„Startruck Darkness“ zeigt Drag-Kunst, die beim Festival „City under the rainbow“ bestens ankommt. Foto: Roller
Pforzheim
Das Besondere soll alltäglich werden - "City under the Rainbow" will raus aus der Nische in Pforzheim
  • Nico Roller

Pforzheim. Fähnchen in Regenbogenfarben hängen von der Decke, kreisende Scheinwerfer tauchen den Saal in ein buntes Licht, Pop- und Diskomusik dringt aus den Lautsprechern. Die Stimmung im Kupferdächle ist bestens, als dort am Freitag zum fünften Mal das Festival „City under the rainbow“ stattfindet. Organisiert von der Pforzheimer Aids-Hilfe, richtet es sich in erster Linie an queere Menschen, also an alle, die sich von der traditionellen Geschlechter-Norm abheben. Aber, betont Caleb Davis, willkommen sei natürlich jeder.

Der Projektleiter von „Queer Space“ und die Leiterin der Aids-Hilfe, Claudia Jancura, freuen sich, dass die Veranstaltung nach zwei Jahren coronabedingter Pause nun wieder stattfinden konnte. „Man merkt einfach, dass die Leute wieder Lust haben, zu feiern“, sagt Davis und betont, man sei sehr zufrieden. Man habe mit einem kompakteren Programm langsam anfangen wollen, nach dem Motto:

„Hauptsache, es findet wieder ein queeres Event statt.“

Denn in Pforzheim sei das Festival „City under the rainbow“ immer noch etwas Besonderes. Davis und Jancura berichten von einer sehr positiven Resonanz und sagen, die Menschen hätten sich „tierisch gefreut“ – was sich auch daran zeigt, dass die ersten schon eine halbe Stunde vor der offiziellen Saalöffnung da sind.

Heute nur Häppchen

Dass die Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte, ist auch den zehn ehrenamtlichen Helfern zu verdanken, die mit viel Engagement dabei sind. An der Bar verkaufen sie kühle Getränke und kleine Happen zu essen. Auf ein großes Speisenangebot hat man jedoch bewusst verzichtet. Auf der Bühne steht Diskjockey Robert Sun aus Freiburg, der neben einigen Titeln aus dem neuen Jahrtausend vor allem Disko- und Pop-Klassiker aus den 1970er- und 1980er-Jahren auflegt, etwa von Abba oder von Alphaville.

Verwischte Grenzen

Wenn die Besucher nicht gerade am Tanzen oder in Gespräche vertieft sind, dann richten sie ihre Augen auf „Startruck Darkness“. Gezeigt wird Drag-Kunst, die die Grenzen der Geschlechter verwischt und mit Klischees spielt. Etwa bei einer Imitation des Musikvideos zum Queen-Song „I Want To Break Free“, in dem Freddie Mercury in Frauenkleidern zu sehen ist. Das Publikum spendet immer wieder tosenden Beifall. Und freut sich darüber, dass für den Spätsommer bereits die nächste queere Veranstaltung geplant ist. Wie genau sie ablaufen wird, steht laut Jancura und Davis zwar noch nicht fest.

Doch man will den Ort wechseln, will vom Kupferdächle mehr in die Innenstadt gehen, um noch sichtbarer zu sein. Denn Jancura und Davis verstehen Veranstaltungen wie „City under the rainbow“ auch als politisches Signal, das unmissverständlich zeigen soll, dass es auch in Pforzheim queeres Leben gibt.