nach oben
13.04.2012

Das Rodgebiet: Umzingelt von Einkaufsmöglichkeiten

Wer im Rodgebiet wohnt und auf Einkaufstour gehen will, muss sich für einen ausgedehnten Spaziergang rüsten oder ins Auto steigen. Oben auf dem Plateau herrscht Ebbe in Sachen Einzelhandel. Darunter aber tun sich viele Möglichkeiten auf. Der Rodrücken ist quasi umzingelt von Einkaufsgelegenheiten. Reicht das aus oder muss das Angebot näher an die Haustür rücken? Diese Frage scheidet die Geister der eher leisen Befürworter und der umso lauteren Gegner des geplanten Supermarkts an der Postwiesenstraße.

Eine umfassende und nahe Versorgung sei durch den Ludwigsplatz und das Brötzinger Tal „optimal gesichert“, heißt es auf den Flugblättern, die den Anwohnern des Gebiets dieser Tage in die Briefkästen flatterten. Der Bürgerverein Rodrücken Pforzheim sammelt derzeit Unterschriften gegen das Projekt und hat unter www.kein-gewerbe-im-rod.de eine eigene Internetseite eingerichtet (die PZ berichtete). Die drohende Konkurrenz – an der Postwiesenstraße soll ein 1400 Quadratmeter großer Vollsortimenter entstehen – könne das Aus für die Einzelhändler in der Peripherie bedeuten. Wie berichtet, machen die Händler am Ludwigsplatz in Dillweißenstein gegen die Pläne mobil.

Auch vom Wochenmarkt auf dem Turnplatz wird das Projekt skeptisch beäugt. „Wir sind schon sehr besorgt“, sagt Jörg Müller, Vorsitzender des Vereins der Marktbeschicker: „Jeden Lebensmittelmarkt, der neu eröffnet wird, spüren wir.“ Ein Großteil der Kundschaft komme vom Rodrücken. Müller und seine Kollegen befürchten nun, dass viele dieser Kunden oben einkaufen werden, um den beschwerlichen Anstieg auf dem Heimweg zu vermeiden. Der Wochenmarkt sei einer der wenigen Märkte im Raum Pforzheim, der noch funktioniere: „Das wird nun aufs Spiel gesetzt.“

Aufs Spiel gesetzt sieht der Bürgerverein auch den Charakter des Wohngebiets als „grüne, hochwertige und ruhige Oase in Stadtnähe“. Der Markt mit rund 80 Parkplätzen werde zu einer starken Zunahme des Verkehrs führen. Zusätzlich 2000 Fahrzeuge würden den Rodrücken täglich ansteuern. Hinzu komme der Lärm durch anliefernde Lastwagen.

Freie-Wähler-Stadtrat Michael Schwarz, dessen Fraktion sich gegen den Markt und für ein kleines Fachmarktzentrum stark macht, sieht zudem mittelfristig die Gefahr einer Gewerbebrache. Denn es sei längst nicht ausgemacht, dass solch ein Supermarkt genügend Kunden anlocken werde. „Die Wege haben sich eingespielt“, sagt er. Sprich: Die Rod-Bewohner hätten sich daran gewöhnt, für den Einkauf ins Auto zu steigen und die Läden in Dillweißenstein, an der Bleichstraße oder im Brötzinger Tal anzusteuern.

Allerdings liebäugelt die Familie Wachtler, die den „nah und gut“-Markt am Ludwigsplatz führt, sicher nicht ohne Grund damit, künftig auch den Supermarkt an der Postwiesenstraße zu betreiben. Die Lücke in der Nahversorgung scheint groß genug. Laut Jürgen Maser von der Kommunalen Statistikstelle ist es schwierig, das Einzugsgebiet des Markts abzustecken. Die Höhenlagen der Südweststadt rund um den Wasserturm, den Nagoldhang und den Bereich oberhalb des Dillweißen- steiner Friedhofs zusammengefasst, leben dort rund 9000 Bürger.

Differenziert betrachtet Hubert Hoopmann als im doppelten Sinne Betroffener das Projekt. Er betreibt den Bioladen „Die Waage“ an der Schwarzwaldstraße und lebt selbst im Rodgebiet. Als Anwohner bereitet ihm das steigende Verkehrsaufkommen Sorge, zumal viele Schüler die Straßen querten. Ein großer Markt würde zudem mehr Lärm in das Wohngebiet bringen. Als Geschäftsmann könne er sich aber angesichts der engen Einfahrt und der knappen Parkplätze vor seinem Laden gut vorstellen, an die Postwiesenstraße zu wechseln. In anderen Gemeinden gehe der Trend längst hin zu Stadtteilzentren, die den Grundbedarf deckten. Kleiner und heimeliger: So könnte sich Hoopmann ein Einkaufsangebot an der Postwiesenstraße vorstellen. Mit Bäcker, Metzger, Bioladen und vielleicht einem Bistro.

So ließen sich nicht nur die Öffnungszeiten in Grenzen halten. Auch der Bau könne ansprechender gestaltet werden, etwa mit grünen Akzenten. Wichtig sei es, mittels einer Umfrage herauszufinden, was die Anwohner wünschen, um sie nicht vor vollendete Tatsachenzustellen.Ihre Meinung ist uns wichtig. Schreiben Sie uns an „Pforzheimer Zeitung“, Redaktion Lokales, Poststraße 5, 75172 Pforzheim, oder an stadt@pz-news.de

Leserkommentare (0)