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Während die einen Feuerwehrleute den Wohnungsbrand löschen mussten, suchten andere nach einer angeblich vermissten Person, die jedoch nicht gefunden wurde. Später dann suchten Brandermittler der Kriminalpolizei nach Hinweisen auf eine Brandstiftung und den mutmaßlichen Täter. Foto: Meyer
Brand Eutingen 03
Nach dem Löschen eines Wohnungsbrandes in Pforzheim-Eutingen nahmen die Brandermittler der Kriminalpolizei ihre Arbeit auf. Gesucht wird ein 29-jähriger Brandstifter, der bewusst mit dem Leben von drei jungen Erwachsenen gespielt hat.
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Mit der Drehleiter mussten Feuerwehrleute eine Person retten, die nicht mehr den Fluchtweg durchs verrauchte Treppenhaus wagen konnte. Foto: Meyer
Brand Eutingen 21
Feuerwehr und Rettungskräfte kümmerten sich um den Brand und die vier Opfer mit Rauchgasvergiftungen und Verbrennungen. Danach wurde die Polizei in der Wohnung aktiv: Der mutmaßliche Brandstifter soll das Leben von drei jungen Menschen aufs Spiel gesetzt haben.

Brand in Eutingen: Attacke auf drei junge Menschen mit brennbarer Flüssigkeit

Pforzheim. Der Wohnungsbrand in einem Mehrfamilienhaus am Rennbachweg in Pforzheim-Eutingen ist die Folge einer mutwilligen Brandstiftung. Aber es kommt noch schlimmer: Gegenüber PZ-news haben der Vater der einen Mieterin der Wohnung und die zweite Mieterin über die zum Teil erschreckenden Hintergründe der Tat gesprochen, die ein tödliches Ende für zwei junge Frauen und einen jungen Mann sowie eine Nachbarin hätte nehmen können.

Zunächst stand eine Version des Tathergangs im Raum, bei der vier junge Frauen zum Opfer einer brutalen Brandattacke geworden sein sollen. Inzwischen hat sich die zweite Mieterin der Wohnung bei PZ-news gemeldet und die Angaben korrigiert. Die 22-Jährige war kurz nach der schrecklichen Tat nach Hause gekommen und hat von dem Unglück erfahren. Die Brandermittler der Kriminalpolizei haben die Arbeit aufgenommen und Beweismaterial gesichert. Gleichzeitig wird intensiv nach dem mutmaßlichen Täter gesucht.

So wie es sich jetzt darstellt, waren in der Wohnung die 18-jährige Zweitmieterin, ihre 16-jährige Freundin und deren 18-jähriger Freund. Diese entkamen durch den schnellen Einsatz der Pforzheimer Feuerwehr einem vorsätzlich gelegten Brand im ersten Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses. Nach Aussage eines Augenzeugen sollen die Personen von Feuerwehrleuten, zum Teil über deren Schulter liegend, aus dem Haus getragen worden sein. Eine dritte Frau, eine offenbar 54-jährige und im Dachgeschoss lebende Nachbarin, deren Fluchtweg übers Treppenhaus total verraucht war, musste von der Feuerwehr über die Drehleiter gerettet werden.

Alle vier Personen haben nach ersten Informationen eine Rauchgasvergiftung erlitten. Ein junges Pärchen kam mit leichten Brandverletzungen davon. Die 18-jährige Zweitmieterin musste allerdings mit schweren Verbrennungen (dritter und vierter Grad) in eine Stuttgarter Spezialklinik geflogen werden, wie ihr Vater gegenüber PZ-news erklärt hat. 

Ein 29-jähriger Mann, so der Vater, sei am Freitagabend gegen 20.45 Uhr mit einem Kanister in die Wohnung eingedrungen und habe dann überall Benzin verteilt, wobei er wohl absichtlich auch etwas über die Schuhe der 18-jährigen Tochter geleert habe. Dann soll der Deutsche die Flüssigkeit angezündet haben. Wie die 22-jährige Mieterin gegenüber PZ-news ergänzt, habe der Täter, während sich drinnen die Flammen ausbreiten konnten, noch einige Zeit die Wohnungstür von außen zugehalten, bevor er dann geflohen sei.

Wo sich der mutmaßliche Brandstifter gerade aufhält, ist noch nicht bekannt. Die Polizei hat sofort intensive Fahndungsmaßnahmen nach dem wohnsitzlosen Tatverdächtigen eingeleitet. Er konnte bislang nicht ergriffen werden. Zeugen, welche in Eutingen um die Zeit der Tathandlung verdächtige Beobachtungen gemacht haben und eventuell Hinweise zu einem Fluchtfahrzeug geben können, werden gebeten, sich beim Kriminaldauerdienst der Kriminalpolizei Karlsruhe unter Telefon (0721) 666-5555 zu melden.

„Zum Glück waren die Kinder von meiner Schwester nicht in der Wohnung“, erklärte die Schwester der 22-Jährigen gegenüber PZ-news. Die beiden fast zwei und fünf Jahre alten Kinder waren außer Haus in Sicherheit gewesen. Ihre Schwester, die bei ihrer Mutter untergekommen sei, stehe jetzt vor dem Nichts - die Wohnung am Rennbachweg sei ausgebrannt, Mobiliar, Kleider und andere Dinge wären nur noch ein Fall für den Müll.

Zu den Hintergründen der Tat sagt die 22-Jährige, dass es wohl um einen nicht ganz aktuellen Diebstahl ginge. Ein Mann, der kurz vor dem Brandanschlag in der Wohnung gewesen sei, soll dem mutmaßlichen Brandstifter etwas gestohlen haben. Das habe der offenbar nicht zum ersten Mal als gewalttätig aufgefallene 29-Jährige angeblich in der Wohnung zurückgefordert und offenbar nicht erhalten, zumal der angebliche Dieb nicht mehr in der Wohnung war.

Die Polizei spricht von einem versuchten Tötungsdelikt durch eine Brandlegung. Dem Tatverdächtigen wird vorgeworfen, die Wohnung in Brand gesetzt und diese dann verlassen zu haben und hierbei den Tod der sich in der Wohnung Aufhaltenden zumindest billigend in Kauf genommen zu haben.

Um 20.57 Uhr ging der Alarm ein. Als die ersten Feuerwehrautos nach Eutingen fuhren, schilderten Anrufer per Notruf, dass eine Person hilfesuchend an einem Fenster stehen würde. Zugleich wurde die Alarmstufe erhöht. Am Ende waren rund 30 Feuerwehrleute mit neun Fahrzeugen von der Berufsfeuerwehr Pforzheim und den Freiwilligen-Abteilungen Eutingen und Haidach angerückt. Auch der Rettungsdienst eilte mit drei Rettungs- und zwei Notarztwagen an den Rennbachweg, unterstützt vom Organisatorischen Leiter Rettungsdienst, dem Leitenden Notarzt und den Helfern vor Ort des DRK aus Eutingen, Niefern-Öschelbronn und Wiernsheim nebst DRK-Kreisbereitschaftsleiter.

Der Wohnungsbrand blieb durch das rasche und geballte Eingreifen der Feuerwehr lokal begrenzt. Ein Übergreifen der Flammen auf andere Wohnungen oder gar das Nachbarhaus konnte zügig unterbunden werden. Neben dem Löschangriff mussten Feuerwehrleute auch noch mit Atemschutz und Wärmebildkamera nach einer vermissten Person suchen, die jedoch nicht im stark verrauchten Gebäude zu finden war. Nach einer Durchlüftung des Gebäudes konnten die anderen Wohnungen wieder für die Bewohner freigegeben werden.