Pforzheim. Delsot Al Samü (25) und David Perkovic (28) bringen ihre interkulturelle Kompetenz in ihre Arbeit für den Stadtjugendring Pforzheim ein. Die beiden jungen Männer standen im Mittelpunkt des fünften Films der aktuellen Staffel von „Die Mischung macht’s“. Dieser wurde im Kommunalen Kino (KoKi) gezeigt.
Delsot Al Samü flüchtete 2015 mit 17 Jahren alleine aus dem Irak nach Deutschland. In Pforzheim lernte er zunächst die Sprache und machte dann die Mittlere Reife. Aktuell absolviert er eine Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher. „Ich habe mir eine Perspektive gewünscht, ich wollte frei entscheiden, was ich aus meinem Leben machen will“, erläuterte der 25-Jährige im Film, den Paul Hoffer von Indigo Pictures realisiert hat.
„Heimat bleibt Heimat“, sagte Al Samü, einiges aus dem Irak vermisse er, doch Pforzheim sei inzwischen ein zweites Zuhause geworden. Seinen ursprünglichen Wunsch, Polizist zu werden, musste er aufgeben. Selbst oft im Haus der Jugend zu Gast, beschloss er, dort zunächst einen Bundesfreiwilligendienst zu absolvieren. Da er an der Arbeit mit jungen Menschen Gefallen fand, ist er nun in Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher. „Viele unserer Jugendlichen haben auch eine Migrationsgeschichte“, erzählt er. „Ich will ihnen mit meiner Geschichte Mut machen.“


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David Perkovic dagegen ist in Pforzheim geboren. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Kroate. Das Aufwachsen in zwei Kulturen empfindet er als „privilegiert“, zumal es seine Neugier auf andere Länder und Kulturen gestärkt hat. In seiner Jugend bereitete ihm weniger sein Migrationshintergrund als vielmehr seine Homosexualität Schwierigkeiten: „Da war ich lange auf der Flucht vor mir selbst“, sagt er. Auch Perkovic bringt seine multinationalen Erfahrungen beim Stadtjugendring ein. Er ist Leiter des Jugendzentrums in Ispringen.


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„Vielfalt ist in der Jugendarbeit wichtig“, betonte Alison Bussey, Geschäftsführerin des Stadtjugendrings, in der anschließenden Podiumsdiskussion. „David und Delsot profitieren von ihren interkulturellen Wurzeln und können den jungen Menschen, mit denen wir arbeiten, ein tolles Vorbild sein.“
Mirzeta Haug von der Evangelischen Erwachsenenbildung, die das Projekt „Die Mischung macht’s“ leitet, arbeitete anschließend heraus, mit welchen Ängsten und Nöten junge Geflüchtete konfrontiert sind. „Für mich ist die pädagogische Ausbildung ein Risiko“, schilderte Al Samü. „Sollte ich je in den Irak zurück müssen, kann ich mit dieser Ausbildung nichts anfangen.“


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Wartezeit als Belastung
Die langen Wartezeiten rund um Aufenthaltserlaubnis und Arbeitserlaubnis sei für viele Geflüchtete extrem belastend. Er verstehe nicht, warum junge Menschen trotz Integrationsbereitschaft und Ausbildungsstelle oder Arbeitsplatz abgeschoben werden. Da stimmte David Perkovic zu: „Wer sich bemüht, sollte eine Perspektive haben.“
Das interkulturelle Filmprojekt „Die Mischung macht’s“ hat inzwischen mehr als 50 Lebensgeschichten von Migrantinnen und Migranten, Geflüchteten und Einwohnern der Stadt Pforzheim porträtiert. Oberbürgermeister Peter Boch fungiert als Schirmherr dieses Projekts. Das Kommunale Kino arbeitet eng mit der Evangelischen Erwachsenenbildung, dem Forum Asyl und zahlreichen anderen Partnern zusammen, um diese Reihe zu realisieren. Pate dieser Veranstaltung war der Stadtjugendring Pforzheim.

