augstein und Nikolaus Blome definieren die Kluft zwischen „Oben und Unten“

Würde mich ja mal interessieren, was die beiden für ihren Abstecher in die Provinz so an Gage kassieren? mehr...