Pforzheim. Erstmals hat sich am Dienstag im Kulturausschuss die neue Denkmalpflegerin Stéphanie Toussaint vorgestellt. Sie wird seit September vergangenen Jahres von Christoph Timm eingearbeitet, der Ende Juli in den Ruhestand treten wird.
Die Luxemburgerin, Jahrgang 1989, hatte den Bachelor of Arts, Studienrichtung Architektur, an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Karlsruhe erworben, ehe sie an der TU Wien ein Master-Studium mit dem Schwerpunkt Denkmalpflege absolvierte. Timm ist seit 1988 bei der Stadt Pforzheim tätig. Ab dem Sommer wird Toussaint dann alleinige Ansprechpartnerin für die Pforzheimer Denkmaleigentümer und zuständig für sämtliche denkmalrechtliche Verfahren sein.
2019 war ein Rekordjahr
Ihre Arbeit hat die Diplom-Ingenieurin bereits am neuen Standort ihrer Behörde aufgenommen, denn seit Juli 2019 haben die Denkmalpflege und das Kulturamt ihren Sitz an der Dillsteiner Straße 21. Im laut Toussaint „absoluten Rekordjahr“ 2019 bearbeitete die Untere Denkmalschutzbehörde 159 Fälle, im Vorjahr waren es noch 139 gewesen. Elfmal besprach man sich bei Baustellenbesuchen mit dem Landesamt für Denkmalpflege. 20 Maßnahmen wurden aus städtischen Mitteln – insgesamt 46.000 Euro – gefördert, 29 Maßnahmen erhielten eine steuerliche Bescheinigung über insgesamt 2,1 Millionen Euro: So viel Geld haben also Eigentümer in ihre Denkmäler investiert.
Ein besonderes Augenmerk gilt derzeit dem Erhalt von Orgeln, deren Sanierung über ein Sonderprogramm des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert werden könnte. In der Stadt-, Schloß- und Christuskirche laufen solche Maßnahmen. Zum 100-jährigen Bestehen der Wartbergsiedlung, in der seit Erlass der Gestaltungssatzung von 1996 rund 50 Prozent der insgesamt 165 Häuser ihrem historischen Erscheinungsbild gemäß saniert worden sind, wird eine Imagebroschüre aufgelegt. Wichtige aktuelle Beispiele der Denkmalpflege sind die „Villa Viola“ im Rodgebiet oder die Sicherung der Burgruine Liebeneck, wo der Efeubewuchs Sorgen bereitet. Nach dem Ortstermin mit Experten des Landesamts und dem von der Denkmalstiftung des Landes gewährten Zuschuss tüftelt das Rathaus derzeit an der Finanzierung des geplanten Schutzbaus für die historischen Straßenbahnen.
Der nächste Tag des offenen Denkmals findet am Sonntag, 13. September, statt und steht unter dem Motto „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken“. Bei einem separaten Pressetermin am Mittwoch näher vorgestellt wird der sechste Band der Reihe „Pforzheimer Stadtrundgänge“, in dem es um Stelen geht. Band 7 zu „Aufbruch zur Moderne – die 20er-Jahre“ ist in Arbeit. Der sechste Tätigkeitsbericht der Denkmalpflege mit dem Titel „Neue Beiträge zur Pforzheimer Stadtgeschichte erscheint in diesem Jahr.
Laut Stadtrat Bernd Grimmer (AfD) leiste die Behörde „sehr wichtige Arbeit“ – gerade in einer Stadt, in der es nur wenige „denkmalgeschützte Kleinode“ gebe. Axel Baumbusch (Grüne Liste) plädierte dafür, bei den Haushaltsberatungen mehr Geld für die Denkmalpflege vorzusehen.

