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 Foto: dpa 

„Das hat System“: SPD und jüdische Gemeinde kritisieren Vortrag bei der AfD in Pforzheim

Pforzheim. Es ist ein Auftritt, der noch vor seinem Beginn für Aufregung sorgt: Im Vorfeld des Vortrags von Vera Kosova, der Bundesvorsitzenden der Gruppierung „Juden in der AfD“ im Rahmen der Reihe „Alternative Runde“ des AfD Kreisverbands Pforzheim/Enzkreis am Montag, hagelt es Kritik an der Abendveranstaltung im „Schützenhaus“.

„Das hat System“, schreiben die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast sowie die SPD-Kreisvorsitzenden Annkathrin Wulff und Paul Renner in einer Pressemeldung. Sie vermuten einen Zusammenhang zwischen der Einladung Kosovas und der Rede des Enzkreis-Landtagsabgeordneten und AfD-Fraktionschef Bernd Gögel vor wenigen Tagen in Stuttgart, als dieser die Beweggründe des Attentäters von Halle als „unklar“ bezeichnete – und das trotz eines Geständnisses des 27-jährigen Deutschen, dessen Motivation die Bundesanwaltschaft als rechtsextrem und antisemitisch einstuft.

„Inzwischen ist es zu einem immer wiederkehrenden, durchschaubaren Manöver geworden: Ein AfD-Politiker prescht vor und offenbart das wahre Gesicht seiner Partei, ein anderer versucht, dessen Aussagen augenscheinlich zu relativieren. Nach den unsäglichen Entgleisungen des Bernd Gögel zum Anschlag in Halle letzte Woche, sind wir gespannt, ob und wie sich Frau Kosova von ihrem Landeschef nun klar und deutlich distanziert“, so die drei Sozialdemokraten. Ihrer Ansicht nach seien dies keine „einzelnen Treffen zu scheinbar harmlosen Themen“, sondern habe „System“. „Deshalb muss diese Methode des vermeintlichen Abmilderns auch ans Licht der Öffentlichkeit“, sagen Mast, Wulff und Renner.

Mitgliedschaft gleiche einer „Schande“

„Unbegreiflich“ ist es für Rami Suliman, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Pforzheim sowie der israelitischen Religionsgemeinschaften in Baden, wie man sich als Jüdin überhaupt in der AfD engagieren könne. „Wir distanzieren uns von der Partei und insbesondere von der Gruppierung ‚Juden in der AfD‘“, erklärt Suliman auf PZ-Anfrage. Bei klar antisemitischen Äußerungen verschiedener AfD-Vertreter, wie dem „Vogelschiss“-Vergleich des Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland, gleiche eine Mitgliedschaft einer „Schande“.

Ähnlich klar Stellung gegen die AfD bezog bereits der Zentralrat der Juden wie Mast, Wulff und Renner in ihrer Pressemeldung erklären. Von Vera Kosova habe Suliman zwar noch nie gehört. Dass sie ihren Vortrag an einem jüdischen Feiertag, dem Simchat Tora, hielt, bekräftige jedoch seine Ansicht, dass die Medizinerin die Juden nicht vertrete – auch wenn der Vorsitzende davon ausgeht, dass einige Pforzheimer Gemeindemitglieder, insbesondere aus der ehemaligen Sowjetunion, mit der Partei sympathisieren.

Ob und wie sich Kosova am Montag in ihrem Vortrag äußerte, lesen Sie am Mittwoch, 23. Oktober 2019, in der PZ.

Jeanne Lutz

Jeanne Lutz

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