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Durch den Golfclub geht ein Riss: Knappe Mehrheit folgt Vorstand und beschließt Umlage

Die drohende Insolvenz des Golfclubs Pforzheim Karlshäuser Hof ist – vorerst – abgewendet. Bei einer außerordentlichen, Mitgliederversammlung (die Presse war nicht zugelassen) wurde mit 138 zu 113 Stimmen (bei sieben Enthaltungen und einer ungültigen Stimme) beschlossen, von den Mitgliedern eine einmalige Umlage einzufordern, um wieder genügend Geld zu haben – auf das Wolfgang Daum, der ehemalige Präsident des Vereins und Gesellschafter der Golfplatz Karlshäuser Hof Betriebs GmbH, jährlich Anspruch erhebt.

Zähneknirschend werden die Mitglieder in zwei Tranchen 250 Euro überweisen, 175 Euro im Oktober, den Rest später. Daum hatte dagegen geraten, eine Initiative zur Rettung des Golfclubs zu unterstützen, „um zu einem Neuanfang zu kommen“. Wichtigstes Ziel sei die Konsolidierung der finanziellen Verhältnisse – „und dies ohne Umlage“.

Doch ein von Daum geforderter Rücktritt, das sagte sich der Vorstand, sei das Eingeständnis eines Versagens. Aber den Triumph wollte man Daum – Präsidentin Hannelore Zachmann und ihr Vorgänger sind sich in herzlicher Abneigung verbunden – nicht gönnen. Schließlich sei nicht der jetzige Vorstand, sondern der Urheber der damaligen Vertragsänderung schuld an der Misere.

Ob Daum den Pachtzins vom Verein in der gegenwärtigen Höhe verlangen darf, ist strittig, und so hatte der Club unter Zachmann den Mannheimer Rechtsanwalt Rolf Nagel engagiert. Der hatte schon Mitte August einen zehnseitigen Schriftsatz an Daum vorbereitet, abgeschickt – und laut Zachmann gegenüber der PZ auf Nachfrage keine Antwort erhalten. Nagel war auch bei der Mitgliederversammlung persönlich zugegen. Seine Quintessenz: Die von Daum im Jahr 2010 vorgenommene Änderung des ursprünglichen Vertrags aus dem Jahr 1990 sei „satzungswidrig“, „ohne ersichtlichen Grund“ und „ohne Not“ zum „außerordentlichen Nachteil des Golfclubs“ vorgenommen worden. Die Nachteile gefährdeten den Club unmittelbar in seinem wirtschaftlichen Bestand und kämen „Ihren nahen Angehörigen beziehungsweise Ihnen selbst als Gesellschafter der Betriebsgesellschaft unmittelbar wirtschaftlich zugute“. Zu deutsch: Es bestehe der Verdacht der Selbstbegünstigung. Rund 400 000 Euro zahle der Verein der GmbH jährlich – und diese überweise noch nicht einmal 100 000 Euro an den Besitzer des Areals zwischen Bauschlotter Senke und Ölbronn-Dürrn. Mache einen jährlichen Überschuss für Daum und seine Mitgesellschafter von bis zu 300 000 Euro im Jahr.

Das bezeichnete Daum in einem offenen Brief an die Mitglieder im Mai als „Lügengebäude“, „grob irreführend“, „infam und ehrabschneidend“.

Rückenwind bekam er nach einem Urteil der Zivilkammer V des Landgerichts Karlsruhe im Frühjahr: Das Gericht wies eine Klage des Vereins ab – einmal geschlossene Verträge seien einzuhalten gemäß dem alten römischen Grundsatz „pacta sunt servanda“.

Daum – der auf PZ-Anfrage nicht zum Inhalt der jüngsten Versammlung Stellung nehmen wollte – hatte unmittelbar im Vorfeld noch einmal versucht, das Ruder herumzureißen („Jeder Tag nach dem Motto ,weiter so’ ist ein verlorener Tag“) und die Clubmitglieder angeschrieben. Er wiederholte seine Angriffe auf Zachmann („Verleumdung“, „polemische Wortwahl“) und den Kern seines Vorwurfs: dass der Club unter ihrem Vorsitz durch eine falsche Politik Mitglieder verloren habe. Die Doppelbeschlüsse – also Umlagen und Beitragserhöhungen – in den Jahren 2015 und 2017 hätten zu den starken Rückgängen bei den Mitgliederzahlen und damit zu fehlenden Einnahmen geführt. Der „existenzgefährdende Rückgang“ sei weniger der der Gesamt-Mitglieder von 1014 (2014) auf 760 (2019), sondern der der „Vollzahler“ von 767 auf 561. Daum schloss den Brief namens seiner Mitgesellschafter: „Wir wollen nicht noch mehr Mitglieder verlieren.“

Auf Nagels Anraten fasste die Versammlung den Beschluss, es noch einmal im Guten zu versuchen – durch das Einberaumen eines Gespräches zwischen Vertretern des Vereins, Nagel, der GmbH und der Sparkasse – Daum war früher Vorstandsvorsitzender der Sparkasse und hatte der GmbH (nicht dem Golfclub, darauf legt Zachmann gegenüber der PZ wert) einen Millionen-Kredit gewährt, der noch nicht vollständig zurückgezahlt ist, weshalb die Banker etwas nervös sein sollen. Bei der – damals noch presseöffentlichen – ordentlichen Hauptversammlung im Mai 2018 in der Nieferner Kürnbachhalle hatte sich Daum diesen Kredit zugute gehalten und in den Raum gestellt, ob der Chef der Volksbank Pforzheim – Zachmanns Ehemann Jürgen – denn auch so gehandelt hätte. Woraufhin sich der Top-Banker des regionalen Mitbewerbers echauffierte: „Das geht nicht und ging noch nie.“

Sollte der „Runde Tisch“ nichts fruchten, könnten erneut zivilrechtliche Schritte ergriffen werden. Nagel rät für diesen Fall, Daum und seine Kollegen „persönlich und die Betriebsgesellschaft als Gesamtschuldner hinsichtlich des dem Golfclub durch die Vertragänderung zugefügten Schadens in Anspruch zu nehmen“. Daum hafte in diesem Fall „unbeschränkt“.

Marek Klimanski

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Olaf Lorch-Gerstenmaier

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