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Christine Stavenhagen ist gestorben. © PZ-Archiv
Christine Stavenhagen ist gestorben. © PZ-Archiv
12.11.2015

Christine Stavenhagen gestorben: so äußern sich langjährige Weggefährten

Sie war die Grande Dame der Pforzheimer Christdemokraten, engagierte sich bei der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung, war treibende Kraft im Förderverein des Wildparks und eine leidenschaftliche Unterstützerin des Theaters mit seinem Drei-Sparten-Haus: Vita und Wirken Christine Stavenhagens, Witwe des 1992 verstorbenen Staatsministers im Kanzleramt und Bundestagsabgeordneten Lutz Stavenhagen, Mutter zweier politisch tätiger Töchter, Franziska Stavenhagen und Viktoria Schmid, waren wahrlich außergewöhnlich.

Christine Stavenhagen lebt nicht mehr – die 73-Jährige ist völlig überraschend am Donnerstag am späten Nachmittag in einem Stuttgarter Krankenhaus gestorben. Mehrere Institutionen verlieren mit ihr eine prägende Figur und ihre Familie eine liebevolle und einfühlsame Mutter und Großmutter.

Im Alter von zwölf Jahren war Christine Stavenhagen, geborene Hoffmann, mit ihrer Mutter aus der Schweiz nach Pforzheim gekommen – sie besaß beide Staatsbürgerschaften. In der Goldstadt führte ihr Stiefvater die Schmuck- und Uhrenfabrik Knoll & Pregitzer. Als Ehefrau des CDU-Politikers Lutz Stavenhagen bekam sie immer wieder hautnah mit, wie hoch ihr Mann wertgeschätzt wurde. Dessen Freund und politischer Weggefährte Wolfgang Schäuble ist heute noch eng mit der Familie verbunden.

1989, noch zu Lebzeiten ihres früh verstorbenen Mannes, wurde Christine Stavenhagen in den Gemeinderat gewählt. Dem Gremium gehörte sie bis zum Schluss an, war Stadtverbandsvorsitzende, und spielte 2002 sogar mit dem Gedanken, die Politik auch zum Beruf zu machen – scheiterte allerdings in der internen Ausscheidung an Gunther Krichbaum, dem Bundestagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden als Nachfolger von Stefan Mappus.

Der ehemalige Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, von vielen Parteifreunden offen oder heimlich fallengelassen nach staatsanwaltschaftlichen, später eingestellten Ermittlungen wegen seiner Rolle beim umstrittenen Rückkauf der EnBW-Aktien durch das Land, ist ebenfalls ein Freund der Familie. Christine Stavenhagen gehörte zu denen, die auch in für Mappus schweren Zeiten zu ihm hielten.

Treibende Kraft

Dem Wildpark galt ihre späte Leidenschaft. Vor neun Jahren, im Januar 2006, gründete sich der Förderverein des Wildparks mit Christine Stavenhagen an der Spitze. Er löste den Förderkreis Wildpark ab, dem Ewald Steinle 38 Jahre lang vorgestanden hatte. Bei der Gründungsversammlung mit 40 Mitgliedern gratulierten als Wegbegleiter der damalige CDU-Landtagsfraktions-Chef Stefan Mappus und Bürgermeister Alexander Uhlig. Stavenhagen begleitete und beförderte den Wildpark auf seinem Erfolgskurs mit ihrem unermüdlichen Werben um Spenden und Mitglieder. Der Förderverein mit seinen zuletzt über 300 Mitgliedern ermöglichte Großprojekte wie das Fischottergehege und die Eulenvoliere. Stavenhagens letztes Ansinnen war der Baubeginn für die Waldrapp-Voliere für 500 000 Euro zum zehnjährigen Jubiläum des Fördervereins 2016.

