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Wolfgang Haas, Christine Fischer, Peter Heissenberger und Bastian Wetzke übergeben die mehr als 300 Unterschriften an OB Peter Boch (von rechts).  Foto: Meyer 

Das Ende des Nadelöhrs: Enztalradweg wechselt 2020 auf Südseite der Enz

Pforzheim. Seit Jahren drängt der ADFC, inzwischen mit Unterstützung der Critical Mass, auf die Verlegung des Enztalradwegs von der Nord- auf die Südseite der Enz. Denn im Bereich zwischen Parkhotel und Fischersteg müssen sich Fußgänger, Gastronomen und eben auch die Radler den schmalen Weg teilen – und das sorgt immer wieder für Ärger und sogar Unfälle. Der Kampf scheint sich ausgezahlt zu haben: OB Peter Boch sagte bei einem Vor-Ort-Temrin eine Verlegung des Radwegs zu.

Schöner kann ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister wohl kaum ausgehen. Den hatten der ADFC, die Fahrradbewegung Critical Mass und die Geschäftsleute entlang der Bissingerstraße am Donnerstagvormittag zu einem Vor-Ort-Termin eingeladen, um den Rathauschef über die verzwickte Lage mit Blick auf die Radfahrer zu informieren. Denn hier, idyllisch auf der Nordseite des Flusses gelegen, verläuft der Enztalradweg – quer durch die Außenbestuhlung zahlreicher Gastronomen und die Spazierroute vieler Bewohner der Seniorenresidenz Ambiente.

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Unfallpotenzial: Noch müssen sich Fußgänger und Radfahrer den schmalen Weg in der Bissingerstraße teilen – ab 2020 soll damit Schluss sein. Foto: Meyer

Ihre Forderung: Der Enztalradweg muss zur Sicherheit aller auf die Südseite – über die Jörg-Ratgeb- sowie die neugestaltete Steubenstraße – verlaufen. Die Antwort Peter Bochs: Genau das wird passieren. Bereits im kommenden Jahr, so sagte der OB am Donnerstag zu, solle es eine sichere Querung für Radfahrer über die Jahnstraße geben. Es ist der Sieg eines Kampfes, den ADFC und seit eineinhalb Jahren auch die Critical Mass vehement geführt hatten.

Und das seit 2011. Schon damals hatte der ADFC auf die beengte Situation entlang des Enzufers aufmerksam gemacht. Fußgänger und Radfahrer müssen sich den Abschnitt zwischen Parkhotel und Fischersteg teilen. Was vor acht Jahren schon schwierig war, ist heute richtig gefährlich. „Zwischen 8 und 11 Uhr haben wir hier eine Autobahn“, berichtet Stephan Hochstein vom Salon Barbers, der seit 2011 im Melanchthonhaus zu finden ist. „Wir müssen unsere Kunden an die Tür bringen, damit sie nicht einfach rauslaufen“, erklärt der Geschäftsführer. Denn sonst könne es zu Unfällen kommen. Wie dem von Bruna Micchché, Inhaberin des „Bellini“. Sie hat im Sommer Teile der Straße für ihre Außengastronomie von der Stadt angemietet. Der Gang zu den Tischen der Gäste gleiche wegen der schnellen Radfahrer jedoch oft einem Hürdenlauf – der nicht immer gut gehe. Erst vor drei Wochen krachte es, eine Radfahrerin fuhr Micchché über den Haufen. „Ich sehe gerne Radfahrer hier, viele machen auch Halt und trinken etwas bei mir. Einige sind aber zu schnell, die schießen hier einfach durch“, so die Inhaberin.

Das führt nur wenige Meter entfernt, in der Seniorenresidenz Ambiente, dazu, dass die Bewohner sich mit ihren Rollatoren kaum noch raus trauen. „Sie haben Angst“, erklärt Residenzleiter Fred Mahlmann. Auch er sei schon Opfer rasender Radfahrer geworden. Für die älteren Menschen, die ohnehin unsicher auf den Füßen seien, sei die Situation schlicht gefährlich und nicht tragbar. Ähnlich sehen das auch die Anwohner, darunter viele Senioren. Wie rund 300 andere haben sie deswegen in den vergangenen zwei Wochen die Petition von ADFC und Critical Mass für die Verlegung des Enztalradwegs unterschrieben, die Wolfgang Haas vom ADFC Kreisverband Pforzheim-Enzkreis am Donnerstagvormittag im Beisein seiner Mitstreiter an Boch übergab.

Auch für sichere Radwege für Kinder geht die Critical Mass auf die Straße – und zwar mit der Kidical Mass. Die nächste Tour ist am Samstag, 5. Oktober. Start ist um 14 Uhr am Haus der Jugend.

Mehr über die geplante Verlegung des Enztalradwegs lesen Sie am Freitag, 13. September, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Jeanne Lutz

Jeanne Lutz

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