Pforzheim. Papierflieger, die durch den Hörsaal segeln – wo gibt’s denn sowas? Na, bei der Kinder-Uni natürlich. Das ist aber kein Zeichen von Langeweile. Im Gegenteil.
Die zwölf Teilnehmer werden an diesem Dienstagnachmittag im Laufe des Workshops sogar immer produktiver, wie die Auswertung ihrer Arbeitsprozesse zeigt. Ihr Produkt: zivile und militärische Flieger, erkennbar durch unterschiedlich beklebte Tragflächen. „Es könnten aber auch Hamburger und Cheeseburger sein“, greift Professor Frank Bertagnolli vorweg. Ihr Unternehmen: eine kleine erfolgreiche Firma mit vollen Auftragsbüchern, aber langer Produktionszeit und hohen Kosten. So die Ausgangslage, die Bertagnolli skizziert.
Wo es hakt, wird im Anschluss bei der im Raum simulierten Firma an Lauritas Station am deutlichsten. Während die 13-Jährige kaum hinterherkommt mit Falten, stapelt sich das nachgelieferte Material immer höher auf ihrem Tisch. Dazwischen läuft Felicia hin und her und übernimmt als Logistikerin die Transportwege. Lisa wiederum, die die Flieger am Ende testen soll, hat jede Menge Leerlauf, bis wieder neue Produkte bei ihr eintrudeln. Da bleibt nicht nur viel Zeit auf der Strecke. Es ist auch viel zu viel Material im Umlauf – Produkte, die ein Unternehmen im realen Fall vorhalten müsste.
Plötzlich fließt es
In der zweiten Runde optimieren die Schüler daher einiges an ihren Arbeitsabläufen. Nicht nur, dass sie sich in eine Reihe setzen, sie verteilen auch die Arbeitsschritte so um, dass die Taktung besser funktioniert. Statt vorgefertigt wird nur nachgeliefert, wenn der Kunde einen Flieger anfordert. „Heute werden Autos oder Flugzeuge nicht mehr auf Lager produziert“, erklärt Bertagnolli. Und plötzlich fließen die Abläufe. Und auch, wenn das angestrebte Ziel von 30 Papierfliegern nach zehn Minuten nicht ganz erreicht ist, stellen die Kinder mit weniger Personen mehr Exemplare her – bei gleicher Qualität, wie Lisa bestätigt. „Mit diesem System können Unternehmen flexibel auf die Nachfrage reagieren“, verdeutlicht Bertagnolli zum Abschluss. So haben die Kinder spielerisch die Vorgehensweise zur Verbesserung in der Produktion nach den „Lean-Prinzipien“ kennengelernt.
Und was hat das Ganze nun mit dem Besuch bei McDonald’s zu tun? Im Gegensatz zu früher, wo die Burger bereits im Regal warteten, werden sie heute auf Bestellung gebraten. „Das dauert zwar ein paar Minuten, dafür sind sie frisch“, so Bertagnolli. Und Sonderwünsche sind auch kein Problem mehr.
Zum Abschluss am Mittwoch programmieren die Teilnehmer zusammen mit Professor Dr. Raphael Volz ihre erste eigene App.