Pforzheim verliere „eine große Persönlichkeit, die prägend war für das gesellschaftliche und politische Leben der Stadt“, sagt Oberbürgermeister Gert Hager. Gerade auch im Kultur-Bereich sei Stavenhagen kaum zu ersetzen. „In unermüdlichem Wirken“ habe sie die Kultur in Pforzheim „in maßgeblicher Weise mit nach vorne gebracht“. Ihr plötzlicher Tod mache ihn sehr betroffen, sagt Hager: „Ich habe Frau Stavenhagen auch persönlich sehr geschätzt.“

Der Schock sitzt tief bei Freunden und Weggefährten

Der Tod von Christine Stavenhagen sorgt für große Betroffenheit in Pforzheim. „Ich bin schockiert und fassungslos“, sagte am Donnerstag der CDU-Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum. Er kannte Stavenhagen seit vielen Jahren, während ihrer Zeit als Stadtverbandsvorsitzende der CDU fungierte er als einer von zwei Stellvertretern. „Sie war eine herausragende Kommunalpolitikerin, die eine Lücke reißt, die nur sehr schwer zu schließen sein wird.“ Christine Stavenhagen habe die Pforzheimer CDU geprägt. „Ich denke nur an ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement etwa im Bereich der Kultur, des Theaters und des Wildparks“, so Krichbaum weiter. „Ich weiß nicht, ob es ohne sie noch ein Drei-Sparten-Haus in Pforzheim gäbe.“
Um eine Kämpferin für das Stadttheater trauert so auch Gustl Weber, der langjährige Verwaltungsdirektor des Theaters. Christine Stavenhagen sei eine Frau der ersten Stunde gewesen, um einen Neubau für die Bühnenkünste voranzutreiben. „Bühnenbohrer“ nannten sich die Unterstützer des Projekts. Und Christine Stavenhagen habe er immer „die größte Bühnenbohrerin in Pforzheim“ genannt, so der tief betroffene Gustl Weber. Sie sei ein Motor für dieses Netzwerk gewesen und habe auch in den Jahren nach dem Neubau immer dafür gekämpft, dass das Haus in seiner Substanz erhalten blieb – in der Stadt genauso wie auf Landesebene.
„Ich bin völlig schockiert“, äußerte sich auch der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus am Donnerstagabend am Telefon. Er habe Stavenhagen und ihrer Familie viel zu verdanken. „Als meine Zweitkandidatin war sie maßgeblich dafür verantwortlich, dass ich den Einzug in den Landtag schaffte.“ Politisch habe sie im CDU-Kreisverband viel bewirkt und für ihre Überzeugungen gekämpft. „Ich habe Christine als einen liebenswürdigen Menschen erlebt, sie hat unglaublich viel für Pforzheim getan.“ Erst vor wenigen Wochen sei er ihr begegnet. „Da ging es ihr noch gut“, so Mappus. Um so schockierender sei die Nachricht von ihrem plötzlichen Tod.
Den Pforzheimer CDU-Fraktionsvorsitzenden Florentin Goldmann erreichte bereits gestern Morgen die Nachricht, seine Parteikollegin liege auf der Intensivstation. „Wir hatten sie am Montagabend schon in der Fraktion vermisst“, erinnert er sich am Abend. Da hat ihn gerade die traurige Nachricht erreicht. „Sie war ein sehr aufgeschlossener Mensch“, charakterisiert der Stadtrat die Verstorbene. Insbesondere werde ihm ihre Leidenschaft für das Theater und der unermüdliche Einsatz im Planungsausschuss in Erinnerung bleiben. „Sie hatte ein Kämpferherz“, so Goldmann, sei beim Wahlkampf voll in ihrem Element gewesen.
Wildparkleiter Carsten Schwarz hat eine wichtige Mitstreiterin verloren. „Gemeinsam hatten wir Großes während dieser Zeit erreicht, gemeinsam hatten wir aber auch Herausforderungen im Fokus, die den Wildpark in den nächsten Jahren deutlich prägen werden. Umso unglaublicher ist für mich die Nachricht von ihrem plötzlichen Tod“, sagt Schwarz. Er habe Stavenhagen als eine starke, nie klagende Frau kennengelernt, die ihren Weg zielstrebig verfolgte. „Leider bleibt es ihr versagt, mit uns zusammen ihre Früchte zu ernten.“ hub/tel/mof/hei