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Umlagert: Bodo Schiffmann (Mitte) gibt Autogramme.  Foto: Meyer 

Corona-Protestierer jubeln Bodo Schiffmann auf dem Marktplatz zu

Während in der Fußgängerzone fast schon gespenstische Leere herrscht, brandet am Marktplatz immer wieder Applaus auf. „Diese Bewegung ist nicht mehr zu stoppen“, meint Bodo Schiffmann. Zweifelsohne ist der Sinsheimer Arzt am Samstagvormittag in der City für seine Anhänger aus der Querdenker- und Corona-Protest-Szene der gefeierte Held. Laut Polizei sind 450 Personen gekommen, um ihm zu lauschen.

Allein die Ankunft Schiffmanns in einem Doppeldeckerbus hat etwas Heroisches. Viele jubeln ihm zu, andere versuchen, ihn beim Aussteigen aus nächster Nähe zu sehen. Dass er verspätet kommt, scheint die Stimmung nicht zu trüben. Getrommel und Guggenmusik hallen über den Platz, und als Schiffmann darum bittet, dass Abstand eingehalten wird, zeigen seine Worte Wirkung.

Schiffmann gehört zu den prominentesten und radikalsten Kritikern der Corona-Maßnahmen. Seit September tourt er mit Gleichgesinnten durch Deutschland. 80 Städte wurden besucht, Pforzheim sollte die vorletzte Station sein. Der HNO-Arzt ist Spezialist für Schwindelerkrankungen. Kritiker behaupten, dass er mutwillig Lügen zu Corona-Schutzmaßnahmen verbreitet. Etwa, dass Kinder gestorben sein, weil sie Masken trugen. Doch in Pforzheim wird schnell klar, dass er für die Demonstranten die Rolle eines Hoffnungsträgers hat. Das jüngste polizeiliche Einschreiten gegen Demonstranten in Berlin verurteilt er scharf. Solche Attacken stellt er mit jenen von DDR-Mauerschützen gleich.

Als Mitorganisator Wolfgang Greulich das Mikro übernimmt, hat die Sonne längst die kalten Temperaturen vertrieben. Hitzig sind dessen Worte. Dass er Bundeskanzlerin Merkel, Virologe Drosten und Minister Spahn „von den Gehaltslisten streichen“ möchte, wird mit Jubel quittiert. Corona sei eine „große Lüge“. Gleichzeitig betont er, dass es der Bewegung nicht um Hass, sondern um Freiheit, Liebe und Wahrheit gehe. Antisemitismusvorwürfe will er „nicht stehenlassen“, bezeichnet die Urheber als „Dackel“.

SPD-Abgeordnete „empört“

Eine 17-jährige Gymnasiastin erzählt, dass Atteste gegen die Maskenpflicht in Schulen willkürlich abgelehnt und Verweigerer wie Aussätzige behandelt würden. Währenddessen gibt Schiffmann Autogramme und lässt sich mit Anhängern ablichten. Zum Schluss dankt er der Polizei für ihr „freundliches Verhalten“, das er aus anderen Städten nicht gewohnt sei. Nach gut zweieinhalb Stunden ist die Demo aus, Schiffmanns Anhänger kommen seiner Aufforderung nach, den Platz zügig zu verlassen. Bis auf wenige Missachtungen des Abstands spricht die Einsatzleiterin der Polizei, Elke Heilig, von einem friedlichen Ablauf. Die Zahl der Gegendemonstranten hält sich in Grenzen. Zwei entrollen ein Banner mit der Aufschrift „Klar denken statt querdenken“.

Gerichtsentscheide hatten eine Maskenpflicht für Kundgebungen als unverhältnismäßigen Eingriff in die Versammlungsfreiheit gewertet. Das Skurrile: In Pforzheims Innenstadt gilt derzeit eigentlich generell Maskenpflicht. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast reagierte „bestürzt“ auf diese Versammlung. Während so viele Menschen um den an Corona gestorbenen SPD-Stadtrat Ralf Fuhrmann trauerten, werde ein „Corona-Leugner“ gefeiert, heißt es in einer Mitteilung. Dies sei ein „Tiefpunkt“, den sie als „pietätlos“ empfinde, so Mast.

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