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Blick auf das reale und das digitale Pforzheim: Beide Welten sollen sich gewinnbringend vernetzen. Foto: Ketterl
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Wollen die Goldstadt zur „Smart City“, also zur schlauen Stadt machen: OB Peter Boch sowie die WSP-Macher Oliver Reitz und Kevin Lindauer (von rechts). Foto: Ketterl

Digitale Goldstadt: Mindestens 50 MBits in jedem Pforzheimer Haushalt?

Pforzheim. Die Bundesregierung hat in dieser Woche zum Aufbruch bei der Digitalisierung geblasen. Pforzheim will dabei ganz vorne mitmarschieren. Das verdeutlichen die in einem neuen Netzwerk unternommenen Anstrengungen, die am Donnerstag teilweise auch im Wirtschaftsförderungsausschuss vorgestellt wurden, aber auch die Premiere einer Veranstaltung Ende des Monats: der „Smart City Days“.

Oberbürgermeister Peter Boch ist überzeugt, dass Pforzheim eine Vorreiterrolle einnehmen und so ein Alleinstellungsmerkmal erringen kann. Dafür bündelt er regionale Kräfte und rathausinterne Kompetenzen.

Im PZ-Gespräch stellt Boch heraus, dass eine gute digitale Infrastruktur die notwendige Basis für eine im digitalen Sinne schlaue Stadt, aber längst nicht alles ist. Ziel sei, dass bis in zwei Jahren jeder Haushalt einen Internet-Anschluss mit mindestens 50 MBits hat. Auch Breitband- beziehungsweise Glasfaserstrukturen würden ausgebaut. Wie berichtet, hat die Stadt ein Förderprogramm für den Glasfaserausbau bei Firmen aufgelegt. Eigentlich aber stehe „Smart City“ für eine „digitale Revolution“, so Boch, die alle Bereiche betreffe: Industrie, Verwaltung, aber auch den öffentlichen Raum.

Digitalisierung ist in Pforzheim längst im Alltag angekommen, wie etwa die App „Park&Joy“ als digitaler Parkplatzlotse oder die chipgesteuerten Mülleimer zeigen. Auch in der hiesigen Wirtschaft gibt es – längst nicht nur im IT-Bereich – etliche erfolgreiche digitale Vordenker, ganz zu schweigen von Akteuren an der Hochschule.

Der Rathauschef sieht „enormes Entwicklungs- und Gestaltungspotenzial“. Deshalb soll der „Erstaufschlag“ mit den „Smart City Days“ Initialwirkung haben. „Wir haben eine unglaubliche Kreativbranche und viele helle Köpfe in der Stadt“, betont der OB. Um ein Netzwerk von Verwaltung, Wirtschaft, IHK und Hochschule zu spinnen, wurde etwa ein Digitalisierungsbeirat ins Leben gerufen, in dem auch die PZ vertreten ist. Der Posten eines Digitalisierungsbeauftragten und weitere Stellen sollen geschaffen werden, die direkt Bochs Dezernat I zugeordnet sind. Der städtische Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP), insbesondere dessen von Kevin Lindauer geleiteter Fachbereich IT + Medien, fungiert als Schnittstelle zu Unternehmen, aber auch zum regionalen Pilotprojekt Digital Hub, das die Digitalisierung im ländlichen Raum vorantreibt. Im Haushalt sind Gelder für einen Medienentwicklungsplan eingestellt, um an Schulen die Digitalisierung voranzutreiben. Den Enzkreis will Boch mit ins Boot holen, um die Region insgesamt smarter zu machen. Und auch Pforzheims Rathaus wird zusehends digitaler.

Eine solche Vorreiterrolle könne zum knallharten Standortfaktor werden, sagt WSP-Direktor Oliver Reitz. OB Boch spricht von einer „einmaligen Chance“ für das Oberzentrum der Region Nordschwarzwald, die über die Landesgrenzen hinaus Aufsehen erregen und für Kommunen Vorbildcharakter haben könnte. Seine Mitarbeiter und alle Bürger profitierten, wenn die Arbeit im Rathaus effizienter und schneller werde. So, wie etwa Urkunden im Standesamt oder Kennzeichen bei der Zulassungsstelle digital beantragt werden können, soll die Verwaltung in vielen Bereichen nutzer- und bürgerfreundlicher werden. Alltagsvorteile gibt es viele – vom intelligenten Parkleitsystem über Straßenlaternen, die heller leuchten, wenn Passanten sie passieren, bis zur Sitzbank, die zugleich WLAN-Hotspot und Handy-Ladestation ist.

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