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Michael Yaakov Bar-Lev vor dem Toraschrein der Synagoge. 
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Hochzeitsfeier für einen Rabbiner: Michael Yaakov Bar-Lev mit seiner zweiten Frau Irina Chernolovskaya im Juli 2013 unter der Chuppa, die von Andrew Holkowitz (links) und Benjamin Cohen (rechts) getragen wird. Daneben der Landesrabbiner von Baden, Moshe Flomenmann (Zweiter von links). 
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So kennt ihn die Öffentlichkeit: Rabbiner Michael Yaakov Bar-Lev bei der Woche der Brüderlichkeit mit Imam Harun Demirel und Zeynep Aktürk Sahin von der Fatih-Moschee, Pfarrerin Dorothea Patberg, Pastoralreferent Tobias Gfell und dem Theologen Gerhard Heinzmann (von links).  Fotos: PZ-Archiv/Ketterl 

Der Seelsorger: Michael Yaakov Bar-Lev ist Rabbiner der Jüdischen Gemeinde

Pforzheim. Er ist die geistliche Autorität der jüdischen Gemeinde, Ansprechpartner in Glaubensfragen und Ratgeber bei persönlichen Krisen: Seit 2007 steht Michael Yaakov Bar-Lev als Rabbiner im Zentrum der Religiosität in der Emilienstraße – ein Jahr, nachdem das jüdische Leben in Pforzheim mit der Eröffnung der neuen Synagoge wieder einen Platz erhielt.

Eine neue Aufgabe außerhalb Israels habe er gesucht, erinnert sich der heute 77-Jährige. „Es hätte auch England sein können. Aber irgendwie hat es mich nach Deutschland gezogen“, sagt er über das Land, das vor der Shoa die Heimat seiner Familie war. Mutter und Vater stammten aus Franken, sie aus Schwabach, er aus Nürnberg. Sie erkennen die Gefahr rechtzeitig – die Familie entgeht der Mordmaschinerie.

1932 beginnt die Reise der Eltern nach Palästina, nachdem der Vater beobachtet hat, wie ein Nazi-Mob ein jüdisches Geschäft blockiert. Als Teil der eigens gegründeten Fußballmannschaft „Hakoach (die Kraft) Nürnberg“ spielt er sich bis nach Zypern, um dann Mannschaften im Mandatsgebiet herauszufordern – ein Vorwand, um trotz der Beschränkungen ins Heilige Land zu kommen. „Dort haben sie noch ein, zwei Spiele gemacht und sind dann untergetaucht“, sagt Bar-Lev. 1938, im Jahr, in dem er in Petach Tikva bei Tel Aviv geboren wird, geht auch der Großvater, der frühere Landesrabbiner David Goldberg, dessen Grab in Nürnberg zu finden ist. „Ich stamme aus einer Rabbinerfamilie“, sagt der Enkel nicht ohne Stolz. Dass er seinen deutschen Nachnamen in Israel ins Hebräische überträgt, hat jedoch weltliche Gründe. Es ist die Voraussetzung dafür, in der Armee Offizier werden zu können. So wird aus Herzberg Bar-Lev.