Brötzingen zählt zu den Stadtteilen mit der ältesten Bevölkerung – die vor allem im Arlinger wohnt. Foto: PZ-Archiv, Ketterl
Doch es gibt Bewegung, etwa im früher von „Klittich“ genutzten Eckhaus.
Der Friseursalon „Bora“ hat in der Westlichen 281 eröffnet.
Das Haus mit dem geschlossenen „Café Boley“ hat einen neuen Besitzer.
Pforzheim
Der Pforzheimer Westen kämpft um seine Mitte - Sorge um Brötzingen
  • Claudius Erb

Pforzheim. Witzig verspricht das am Donnerstag startende und bis Montag dauernde 7. Brötzinger Frühlingsfest zu werden. Erstmals ist dort der lustige Lokalmatador Oliver Gimber zu erleben.

Am Samstag um 18 Uhr geht bei freiem Eintritt seine halbstündige Show „Witz vom Olli“ über die Bühne – ziemlich sicher vor großem Publikum. Abwechslung und Amüsement können die Geschäftsleute und Anwohner im Pforzheimer Westen gut gebrauchen. Ihnen ist sonst weniger zum Lachen zumute angesichts eines Wandels ihrer Fußgängerzone, der besorgt und traurig stimmt.

Die eigentlich so schmucke kleine Shoppingmeile hat seit Jahren das Aus von Läden und einen zunehmenden Leerstand zu verdauen. Man stemmt sich gegen den Wandel und gibt alles für eine Trendwende. Doch diese Mammutaufgabe ist alles andere als einfach.

Es gibt sie aber noch, die guten Nachrichten. Denn es tut sich was. Ein Schild mit der Aufschrift „verkauft“ liegt im Schaufenster des wegen Krankheit schon vor längerer Zeit aufgegebenen, traditionsreichen Cafés „Boley“. Die vier Wohnungen oben blieben erhalten und würden teils hergerichtet, erzählt Daniel Akgün, dessen noch in Sinsheim lebenden Eltern das Gebäude gekauft haben. Diese überlegten, in den Räumen der früheren Konditorei ein Juweliergeschäft und eine Änderungsschneiderei zu eröffnen. Ganz sicher sei das aber noch nicht.

Im Eckhaus, wo „Mode Klittich“ lange seine zweite Dependance hatte und sich nach dessen Auszug das Konzept für ein Café zerschlug, wurden die Schaufenster erneuert. Er plane dort ein eigenes Projekt, sagt der Architekt und Hauseigentümer Bruno Klotz. Mehr könne er noch nicht dazu sagen, das Genehmigungsverfahren laufe. Und der Friseur „Bora“ hat sich entschieden, vom bisherigen Standort gegenüber der Brötzinger Schule in die Westliche 281 zu ziehen – damit lebt der Salon des früheren Friseurs Staib auf.

Etwas Bewegung ist also drin in einer sonst überwiegend von Stillstand und Rückschritt geprägten Meile. „Extrem schwierig“ sei die Lage, sagt Mode-Experte Jörg Augenstein, der Sprecher und Motor der örtlichen Geschäftsleute: „Es fehlt einfach der Durchlauf in der Fußgängerzone.“ Früher, vor dessen Verlagerung an die Kurze Steig, sei etwa der Drogeriemarkt dm ein Frequenzbringer gewesen. Wer dort einkaufte, nahm nebenan auch noch Brötchen, Wurst oder ein gutes Buch mit und sah bei Klittich nach Modetrends. Inzwischen sind die Metzger Staib und Zoll sowie die Buchhandlung verschwunden, einer der beiden Optiker ist weg, eine der Apotheken setzt inzwischen auf Versand, an der Ecke zur Straße Am Turngarten hat ein Friseur längst die Segel gestrichen. Und bei „Boley“ sind die Kunden früher auch teilweise Schlange gestanden. Vorbei.

Klar: Wenn das Wetter mitspielt, brummt Brötzingen beim Frühlingsfest, beim Martini-Markt im Herbst und dazwischen am Kultur-Samstag. Aber einen solchen Kraftakt könne man einfach nicht noch häufiger stemmen, sagt Augenstein: „Und danach geht es stets wieder in den Dornröschenschlaf.“

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