Sie gelten als die zweithäufigste Todesursache in Deutschland überhaupt: bösartige Tumore. Das Robert-Koch-Institut rechnet allein für dieses Jahr mit mehr als 500.000 Neuerkrankungen. Vorsorgeuntersuchungen nehmen dennoch die Wenigsten in Anspruch. Um diese Problematik, aber auch die Möglichkeiten der Behandlung in den Fokus zu rücken, rief die Welt-Krebsorganisation Union for International Cancer Control vor 20 Jahren den Weltkrebstag ins Leben. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums beantworteten am Dienstag auch vier Pforzheimer Experten PZ-Lesern bei der Telefonaktion ihre Fragen zum Thema Krebs.
Punkt 15 Uhr nahmen vom Siloah St. Trudpert Klinikum der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 1, Professor Oliver Bachmann, und Dr. Ingo Thalmann, Chefarzt der Frauenklinik und Leiter des zertifizierten Brustzentrums, die Hörer in die Hand. Ebenfalls Expertentipps aus der Praxis gaben Professor Wolfram Lamadé, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie des zertifizierten Darm-Pankreas-Zentrums am Helios Klinikum, und sein Kollege Dr. Matthias Vöhringer, Leiter des Onkologischen Zentrums und Chefarzt Onkologie am Helios Klinikum. Die wichtigsten Antworten hat die PZ zum Nachlesen notiert:
Ab wann sollte ich zur Vorsorge? Das kommt auf die Krebsart an. Bei Tumorerkrankungen des Darms beispielsweise wird Männern ab 50 Jahren, Frauen ab 55 Jahren eine Darmspiegelung empfohlen. Eine Mammografie zur Erkennung von Brustkrebs sollten Frauen ab 50 Jahren machen lassen. Wichtig ist laut den Experten, gerade auch dann zur Vorsorge zu gehen, wenn keine Beschwerden bestehen. Denn sollten bereits erste Symptome auftreten, könnte die Krankheit bereits fortgeschritten sein. Streng genommen gibt es auch nicht für alle Tumorarten eine Vorsorge, sondern die meisten Untersuchungen dienen viel mehr der Früherkennung eines Tumors im Anfangsstadium. Bei der Vorsorge geht es darum, Veränderungen im Gewebe zu entdecken, die sich potenziell zu einem Krebs entwickeln könnten und diese bei Bedarf schon frühzeitig zu therapieren.
Wer ist besonders von einer Krebserkrankung gefährdet? Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken. Weitere Risikofaktoren sind Übergewicht, chronische Entzündungen aller Art, bestimmte Viruserkrankungen, wie zum Beispiel Hepatitis B und C, sowie HPV, Rauchen und Alkohol. Wenn eine bestimmte Tumorart in der Familie aufgetreten ist, sollte dies ebenfalls beim Arzt besprochen werden. So ist bei Angehörigen betroffener Patienten mancher Tumorarten ein früherer Beginn der Vorsorgeuntersuchungen empfohlen, als bei Personen ohne familie Vorbelastung. Was sind Warnsignale für Krebs? Krebs ist nicht gleich Krebs und verursacht daher unterschiedliche Symptome. Zu Beginn verläuft eine Erkrankung, egal welchen Organs oder auch des Bluts und des Lymphsystems, oftmals beschwerdefrei. Meist macht sich ein Tumor erst dann bemerkbar, wenn er eine gewisse Größe erreicht hat – und Energie braucht. So sollte ein unerklärlicher Gewichtsverlust dringend vom Arzt untersucht werden. Aber auch Schmerzen unbekannter Herkunft sollten abgeklärt werden. So könnte ein Tumor beispielsweise auf den Nerv drücken. Auch eine neu aufgetretene Diabetes-Erkrankung kann ein Hinweis auf eine Erkrankung sein.
Wie wird ein Tumor überhaupt entdeckt?
Bei Beschwerden egal welcher Art führt der erste Gang zum Hausarzt. Sollte dieser einen entsprechenden Verdacht haben, schickt er den Patienten in aller Regel zum CT oder MRT. Wird dort ein Tumor entdeckt, sollte sich der Patient im Krankenhaus vorstellen. Dort wird eine Gewebeprobe entnommen, um herauszufinden, um welchen Tumor es sich handelt. Liegt der Befund vor, entscheiden die behandelnden Ärzte über die Behandlung. Zum Team gehören dabei Experten verschiedener Fachbereiche, denn die Behandlung erfolgt immer interdisziplinär.
Welche Behandlungsmöglichkeiten bei Krebserkrankungen gibt es?
Bis vor 20 Jahren beschränkten sich Onkologie und Hämatologie auf operative Entfernung, Bestrahlung oder Chemotherapie. Inzwischen kommen auch immer häufiger zielgerichtete Medikamente zum Einsatz. Der Trend geht zur sogenannten personalisierten Medizin, bei der die Tumorzelle mit all ihren Eigenheiten aufgeschlüsselt und bekämpft wird. So können bei manchen Krebsarten beispielsweise eigens für die erkrankten Zellen angepasste Antikörper verabreicht werden. Auch die Immuntherapie, bei der das eigene Immunsystem gegen die Tumorzellen wirkt, kann bei einigen – nicht bei allen – Tumorarten eingesetzt werden.
Wie hoch stehen die Überlebenschancen für betroffene Patienten? Das hängt stark davon ab, um welche Krebsart es sich handelt und in welchem Stadium der Tumor entdeckt wird. Deshalb sollten Vorsorgeuntersuchungen auch dringend wahrgenommen werden. Bei manchen Organen, wie der Prostata, stehen die Überlebenschancen deutlich besser als beispielsweise bei der Bauchspeicheldrüse, bei der ein Tumor nach wie vor häufig tödlich endet. Insgesamt werden aber 65 Prozent der Tumorkranken geheilt. Damit sie auch gesund bleiben, steht nach der Behandlung die Nachsorge im Mittelpunkt. In den ersten zwei Jahren sollten alle zwei bis drei Monate medizinische Checks stattfinden.

